Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Baum des Lebens

GERHAUSEN (Dekanat Blaubeuren) – Im Kongo nennen die Leute sie „Mama Moringa“: Entwicklungs­helferin Elfriede Schüle bekämpft mit den Blättern des Moringa-Baums die Unterernährung von Kindern. In ihrer Heimatgemeinde hat sie nun von ihrer Arbeit berichtet. 


Nach dem afrikanischen Gottesdienst: Elfriede Schüle informiert in Gerhausen
über ihre Arbeit. (Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler).

In seinem Ursprungsland Indien heißt er „Baum des Lebens“: Der Moringa-Baum. Nicht umsonst: Der Meerrettichbaum aus der Familie der Bennusgewächse findet Verwendung in der natürlichen Medizin. Das Pulver aus getrockneten und zerstampften Moringa-Blättern ist siebenmal reicher an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen als Soja. Das Wichtigste aber für Elfriede Schüle: Mit einem Brei aus Moringa-Blättern können unternährte Kinder wieder gesund werden.

Deshalb setzt sich die 48-jährige gelernte Kinderkrankenschwester so für das Gewächs ein. Und deshalb informierte sie während eines Heimaturlaubs ihre heimatliche Kirchengemeinde in Gerhausen, von der viele das Projekt unterstützen, über ihre Arbeit. Im passenden Rahmen: einem afrikanischen Gottesdienst.

Auch wenn sie aus Gerhausen kommt, lebt Elfriede Schüle vor allem in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo. In dem zentralafrikanischen Land ist Unterernährung ein großes Problem. 70 bis 80 Prozent der Kinder sterben, bevor sie das Alter von fünf Jahren erreicht haben. Durch den schlechten körperlichen Zustand sind sie besonders anfällig für Malaria, Durchfallerkrankungen oder Bronchitis.

Es gebe Ernährungsprogramme im Land, bei denen hochkalorische Beutelnahrung aus dem Ausland zum Einsatz komme, erzählt Elfriede Schüle. „Die Nahrung ist sehr teuer, es gibt Nachschubschwierigkeiten und es schafft Abhängigkeit“, sagt die Entwicklungshelferin. Zudem gerieten die Kinder in einen verhängnisvollen Kreislauf. Nachdem sie ihr Gewicht erreicht hätten, kämen sie nach Hause und dort sei alles wie zuvor. „Die Wirkung verpufft.“ Die Kinder fielen bald wieder in die Unterernährung zurück.

Ganz anders das nachhaltige Moringa-Programm, hier kämen lokale Nahrungsmittel zum Einsatz. Der einfache Brei, der neben Moringa-Pulver noch Mais- und Erdnussmehl sowie Öl und Zucker enthält, könne von jeder Familie leicht zu Hause hergestellt werden. Das Ernährungsprogramm wird begleitet von Hausbesuchen. Somit sei gewährleistet, dass Kinder, die mit Hilfe des Programms ihr notwendiges Gewicht erreicht haben, nicht wieder in die Unterernährung geraten.

„Jedes Kind aus dem Programm bekommt eine Moringa-Pflanze mit nach Hause. Uns ist wichtig, dass jede Familie ihren eigenen Baum hat“, erzählt Elfriede Schüle. Nach einem halben Jahr könne von dem schnell wachsenden buschartigen Baum schon geerntet werden. Hauptsächlich werden Kinder im Alter von eins bis acht Jahren ins Programm aufgenommen. Sie kommen dreimal die Woche in die Gesundheitszentren der katholischen oder protestantischen Kirchen. „Wir arbeiten mit bestehenden Strukturen und einheimischem Personal“, erzählt die Entwicklungshelferin, die für die christliche Organisation „Wiehl-hilft“ arbeitet. „Wir machen gute Erfahrungen, es gibt nur wenige Rückfälle und die Sterberate sinkt. Es spricht sich herum.“ Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto.

Das Programm läuft bisher nur in Kinshasa, wo der Sitz der Hilfsorganisation ist. Ziel ist, das Programm auch weiter im Landesinneren zu etablieren. Im Kongo gibt es rund 68 Millionen Einwohner, das Land ist rund sechsmal größer als Deutschland. Misswirtschaft, Bürgerkrieg, fehlende Infrastruktur und eine zugunsten der Ausbeutung von Bodenschätzen vernachlässigte Landwirtschaft bereiten große Probleme. Eine staatliche Gesundheitsfürsorge gibt es im Kongo nicht.

Die christlichen Kirchen springen in die Bresche. „Ohne die Kirchen wäre es hier in Bezug auf Bildung und Gesundheit eine Katastrophe“, sagt Elfriede Schüle. Die hohe Kriminalität zwinge Ausländer und reiche Kongolesen, Tag- und Nachtwächter für ihr Haus einzustellen. „Als Weiße bist du in den Augen der Einheimischen grundsätzlich reich“, erzählt Elfriede Schüle.

 Nach zehn Jahren im Kongo weiß sie, wie das Leben in Afrika läuft. „Man lebt nicht mit der Uhr. Hier ist unendlich viel Gelassenheit und Geduld nötig.“ Als „schaffige“ Schwäbin falle ihr das manchmal sehr schwer. Zielorientiertes Arbeiten, Planung und Perfektionismus: All das könne man vergessen. „Es gibt Tage, da stehe ich nur im Stau.“ Manchmal ginge vieles schneller, wenn sie es alleine machen würde, sagt sie. „Aber irgendwann gehe ich wieder, dann muss es auch laufen.“ Oft gibt es keinen Strom und damit keine Kommunikation. Da fühle sie sich abends einsam, wenn es um 18.30 Uhr dunkel werde, und man wegen der Kriminalität nicht mehr das Haus verlassen könne.

Nichtsdestotrotz ist „Mama Moringa“ vom Projekt und ihrer Aufgabe im Kongo überzeugt. „Für mich war es eine Berufung“, sagt die überzeugte Christin.

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