Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das eigene Grab pflegen

BIBERACH - Die Frage nach der letzten Ruhestätte empfinden viele Menschen als unangenehm. Der Gedanke an den Tod wird meist verdrängt.  Anders ist es bei Gottfried und Mechthild Schäfer aus Biberach. Sie haben sogar Grabpatenschaften übernommen. Aber was ist das eigentlich? 

Sie pflegen ein denkmalgeschütztes Grab, um später selbst darin begraben zu werden: Mechthild und Gottfried Schäfer. (Foto:Inge Veil-Köberle)

In Biberach gibt es einen evangelischen Friedhof mit einer 750-jährigen Geschichte. Einige der Grabstellen stehen unter Denkmalschutz, stammen aus dem 18. Jahrhundert und müssen erhalten werden. Meist kümmert sich die Stadt um die Gräber, wenn Nachfahren fehlen. Deshalb entstand die Idee, wie in anderen Städten auch, Grabpatenschaften zu vergeben. Das Besondere daran: Bürger können eine Patenschaft an einem denkmalgeschützten Grab übernehmen und erhalten dafür dann das Recht, in der Grabstätte beerdigt zu werden.

Für das Ehepaar Schäfer war klar: Das machen wir! Es sei ein gutes Gefühl, zu wissen, wo man eines Tages liegen wird. „Ich fühle mich wohl, wenn ich an diesem Ort bin, das Grab pflege und in Ordnung halte“, erzählt die ehemalige Lehrerin. Das Grab ist unter einem  großen Baum, der weit über hundert Jahre alt ist. Der schwarzpolierte Granitstein aus dem 18. Jahrhundert trägt die Namen Langer und wurde 1892 angelegt.

„Das neugotische Kreuz auf dem Grabstein finden wir sehr schön“, erzählt Gottfried Schäfer. Der Grabstein ist beschriftet, es fällt aber auf, dass einige dieser alten Grabsteine gedreht wurden und von beiden Seiten beschriftet sind. Auch Schäfers werden den Grabstein drehen, um die alten Namen zu erhalten und die ehemalige Rückseite für die Beschriftung zu nutzen.

„Wir haben keinen Bezug zu dem Familiengrab, das wir als Paten übernommen haben“, erzählt Gottfried Schäfer. Erst später bekam das Ehepaar aufgrund eines Zeitungsartikels Hinweise, dass diese Familie vor langer Zeit nach Südafrika ausgewandert war. Die Schäfers haben sich für dieses Grab entschieden, weil es unter einem sehr alten Baum steht. „Wir hatten auf dem elterlichen Hof einen großen Baum stehen. Mein Vater sagte damals, dass wenn die Eiche sterben würde, auch er sterben würde. Doch es kam anders. Der Vater starb, die Eiche erkrankte und musste ein Jahr später gefällt werden. Wir sind sehr baumbetont“, erzählt der pensionierte Tierzuchtleiter und promovierten Agrarwissenschaftler.

Schäfers Kinder wohnen weit weg und benutzen meist öffentliche Verkehrsmittel. Somit ist die Nähe zum Bahnhof ein weiterer Grund für den evangelischen Friedhof und die Grabpatenschaft. Das Ehepaar ist sich darüber einig, dass ein Grab kein Ort ist, an dem sich Freunde und Bekannte treffen. Es sei vielmehr eine  Ruhestätte, ein Ort der Erinnerungen für die Hinterbliebenen.

Erde zu Erde
Verbrannt zu werden, kommt für Gottfried Schäfer nicht in Frage. „Erde zu Erde“ sei ihm näher als „Asche zu Asche“. „Wer in der Landwirtschaft groß geworden ist, weiß, dass er Teil des Lebens ist“, ist er überzeugt. Dieses Wunder, wenn neues Leben entsteht, wenn ein Lebewesen auf die Welt kommt, aber auch die Gewissheit, dass Leben endlich ist. Diesen Lebensrhythmus erlebt man in der Landwirtschaft in vielerlei Hinsicht. Er fügt das Bild hinzu: „Welche Gewalt hat ein Samenkorn, das mit aller Kraft durch die verkrustete Erde sich ans Licht drückt, dieses zittrige dünne Pflänzchen.“

Gedichte über den Tod schreibt Gottfried Schäfer nicht mehr, wie er erzählt. „Je älter man wird, desto weniger hat man eine Beziehung zum Jetzt. Der Tod wirkt näher“, sagt er. „Wir sind beide 78 Jahre und fühlen uns wohl mit dem Gedanken an unsere letzte Ruhestätte“, fasst Mechthild Schäfer zusammen. „Ungewissheit besteht eher darin, ob es noch einen anderen Lebensort dazwischen geben wird“, gibt ihr Mann zu bedenken. Doch für das Pflegeheim ist es noch zu früh, schließlich fühlt sich das Paar vital und ist viel unterwegs.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht