Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vom Neuling zur Vorsitzenden

CALW – Als Anja Banzhaf (36) 2007 zum ersten Mal in den Stadtkirchengemeinderat in Calw gewählt wurde, da hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie sechs Jahre später seine erste Vorsitzende sein würde. Der bemerkenswerte Weg einer jungen Frau, die unter der Verantwortung nicht leidet, sondern sagt, dass es „erst jetzt so richtig meine Kirche ist“. 

Voll und ganz angekommen: Kirchengemeinderatsvorsitzende Anja Banzhaf in
ihrer Calwer Stadtkirche. (Foto: Gemeindeblatt)

Es ist sehr lange her, dass es Anja Banzhaf bei einer Kirchengemeinderatssitzung langweilig war. Seit sie dort den Vorsitz führt, gibt es keine unwichtigen Tagesordnungspunkte mehr. Keine Themen, bei denen man sich zurücklehnen oder zurückhalten kann, keine fünf Minuten, in denen die Gedanken abschweifen: Wenn die Vorsitzende nicht bei der Sache ist, merkt das jeder und wenn sie sich nicht vorbereitet hat, genauso.

Das Sitzungsleben hat sich sehr verändert, seit Anja Banzhaf nicht mehr nur einfaches Ratsmitglied ist, sondern an dessen Spitze steht. Als erste Vorsitzende in einem Gremium, dem neben ihr noch acht andere gewählte Vertreter angehören, sowie ein großer Kreis von Hauptamtlichen: der Stadtpfarrer, der Dekan, ein Pfarrer zur Anstellung, eine Vikarin. Wie das eben so ist, wenn in der eigenen Gemeinde zugleich auch der Dekan sitzt.

Bei der Sitzungsleitung hat es ihr ein wenig geholfen, dass sie Lehrerin ist. „Vor Leuten zu reden, die Zeit im Blick zu haben, darauf zu achten, wer sich in welcher Reihenfolge meldet, das ist für mich normal.“ Es ist ganz erstaunlich, wieviel für sie schon normal ist nach nur zwölf Monaten in der Verantwortung. Wie unaufgeregt sie von ihren Aufgaben spricht und wie wenig sie den höheren Zeitaufwand als Belastung empfindet.

„Es ist jetzt viel mehr meine Kirche“, sagt sie stattdessen und dass es ihr das Gefühl gibt, nun voll und ganz dazuzugehören. Es ist ein schönes Gefühl, ein Gefühl des Angekommenseins und der Vertrautheit, der Überwindung jener Fremdheit, die sie während der ersten Amtsperiode lange Zeit empfunden hat.

2007 war sie als 29-Jährige in den Stadtkirchengemeinderat gewählt worden. Sie war mit Abstand die Jüngste und die einzige ihrer Generation. Viele ihrer Kollegen waren schon seit Jahrzehnten dabei, und obwohl sie von allen mit offenen Armen empfangen wird, fällt ihr das Hinweinwachsen nicht leicht.

Dann kam ein neuer Pfarrer mit neuen Ideen und einem neuen Arbeitsstil. Die Sitzungen änderten sich, „alles wurde irgendwie lebendiger“. Im Bauausschuss gilt es wichtige Entscheidungen zu treffen, der Verkauf des alten Gemeindehauses ist eine große Herausforderung.

Anja Banzhaf nimmt sie an und zögert 2013 auch nicht, als die Frage einer erneuten Kandidatur ansteht. Nun ist sie plötzlich die Erfahrene, weil von neun Ratsmitgliedern sieben aufhören. Eine von diesen sieben ist ihre Schwiegermutter Annerose Banzhaf.

Sechs Jahre lang saß Anja mit ihr gemeinsam im Gremium, jetzt betrachtet sie sich auch ein wenig als ihre Nachfolgerin. Geholfen hat ihr auch, dass ihre Schwiegermutter versprach, sich während der Sitzungen um ihre Kinder zu kümmern. Seit 2010 und 2012 ist Anja Banzhaf Mutter, „am Anfang“, sagt sie, „habe ich meinen Sohn sogar in die Sitzungen mitgenommen.“

Die erste Sitzung nach der Kirchenwahl 2013 endet für sie mit einer Überraschung. „Ich wollte eigentlich nicht Vorsitzende werden“, erinnert sie sich, aber sie sagt letztlich auch nicht nein, als man sie fragt. Bereut hat sie die Entscheidung nie, sondern sieht in ihr auch ein interessantes Zeichen dafür, wie eine Sache verlaufen kann, wenn man sich offen auf sie einlässt.

Das erste Mal hatte sie sich eingelassen, als sie im Calwer Ortsteil Stammheim nach der Konfirmation Kinderkirchmitarbeiterin wurde. Dann folgte das Studium der Biologie und Theologie in Tübingen, sie wohnt sogar zeitweise im evangelischen Stift, wo angehende Pfarrerinnen und Pfarrer ausgebildet werden.

Doch Tübingen wird nie so ganz ihre Heimat. Weil sie schon damals ihren künftigen Mann Johannes kennt, ist sie sehr oft in Calw und hat überhaupt nichts dagegen, als sie dort 2006 eine feste Lehrerstelle am Gymansium bekommt. 2008 heiratet sie und gründet wenig später ihre kleine Familie.

Die ist nun auch regelmäßig mit dabei, wenn alle drei Monate die Familienkirche stattfindet. Es ist ein Gottesdienstangebot für Eltern mit kleinen Kindern, Kindern wie die von Anja Banzhaf. Jüngere Erwachsene zu erreichen, das ist eines ihrer Anliegen, dem sie sich engagiert widmet.

Und der Vorsitz? Wie lange wird sie das wohl machen? „Ach, wir haben auch mal darüber geredet, dass man in der Mitte der Amtszeit wechseln kann.“ Die Dinge auf sich zukommen lassen und sehen , was sich daraus ergibt. Damit ist Anja Banzhaf schon immer recht gut gefahren.


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