Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schaum vor dem Mund

ROSENFELD (Dekanat Sulz) – Derzeit ist Martin Luther in aller Munde. Da passt es doch ganz vorzüglich dazu, dass in Rosenfeld zum Reformationsjubiläum nun auch ein Reformations-Bier entstanden ist. Es soll Luthers Anliegen schmackhaft unter die Leute zu bringen. 

Luther in der Abfüllanlage: Die Brauerei lehner hat ein ökumenisches Reformationsbier gebraut. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)


Martin Luther würde sich wohl genüsslich den Schaum von den Lippen wischen und womöglich verschämt anerkennen, dass dieses Bier noch besser ist, als das selbstgebraute seiner Frau Käthe: Das bernsteinfarbene Exportbier mit der rauchigen Note heißt Reformationsbräu und wurde von Lehner in Rosenfeld gebraut.

Noch mehr würde es den Reformator vielleicht aber freuen, dass er dieses Bier in trauter Zweisamkeit auch mit seinen katholischen Kollegen trinken könnte. Denn dieses Reformationsbier ist ein ökumenisches Getränk und das nicht nur, weil Braumeister Andreas Klausmann ein Katholik ist.
Den Einfall dazu hatte der Leidringer Pfarrer Holger Zizelmann bei der Sommersynode 2015 des Kirchenbezirks Sulz, als Beiträge zu 500 Jahre Reformation gesucht wurden. Die Idee lag auch deshalb auf der Hand, sagt Zizelmann, weil es in der Gemeinde Rosenfeld die Brauerei Lehner gibt, die mit ihrer Stiftung ganz unbürokratisch Menschen in Not im Zollernalbkreis unterstützt. Seit Stiftungsgründung 1998 gab es bereits 50.000 Euro für gute Zwecke. Der Rosenfelder Pfarrer Bernd Hofmann ist kraft Amtes in diesem Stiftungsrat vertreten.

Auch die Katholiken im Stiftungsrat stimmten einem Reformationsbier zu. Liegen doch die Wurzeln der Liebe Martin Luthers zum Bier im Kloster. Seine Frau Katharina hatte das Brauen seines Lieblingsbieres als Nonne gelernt. Und weil die Reformation grundlegende Bedeutung für Freiheit und demokratische Werte hat, ist auch Braumeister Klausmann als Katholik überzeugt, dass sein Reformationsbier nicht nur Protestanten schmecken wird.

Pfarrer Bernd Hofmann: „Martin Luther wollte keine neue Kirche gründen, sondern seine katholische Mutterkirche zurück zu ihren biblischen Wurzeln rufen. Seine Grundgedanken sind längst auch in der katholischen Kirche anerkannt.“ Mit dem Reformationsjubiläum wolle die evangelische Kirche sich nicht selber feiern, sondern die bleibende Bedeutung der Freiheit eines Christenmenschen auch für die Gesellschaft neu ins Bewusstsein rufen. Das wird auch in dem mit dem Bier ausgegebenen Faltblatt deutlich. Dort heißt es: „Der mündige Mensch, der selber lesen und sich ein eigenes Urteil bilden kann, war Luther ein großes Anliegen – keiner Macht der Welt nur dem Wort Gottes und seinem Gewissen verantwortlich.“

Solche Gedanken in bierseliger Atmosphäre zu besprechen, auch das steckt hinter der Idee. Pfarrer Bernd Hofmann: „So wie Luther sein Evangelium der Freiheit in Christus volksnah der breiten Bevölkerung ins Bewusstsein brachte, soll heute auch das Reformationsbräu mithelfen, die aktuelle Bedeutung des Evangeliums bewusst zu machen.“ Im Faltblatt steht: Luthers Lebenslust und Feiheitsmut möchten wir mit diesem dunklen und zünftigen Bier unter die Leute bringen.
Das Lutherbild dient mittlerweile auch als Geschenk, erzählt Christine von Wagner, Pfarrerin der evangelischen Kirche in Täbingen. So bekam eine Kollegin das Lutherbier als kleiner Dank von den Eltern eines Täuflings geschenkt.

Das Reformationsbräu ist noch bis zum 31. Oktober 2017 in der Brauerei Lehner in Rosenfeld, aber auch über den Getränkefachhandel erhältlich. Viele Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen in den Kirchenbezirken Sulz und Balingen unterstützen die Aktion und bieten das Bier bei entsprechenden Anlässen an.

Die erste Abfüllung mit 30 Hektolitern (600 Flaschen in 300 Kästen) waren schon nach zwei Wochen ausverkauft. „Mit einem derartig einschlagenden Erfolg haben wir nicht gerechnet“, sagt Geschäftsführer Egon Stehle. Solche Sondereditionen seien immer risikobelastet: Wird es nachgefragt oder bleibt es beim einmaligen Ausprobieren?

Die Idee, entstanden in der Synode, wurde zur Win-win-Situation. Für die Kirche zählt neben der „Werbung“ für Martin Luther, die wohl eher ein „an ihn erinnern“ sein soll, auch der Erhalt regionaler Braukunst und damit von Arbeitsplätzen in der Region. Denn die Brauerei bietet nicht nur direkt Arbeitsplätze, sondern bezieht ihre Gerste von den Landwirten vor Ort über eine Mühle, die ihren Standort auch in Rosenfeld hat.

Informationen im Internet unter www.ekd.de/Reformationstag, www.reformation.wuerttemberg.de und www.lehner-bier.de

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