Christliche Themen für jede Altersgruppe

Und über allem Versöhnung

Baiersbronn-Ruhestein (Dekanat Freudenstadt) – Erfahrungen mit Gott inmitten der Natur, das ­sollen spezielle Spaziergänge und Wanderungen im Nationalpark Schwarzwald ermöglichen. Bei einem Schnuppertag sind Menschen für solche Führungen sensibilisiert worden.


Schöpfung erleben. Das heißt: biblische Geschichten im Wald hören, Körpergebet und Spazieren durch die Wunder­welt Gottes. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)


Abkürzungen machen unbestritten vieles einfacher. Doch Hand aufs Herz, wer kann sich unter ÖNKINS etwas vorstellen? Des Rätsels Lösung: Ökumenisches Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald. Entstanden ist dieses Netzwerk, wie Pfarrer Wolfgang Sönning von der evangelischen Kirchengemeinde Baiersbronn-Mitteltal erklärt, auch aus dem erbitterten Streit zwischen Nationalparkgegnern und Nationalparkbefürwortern. Dieser Zwist wurde bis in die Familien hineingetragen, führte zu Anfeindungen in den Gemeinden bis hin zu Bedrohungen.

Das war so stark, dass die Kirche sich gefordert sah, selbst einzugreifen. Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, der Nationalpark ist da, doch immer wieder, wenn auch verhalten, flammt der Streit wieder auf. So ist ein Ziel im Leitbild, das sich die Kirchen im Nationalpark Schwarzwald gegeben haben, auch „angesichts der menschlichen und politischen Konflikte um den Nationalpark, zur Verständigung und Versöhnung zu verhelfen“.

Über diese Anfänge, das Leitbild, die Veranstaltungen, die es bisher schon gibt, aber auch über die Bestimmungen und Vorschriften, die im Nationalpark gelten, erhielten die Teilnehmer eines Schnuppertages einen groben Überblick. Ein Seminarangebot „ÖNKINS-Guides“ soll es Ende des Jahres geben. Das Ziel: spirituelle Spaziergänge im Nationalpark.

Das Netzwerk Kirche, in dem die evangelischen Landeskirchen Württemberg und Baden, die Erzdiözese Freiburg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart mitarbeiten, sucht nach Menschen, die sich im Bereich Natur, Mensch, Gott aktiv einbringen möchten. Damit wird Neuland beschritten, denn spirituelle Spaziergänge gibt es nach Auskunft des ÖNKINS im Nordschwarzwald noch nicht.

Gemeindereferentin Helga Klär von der katholischen Kirche in Ottenhöfen ist, zusammen mit Wolfgang Sönning, Sprecherin der ÖNKINS: „Es wäre einfach hilfreich, eine Liste von Helfern zu haben, auf die zurückgegriffen werden kann, wenn christliche Gruppen, Konfirmanden, Religionsklassen sich melden und eine besondere – eben christliche geprägte Führung – durch den Nationalpark möchten.“

Die künftigen Guides haben die Freiheit ihre Führungen so zu gestalten, wie sie es möchten. Sie bekommen zwar Hilfestellungen, können aber ihre eigenen Ideen entwickeln. Diese sollen dann auch gesammelt und anderen ÖNKINS-Guides als Ideenpool zur Verfügung gestellt werden.

Wie so ein christlicher Spaziergang aussehen könnte, wurde den Teilnehmern am Schnuppertag in Kurzform geboten. Im Waldklassenzimmer, gleich hinter dem Nationalparkzentrum, stellten sich die Teilnehmer zum Körpergebet auf, das Patrick Krieg, Pastoralreferent des katholischen Dekanates Baden-Baden, leitete. Es gleicht den bekannten Atemübungen, stellt dabei aber einen Bezug zu Gott her. Breitbeinig, dadurch standhafter und geerdet. Die Hände geöffnet, um Gottes Segen zu empfangen, tief ein- und ausatmen, die Natur in sich aufsaugen, in sich hineinlassen, die Wärme, den Waldduft genießen, die Luft erspüren, den Waldgeräuschen lauschen.

