Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie ein Dialog möglich wird

NAGOLD – Pfarrer Reinhard Hauber ist der Islambeauftragte im Dekanat Nagold. Zunehmend spielt dabei die Arbeit mit  Flüchtlingen eine Rolle. Doch auch bei Einheimischen wächst das Interesse an christlich-muslimischenThemen, sagt der Seelsorger im Gespräch mit Bärbel Altendorf-Jehle.

Pfarrer Reinhard Hauber (links), Islambeauftragter des evangelischen Kirchen­bezirks Nagold und Imam
Hasan Yesilkent. (Foto: privat)


Herr Hauber, was macht ein Islam­beauftragter?

Reinhard Hauber: Erstmal sich einarbeiten, denn die Weitergabe von Informationen über den Islam steht im Vordergrund. Die Erwachsenenbildung der evangelischen Kirche hat sehr gutes Material zu diesem Thema. Zu meinem ersten Kurs  „Christen und Muslime im Vergleich“ wollten 60 Interessierte kommen. Das war im letzten Jahr. Daran wird deutlich, wie sehr die Menschen an diesem Thema interessiert sind. Bei einem Kurs über die Reformation haben wir mit Ach und Krach zwölf Teilnehmende zusammenbekommen.

Wäre es nicht gut, zu solchen Informationen Muslime hinzuzuziehen?

Reinhard Hauber: Selbstverständlich. Wir hatten das Glück, bei diesem Kurs eine vor 30 Jahren zum Christentum konvertierte Muslima bei uns zu haben. Sie konnte aus eigener Erfahrung über die Unterschiede beider Religionen berichten und die Fragen direkt beantworten. Das war eine große Bereicherung.

Welche weiteren Aufgaben gibt es für Sie?

Reinhard Hauber: Ganz wichtig ist es, den Dialog zwischen Christen und Muslimen zu ermöglichen. Ich besuche zusammen mit interessierten Christen ab und an die Freitagsgebete in unseren Moscheevereinen in Nagold. Wir nehmen daran teil und diskutieren anschließend mit den dortigen Gemeindemitgliedern. Letztens haben daran auch Schüler des Gymnasiums teilgenommen, die das Thema im Unterricht hatten.

Es wird viel von Begrüßungskultur gesprochen – was gehört dabei für sie dazu?

Reinhard Hauber: Es ist wichtig, den Flüchtlingen ein anderes Bild von Religion – unserer Religion – zu geben, als sie es in ihrer Heimat erlebt haben. Der politische Konflikt ist meist auch ein religiöser Konflikt. Im Namen der Religion haben die Flüchtlinge  einen Kampf bis aufs Blut erlebt. Wir sollten ihnen bei uns zeigen, dass wir respektvoll miteinander umgehen und dass sich die verschiedenen Glaubensrichtungen nicht gegenseitig schlecht machen. Hier kommt uns eine hohe Verantwortung zu.

Wie kommen Sie in Kontakt mit den Flüchtlingen?
Reinhard Hauber: Wir haben sie beispielsweise in unsere Vesperkirche von Anfang an mit eingebunden. Das ist ein sehr niederschwelliges Angebot. Sie erleben dadurch unser Kirchengebäude – da findet die Vesperkirche nämlich statt –,  ohne aber ein kirchliches Angebot wie Gottesdienst übergestülpt zu bekommen. Ich arbeite aber auch im Asylkreis in Nagold mit.

Worin sehen sie ein Hauptproblem des Islams?
Reinhard Hauber: Was wir Christen schon längst hinter uns haben, nämlich die kritische und aus historischer Sicht geprägte Interpretation der Bibel, diese Arbeit haben die Muslime noch vor sich. Im Koran muss man zwischen den Suren aus Mekka und den Suren aus Medina unterscheiden. In den Suren aus Mekka wird Gewalt gegen Andersgläubige abgelehnt, in den Suren aus Medina dagegen bejaht. Aber Passagen der Gewalt gibt es auch in der Bibel und kein ernsthafter Christ würde deshalb gewalttätig.

Wie ist das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Nagold?
Reinhard Hauber: Ich würde sagen, gut. Die Aleviten als freie Muslime haben sich total in die deutsche Gesellschaft integriert und sind ideale Partner für den Dialog.  Wir haben aber auch zwei Gruppierungen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Doch auch diese Menschen wohnen und leben seit langem hier in guter Nachbarschaft zu den Christen. Hier wäre es wichtig, dass sich diese Gruppen von den demokratiefeindlichen und antisemitischen Äußerungen ihres türkischen Hauptverbandes mehr distanzieren.

Wie weit helfen die Muslime selbst den Flüchtlingen?
Reinhard Hauber:  Die Muslime selbst haben keine organisierte Diakonie. Das ist ein großes Handicap. Auf Bundesebene ist man dabei, etwas aufzubauen. Hier in Nagold besuchten die Muslime die Flüchtlinge im Heim und feierten mit ihnen gemeinsam das Fastenbrechen.

Erfahren Sie auch Kritik an ihrer Arbeit?
Reinhard Hauber:  Ja, aber nur vereinzelt. Diese Wenigen behaupten dann unter anderem, ich und meine Mitstreiter würden uns von den Muslimen einlullen lassen. Das sind Menschen, die mit hochproblematischen Vorurteilen in ihrer Wagenburg leben, aus der sie nicht herauskommen. Hier habe ich auch als Islambeauftragter keine Chance, sie eines Besseren zu belehren. Das ist leider vergebliche Liebesmühe.

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