Christliche Themen für jede Altersgruppe

Summ, Summ, Summ

LAUTERBACH/ROSENFELD (Dekanat Sulz) – Wie kann man die Schöpfung bewahren? Die Kirchen­gemeinden Lauterbach und Rosenfeld haben sich dazu etwas einfallen lassen und ihre Rasenflächen um die Kirche in Bienenweiden verwandelt. Besucher des Kirchentags konnten sich beim „Abend der Begegnung“ darüber informieren und viele Anregungen mit nach Hause nehmen. 


Naschen erlaubt: Die Rosenfelder hatten Bio-Honig mitgebracht, der in der Initiative „Mellifera“
entstanden ist. (Foto: Benny Ulmer)

In Lauterbach im Schwarzwald begann alles mit dem Grünen Gockel. Den bekam die kleine, zur Gesamtkirchengemeinde Schramberg gehörende Gemeinde, 2008 verliehen. „Da wollten wir einfach etwas mehr tun, als nur Energie sparen“, sagt Pfarrerin Heidrun Stocker, „wir haben ja nicht so viele Gebäude.“

Dieses „Mehr“ war eine Fläche von 100 Quadratmetern um die Kirche herum. Die säten die Lauterbacher ganz neu ein und verwandelten sie in eine blühende Bienenweide: Kornblumen gedeihen dort seither, Ringelblumen, Boretsch oder Dill.

Das alles hat so wunderbar funktioniert, dass man von einer einjährigen nun auf eine mehrjährige Pflanzenmischung umgestellt hat. Flächenrenaturierung als Langzeitprojekt, und das eben nicht nur draußen in der offenen Landschaft, sondern mitten im Ort, auf Rasenflächen. Die, was die Artenvielfalt angeht, heute größtenteils verarmt sind.

Zugleich haben die Lauterbacher auch etwas für die ökologische Regenwassernutzung getan und Dachrinnen beseitigt, deren Wasser direkt in die Kanalisation eingeleitet wurde.

Ein ganz ähnliches Umweltprojekt gibt es in der Kirchengemeinde Rosenfeld. Sie liegt am entgegengesetzten Ende des Dekanats Sulz und gehört landschaftlich schon zum Bereich der Schwäbischen Alb. 2011 wurde dort auf Landkreisebene das Netzwerk „Blühende Landschaften“ gegründet, das Gemeinden, Vereinen, Schulen und Kindergärten kostenloses Saatgut zur Verfügung stellt, wenn sie bei der Schaffung neuer naturnaher Grünflächen mitwirken wollen.

Rosenfeld war die erste Gemeinde im Zollernalbkreis, in der die „Blühenden Landschaften“ modellhaft umgesetzt wurden, auch mit Hilfe der Initiative für ökologische Bienenhaltung „Mellifera“, die in der Fischermühle untergebracht ist. „Wesensgemäßes Imkern“ nennt sich der Ansatz, der sich an den natürlichen Bedürfnissen der Bienen orientiert, sie ihre eigenen Waben bauen lässt, auf künstliche Königinnen verzichtet und die Vermehrung über den natürlichen Schwarmtrieb befördert. Auch dem Verhältnis Mensch und Bienenvolk wird große Bedeutung beigemessen. Mellifera betreibt eine Lehr- und Versuchsimkerei und einen Online-Shop, dessen Produkte Demeter-geprüft sind.

Die Gärten der evangelischen Kirchengemeinde hingegen fingen erst richtig an zu blühen, als Pfarrer Bernd Hofmann vor drei Jahren in die Gemeinde kam. Der Seelsorger verfügt über reichlich gärtnerische Erfahrung und hat für die Renaturierung des Pfarrgartens in seiner vorherigen Gemeinde Vellberg-Großaltdorf sogar den Landesnaturschutzpreis bekommen.

Mit Hilfe der Pfadfinder begann Bernd Hofmann, ein etwa 80 Quadratmeter großes Rasenstück an der Rosenfelder Kirche in eine ökologisch wertvolle Magerwiese zu verwandeln. „Am Anfang sah es aus wie ein geschotterter Parkplatz“, erinnert sich der Pfarrer, „und manche haben sich schon vewundert gefragt, was wir da eigentlich machen.“

Doch sehr schnell sahen die Gemeindemitglieder in Rosenfeld, was aus dem einst langweiligen Rasenstück geworden war, und wie es nun summt und brummt. Natternkopf und Salbei findet man dort, sowie vieles andere, was den Insekten schmeckt. Diese tauchen nun wieder in großer Zahl auf. Auch an seinen Pfarrgarten hat sich Bernd Hofmann gemacht und ihm ein Stück von seiner natürlichen Artenvielfalt zurückgegeben.

Über all das konnten sich die Kirchentagsbesucher am Abend der Begegnung am Gemeinschaftsstand von Lauterbach und Rosenfeld ausführlich informieren: Dort präsentierten sich neben den beiden Kirchengemeinden auch das Netzwerk Blühende Landschaften, der Obst- und Gartenbauverein sowie die Bienen- und Imkerinitiative Mellifera – sehr zum Vergnügen der Standbesucher, die vom süßen Öko-Honig naschen durften.

Wer sich eingehender informieren wollte, der konnte zahlreiche Tipps für die praktische Umsetzung mit nach Hause in die eigene Gemeinde nehmen. Dazu gab es Schautafeln, gedruckte Informationsmaterialien, Computerbilder, einen Bienenstock und einige bepflanzte Schaukübel, in denen die insektenfreundlichen Mischungen gezeigt wurden.

Überdies standen die Pfarrer als Ansprechpartner zur Verfügung und erläuterten auch die biblische Begründung ihrer Projekte.

Pfarrer Bernd Hofmann hat dazu sogar ein Blatt entworfen, auf dem er die Schöpfungsgeschichte unter dem Gesichtspunkt der Biotope und Lebensräume erzählt. Die Quintessenz seiner Ausführungen: Nicht nur die Lebewesen sind elementarer Teil der Schöpfung, sondern auch die dazugehörigen Lebensräume. Ohne sie kann das Leben der Geschöpfe nicht funktionieren. Deshalb ist der Schutz der Biotope und ihre Bewahrung ebenfalls ein ganz zentraler Schöpfungsauftrag.




Wo Milch, Wurst und Wolle wachsen
Manuel Liesenfeld (Hg.)
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