Das Körpergebet ist eine Form, in der Natur ein Gespräch mit Gott zu führen. Die Arme zum Himmel gestreckt: „Ich öffne mich für den Himmel, für Gott.“ Die Hände in der Körpermitte halten: „Ich komme zu meiner Kraft, zu meiner Energie zu meiner Lebensfreude.“ Die Arme weit von sich gestreckt: „Ich öffne mich für das Leben, für die Freude, die Trauer, den Schmerz, das Glück, die ganze Schöpfung.“ Die Hände vors Herz gehalten: „Ich nehme alles was mir lieb ist an mein Herz.“ Die Arme hängen lassen: „Ich lasse los, was mich hindert, zu mir zu kommen, was mich hindert, zu dir zu kommen.“

Danach geht es ein paar Schritte in den Wald: sich einen Baum suchen, sich an ihn lehnen, seine Kraft oder seinen Schutz erspüren und dabei einer Geschichte lauschen, beispielsweise von der Weisheit des Baumes und der Weisheit des Landstreichers. Der eine hat Beine, der andere Wurzeln Und wer ist nun besser dran. In der Erzählung von Gina Ruck-Pauquet kommt es zum Streitgespräch, aus dem eine Freundschaft entsteht, von der beide profitieren.

Wieder zurück in den Seminarräumen des Nationalparkzentrums erfahren die Schnupper-Teilnehmer, was es bereits an christlichen Veranstaltungen im Nationalpark gibt. Beispielsweise die regelmäßigen Gottesdienste, geistliche Impulse zum Sonnenaufgang, spirituelle Radtouren, Abendgebete auf der Hornisgrinde, der Seerundgang um den Mummelsee im Schweigen, die zweitägigen Pilgerwanderungen und natürlich auch die Waldweihnacht.

„Nach dem biblischen Schöpfungsglauben gehen Natur und Mensch aus dem Willen Gottes hervor. Christen teilen dieses Welt- und Menschenbild mit jüdischen und muslimischen Frauen und Männern. Die Erscheinungen der Natur enthüllen den Glaubenden etwas vom Wesen Gottes, der Fülle seiner Gaben“, so steht es in dem Leitbild, und weiter: „Jedoch haben die Erscheinungen keine eigenständige Macht oder Kraft über das hinaus, was Gott in sie gelegt hat.“

Pfarrer Wolfgang Sönning spricht das Thema Gottes Schöpfung und die Wissenschaft an. Ein Thema, das gerade die Besucher des Nationalparks und solcher künftig geführten christlichen Spaziergänge besonders umtreibt. Pfarrer Sönning: „Wir haben die wissenschaftlichen Erkenntnisse, doch auch denjenigen, die an die reine Schöpfung Gottes glauben, kann man begegnen, denn bei aller wissenschaftlichen Erklärung bleibt immer noch die Frage, wer davor stand und wer den Anschubs gegeben hat.“

Im Faltblatt „Nationalpark spirituell“ heißt es: Wo Natur einfach Natur sein darf – eine Spur wilder eben – da ist er vielleicht stärker zu spüren als anderswo, der Zauber der Schöpfung. Gerade der Nationalpark ist ein Raum, in dem wir entdecken, wie kostbar das Leben ist und wie wunderbar die Taten Gottes sind. Im Stillewerden über den Wundern der Natur loben wir Gott, den Schöpfer.

Bärbel Kaufmann, Entspannungspädagogin aus Dietersweiler, will als Nationalpark-Führerin eine Brücke bauen zwischen Natur und Glaube. Ihr gesundheitliches Wissen mit einbringen. Jürgen Höll aus dem Bühlertal will dem Menschen beim Wandern die Natur bewusster machen. Ralf Peter ist schon Schwarzwaldguide, er macht Sternenführungen: „Wenn die Besucher mit mir dann staunend unter dem Sternenhimmel stehen, kommt zwangsläufig neben der Wissenschaft das Religiöse zur Sprache. Wir sind wohl alles Suchende“, meint er.

Unter den Teilnehmern dieses Schnupperkurses waren auch zahlreiche Religionslehrer, die ihren Schülern und Schülerinnen in einem etwas anderen Unterricht den Glauben vermitteln wollen. Mit neuen Ideen im Gepäck traten sie den Heimweg an und der ein oder andere wird sich wohl zur Schulung anmelden.



Information

Informationen zu den ÖNKINS-Guides gibt es beim Evangelischen Pfarramt, Ruhesteinstraße 282 in Baiersbronn-Mitteltal bei Pfarer Wolfgang Sönning. Telefonnummer: 07442-5366 oder im Internet unter www.kirche-nationalpark-schwarzwald.de; E-Mail: wolfgang.soenning@elkw.de. Es werden auch Ehrenamtliche für Arbeitskreise mit den Bereichen Programmentwicklung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit gesucht.


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