Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Wort wirkt mit Musik nach

Kleine Anstöße – große Wirkung: Die Kirchengemeinde in Weingarten hat neue liturgische Impulse gesetzt. Das Vaterunser zum Glockengeläut, die Psalmen in ganzen Versen und ein Taizé-Lied. 

Bild: Die Psalmen werden in Weingarten jetzt in ganzen Versen gelesen.(Foto: Brigitte Geiselhart)

Was ist eigentlich ein „Impuls“? Rein physikalisch gesehen wird mit dieser Größe die „Bewegung eines massebehafteten Körpers“ bezeichnet. Das Schöne dabei: Jeder bewegliche Körper kann seinen Impuls, etwa bei einem Stoßvorgang, ganz oder teilweise auf andere Körper übertragen oder von anderen Körpern übernehmen. Und oft sind es gerade kleine Anstöße, die Großes bewirken können.

Keine Frage, dass auch in religiöser Hinsicht der Mensch hin und wieder solche Anstöße braucht, dass Impulse gut tun können – vielleicht auch mit Blick auf die Liturgie.

So oder ähnlich war möglicherweise die gedankliche Ausgangslage des Weingartener Kirchengemeinderats, der sich im Herbst vergangenen Jahres zur Klausurtagung im beschaulichen Allgäu traf. Die dort beschlossenen neuen Impulse für den Gottesdienst sind vielleicht keine Meilensteine, sondern eher kleine, aber feine Puzzleteile – die aber dennoch gut zusammenpassen.

Mittlerweile ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. Was hat sich seither im sonntäglichen Gottesdienst getan? „Es ist vieles in Bewegung gekommen. Ich finde die Veränderungen insgesamt gesehen sehr bereichernd“, sagt Sigrid Luginsland. Dass je nach Gemeindemitglied die Veränderungen unterschiedlich gewichtet werden, liegt in der Natur der Sache.

Mit dem Vaterunser erst dann zu beginnen, wenn die Betglocke läutet, darin besteht beispielsweise für Sigrid Luginsland eine wesentliche spirituelle Vertiefung. Auch Irmgard Wahl zieht eine durchweg positive Zwischenbilanz. In der Umstellung des Psalmgebetes auf Ganzverse sieht sie eine Intensivierung des gemeinsamen Betens. „Der Text kann besser verinnerlicht werden, der Sprechrhythmus ist wohltuend und nicht mehr so abgehackt wie früher“, sagt sie und erhält in dieser Ansicht viel Rückhalt aus der ganzen Gemeinde.

Dass das stille Gebet mit dem Taizé-Lied „Meine Hoffnung und meine Freude“ abgeschlossen wird, sei anfangs – vor allem für nicht regelmäßige Gottesdienstbesucher – etwas gewöhnungsbedürftig gewesen. „Das braucht noch ein bisschen“, meint Irmgard Wahl. „Für die, die sich darauf einlassen, ist es gut, weil das gesprochene Wort musikalisch und damit ganz anders nachwirken kann.“

Horst Wochner, der als Katholik mit seiner protestantischen Frau Friederike verheiratet ist, fühlt sich mit der evangelischen Kirchengemeinde ohnehin schon sehr verbunden. Daher hat er sich spontan gemeldet, als es darum ging, Personen aus der Gemeinde zu suchen, von denen die Lesung übernommen wird. „Für mich ist das eine Wertschätzung, aber auch eine Verantwortung, die ich gerne übernehme, und ein weiteres Stück Gemeindeidentität“, sagt er. „Es ist schön, wenn viele aktiv im Gottesdienst beteiligt sind“, betont er.

„Es war Zeit. Wir sind eine der letzten Gemeinden in der württembergischen Landeskirche, die etwa die Empfehlung umgesetzt haben, Kinder zum Abendmahl einzuladen. Es ist nicht nur schön zu sehen, mit welcher Begeisterung die Kinder dabei sind, es ist auch theologisch angebracht. Gerade die Offenheit der Kinder hilft auch uns Erwachsenen weiter“, berichtet Pfarrer Stephan Günzler. Umso mehr freut er sich, wenn die neuen liturgischen Impulse akzeptiert werden. Und seine Gemeinde freut sich mit ihm über kleine Anstöße, die viel in Bewegung bringen können.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht