Christliche Themen für jede Altersgruppe

Warum weniger mehr ist

KNIEBIS (Dekanat Freudenstadt) – Suffizienz – das klingt zunächst nach einem komplizierten Begriff. Doch das ist er nicht. Denn er beinhaltet das, was Menschen in der Nachfolge Jesu Christi immer wieder versuchen: in dessen Fußstapfen zu treten und Genügsamkeit zu üben. Auch für Pfarrer Stefan Itzek spielt Suffizienz, etwa in Form von Nachhaltigkeit, im Alltag eine zentrale Rolle. 


Ein Beispiel für Suffizienz und Nachhaltigkeit: die Eierkartonburg der Grundschule auf dem Kniebis. Links im Bild Pfarrer Stefan Itzek, rechts Lehrerin Helen Gauß. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)


Es war die Jugendorganisation des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), die das Suffizienz-Thema in einer umfangreichen Broschüre erarbeitet hatte. Laut dem Internet-Lexikon Wikipedia steht Suffizienz in der Ökologie für das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch. Voraussetzung dafür sind Verhaltensänderungen, für die man die Bevölkerung nun verstärkt sensibilisieren will.

In Freudenstadt beschäftigen sich der Weltladen und die Ortsgruppe des BUND mit dem Thema. Als Vertreter der Kirchen war Stefan Itzek, seit zwei Jahren Pfarrer auf dem Kniebis,  dabei. Große gemeinsame Aktionen wurden bei diesem ersten Treffen nicht vereinbart, doch jede Gruppierung sollte für sich das Thema weitertragen und publik machen.

Mit kreativen Ergebnissen: „Auch das ist Suffizienz“, sagt Stefan Itzek und zeigt auf den Schulhof der Grundschule gleich gegenüber dem Pfarrhaus. Dort bauen Kinder aus Eierkartons eine Burg. „Seit einer Woche machen sie das“, erklärt ihre Lehrerin Helen Gauß. Immer wieder ist die Burg zusammengebrochen oder hat den Kindern so nicht gefallen. Jetzt steht sie. Eierkartons wurden dadurch wiederverwertet, zumindest vorübergehend, bis sie ganz kaputt sind.

Auch die Grundschule auf dem Kniebis hat mit Suffizienz etwas zu tun. Es ist noch eine richtige Dorfschule. Hier werden die Kinder vom 1. bis 4. Schuljahr in einer Klasse unterrichtet. Das bietet Wohnortnähe und spart den Bus. An den heißen Tagen ging es  einfach auch mal schnell ins gegenüberliegende Freibad.

Pfarrer Stefan Itzek wurde angefragt, ob er sich der Kampagne Suffizienz anschließt. Er hat es getan, um die Inhalte, die darin stecken, wieder ins Bewusstsein zu bringen. „Der zivilisatorische Fortschritt wird in der gesamten Bibel immer wieder kritisch hinterfragt“, sagt Itzek, somit sei Suffizienz nichts Neues. Itzek erinnert dabei an die Infragestellung des Königtums oder die Kritik der römisch-griechischen Gesellschaft durch Paulus. Auch Jesus selbst war als Wanderprediger ein Mann, der nur wenig für sich selbst benötigte.

„Die griechische Kardinaltugend der Mäßigung ist für mich stets eine Orientierung“, sagt Pfarrer Itzek. So habe das einfache Leben bei alten Menschen im Rückblick immer einen positiven Stellenwert. In Gesprächen mit Senioren erzählten diese viel darüber, wie sie mit wenig ausgekommen sind und doch eine glückliche Jugend hatten. Auch die Faszination an dem ewig gepflegten Unimog oder Oldtimer spreche, so Itzek, für eine Sehnsucht nach Einfachheit und hinterfrage manch technische Entwicklung.
Auf die Frage welche Konsequenzen er daraus ziehen möchte, sagt Pfarrer Stefan Itzek: „Die Erinnerung wachhalten an frühere Zeiten und an das Vorbild Jesu.“ Sowie dort zuhören, „wo vom einfachen Leben erzählt wird“. Ganz konkret werde Suffizienz aber in der pädagogischen Arbeit beispielsweise durch das Übernachten mit Kindern und Jugendlichen in der freien Natur oder in Zeltlagern. Wichtig sind für ihn aber auch Tauschbörsen, Flohmärkte, Reparaturwerkstätten, Carsharing, gemeinsames Gärtnern und Kleiderbörsen.

Seiner Ansicht nach durchzieht Suffizienz schon jetzt bei ganz vielen Menschen, in ganz unterschiedlichen Bereichen, das Leben. Manchmal geschehe es jedoch auch ungewollt und gezwungenermaßen, beispielsweise dann, wenn ein alter Mensch sich von vielem trennen muss, weil der Umzug ins Altersheim ansteht. Das könne sehr schmerzlich, aber auch befreiend sein. So habe auch Suffizienz eben seine zwei Seiten.

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