Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf weitem Raum

WARTHAUSEN (Dekanat Biberach) – Die 13 Ortschaften der Gemeinde  Warthausen liegen weit verstreut. Doch die Mitglieder der 25 Jahre alten Gemeinde zwischen Laupheim und Biberach haben eine eigene Identität gefunden. Und die Gemeinde wächst. 

Die Konfirmanden bekamen die Bibeln im Advent im Gemeindezentrum überreicht. (Foto: Inge Veil-Köberle)

Noch bis zum Ende der 80er-Jahre war die Kirchengemeinde Warthausen nicht eigenständig, sondern Teil der Gemeinde Biberach. Schon die Kirchengemeinde Biberach ist weitläufig. Das Gebiet von Warthausen, mit Schemmerhofen und Maselheim und vielen anderen kleinen Orten, erstreckt sich erst recht über eine große Fläche. Der Biberacher Pfarrer hatte damals kaum Zeit, dieses Gebiet zu betreuen. „Es war vor der Gründung der eigenen Gemeinde schwierig, eine evangelische Gemeinschaft auf solch große Distanzen zu vereinigen“, sagt Kirchengemeinderat Walter Gering.

Mitte der 80er-Jahre übernahm Pfarrer Armin Krause die Gemeinde unter der Bedingung, dass sie eigenständig werden soll. Der Oberkirchenrat stimmte zu. Rechtlich eigenständig wurde die Kirchengemeinde am 1. Januar 1990.

Bis 1989 fanden die Gottesdienste entweder in der Schlosskapelle oder in einem Raum in der Turnhalle statt. Kein Zustand auf die Dauer: Die Kirchengemeinde mit den 13 Ortschaften und damals 1600 Mitgliedern baute ein eigenes Gemeindezentrum im südlichsten Ort der Kirchengemeinde, in Warthausen.

„Wenn man sich das weitläufige Gebiet anschaut, hätte der Standort zentraler sein müssen“, sagt Hans-Dieter Bosch im Rückblick. Er ist seit 1992 als Pfarrer in der Gemeinde tätig. „Doch damals gab es nur dort die Möglichkeit, ein Gemeindezentrum mit Pfarrhaus zu bauen“, erzählt er.

Mit viel Eigenleistung der Gemeindemitglieder wurde das Gemeindezentrum gebaut, erzählt Walter Gering, der damals Vorsitzender des Bauausschusses war. 1989 wurde das Bodelschwingh-Gemeindezentrum eingeweiht. Das Gebäude steht mitten im Wohngebiet und hat keinen Glockenturm. Der jüngste Anbau ist ein runder Gottesdienstraum, der seit 2005 das Gemeindezentrum vervollständigt.

Der weite, runde Raum hat eine faszinierende Wirkung. Trotzdem: Pfarrer Bosch hält 95 Prozent der Gottesdienste in anderen Kirchen und Räumen. Er hat in den 22 Jahren seiner Dienstzeit gelernt, dass der biblische Ruf „Kommet zu mir“ in dieser ländlich geprägten Region nicht funktioniert. Bosch geht dorthin, wo seine Gemeinde ist.

Die Region ist auf Wachstumskurs. Die 13 Ortschaften haben zwischen 600 und fast 4000 Einwohner. Mittlerweile hat die evangelische Gemeinde über 2100 Mitglieder. Pfarrer Bosch hält am Sonntag in der Regel an zwei verschiedenen Orten Gottesdienst. Der organisatorische Aufwand, den er dafür bewältigen muss, ist groß. Doch seine Frau unterstützt ihn, und er kann auf die Mitwirkung von Ehrenamtlichen setzen. „Ich bin ja immer zu Gast in den anderen Kirchen und passe die Zeiten an die bestehenden Gottesdienste und Veranstaltungen der Gastgeber an“, erzählt er.

Die Kirchengemeinde Warthausen hat auf der Karte die Form eines Ahornblattes, sie beginnt nördlich von Biberach und endet kurz vor Laupheim. Es sind viele Kilometer, die der Pfarrer in seiner Gemeinde zurücklegen muss. Eine enge Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde, deren Kirchen die evangelische Gemeinde in manchen Orten mitbenutzt, ist für Bosch enorm wichtig.  „Den katholischen Kollegen ergeht es ähnlich“, erklärt Hans-Dieter Bosch. Auch sie hätten immer größere Seelsorgeeinheiten und könnten nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.

Pfarrstellenkürzungen, Personalengpässe, Zusammenlegung von Gemeinden – all das ist heute zu bedenken, sagt der 81-jährige Walter Gering. „Vielleicht wäre die Eigenständigkeit heute nicht mehr möglich“, gibt er zu bedenken. „Es ist gut, dass wir eine eigenständige Kirchengemeinde werden konnten. Sonst hätte kein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen können.“ Die evangelische Kirchengemeinde wächst. Dass die Kirchenpflege und die Finanzverwaltung wieder zentral in Biberach gemacht wird, sei sinnvoll, sagt Gering.

Flexibilität ist in solch einer Gemeinde wichtig. Das weiß auch Hans-Dieter Bosch. Er gibt an verschiedenen Schulen Religionsunterricht, da er im Kontakt mit Kindern und Eltern bleiben möchte. Im Advent erhalten die Konfirmanden der Gemeinde ihre Bibel. In diesem Jahr  fand dies im runden Kirchenraum des Bodelschwingh-Gemeindezentrums in Warthausen statt. Dabei wurde auch die neue dreimanualige Orgel eingeweiht. „Der Klang ist sehr beeindruckend“, schwärmt Walter Gering.

25 Jahre Kirchengemeinde Warthausen – Pfarrer Bosch ist dankbar: „Unsere Gemeinde ist über ein sehr weitläufiges Gebiet verteilt. Gerade deshalb war es ein Segen, hier seit einem Vierteljahrhundert eine Gemeinde-identität schaffen zu können.“

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