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Die ewige Baustelle feiert

ULM – Im Jahr 2015 feiert Ulm die Vollendung des immer noch höchsten Kirchturms der Welt vor 125 Jahren. Wer vor dem 161,5 Meter hohen Turm der gotischen Kirche steht, staunt immer wieder. Im Jahr 1377 war die Grundsteinlegung. Erst im 19. Jahrhundert wurde der Turm fertig. Dieses Ereignis wird nun gefeiert. Die Stadt Ulm und die evangelische Kirche planen schon eifrig.

Der Münsterturm durch Richard Meiers Stadthaus gesehen (Foto: Dagmar Hub)

Es stimmt tatsächlich: Die Bauzeit des Ulmer Münsters zog sich über insgesamt 513 Jahre hin. Und im Grunde ist die weltweit bekannte evangelische Kirche sowieso eine ewige Baustelle. Was die Stadt und die Kirchengemeinde aber nicht daran hindert, das Jubiläum im kommenden Jahr groß zu feiern und sorgsam zu planen.

Knapp zwei Millionen Euro stellt die Stadt Ulm für Projekte zur Verfügung; die hauptsächlichen Feierlichkeiten finden vom 29. bis 31. Mai 2015 statt – und das nicht ohne Grund: Am 31. Mai 1890 erfolgte die Vollendung des Münsters durch das Aufsetzen der Kreuzblume.

Die Vorbereitungen laufen: Der renommierte Zyprer Marios Joannou Elia komponiert ein „Ulmer Oratorium“, das am Jubiläumswochenende an zwei Abenden Open Air von 300 Sängern und Musikern auf dem Münsterplatz aufgeführt werden wird. Geplant ist in dem mit Neuer Musik und Elementen aus Jazz und Pop versehenen Oratorium auch der Einsatz der Münsterglocken.

In der Turmhalle des Ulmer Münsters wird 2015 die Skulptur „Solar Equation“ des mexikanischen Künstlers Rafael Lorenzo-Hemmer zu sehen sein, eine wissenschaftlich genaue Nachbildung der Sonne, zwei Millionen Mal kleiner als der Fixstern. Auf die Kugel mit ihren sechs Metern Durchmesser wird in Echtzeit-Simulation die Sonnenkorona projiziert, um dem Betrachter auch einen Eindruck jener majestätischen Phänomene zu geben.

Alfredo Jaars Idee eines begehbaren Kranturms auf dem Münsterplatz zur Spitze des Münsterturms, „Stairway to heaven“ benannt, scheiterte an der Realisierbarkeit; so wird wohl Joachim Fleischers Vorschlag realisiert, das Münster als Baukörper mit Licht zu füllen, das die Architektur durchdringt.

Den Herrn des Münsters, Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, Mitglied des Kuratoriums für das Münsterjubiläum, freut das weltweite Engagement von Künstlern und Künstlerinnen und die Idee der Stadt, den Münsterturm und seinen Geburtstag als Alleinstellungsmerkmal für die Stadt einzusetzen.

„Man kann von außen nicht begreifen, was das Gefühl ‚Bürgerkirche‘ für die Identität der Stadt bedeutet“, sagt Gohl. Er selbst habe es sich nicht vorstellen können, bis er 2006 nach Ulm kam, gibt der 50-jährige Stuttgarter zu. „Das hohe Maß an Identifikation der Menschen in der Stadt mit ihrer Kirche ist etwas, was man erlebt haben muss.“ Ohne das Engagement von Menschen  hätte man das Münster im 14. Jahrhundert nicht realisieren können und auch nicht bis heute erhalten können.

Eine Bürgerkirche lebe vom Miteinander, und dieses Identität schaffende Miteinander strahle in Verbundenheit auch auf die Juden und Muslime in der Stadt aus. Er sei dankbar für diesen Impuls der Stadt, der jüngst auch der Münstergemeinde für Sanierungsmaßnahmen am Münsterturm 161?500 Euro als Anschubfinanzierung und Geburtstagsgeschenk der Stadt brachte. Aber nicht nur der finanziellen Mittel wegen ist Gohl dankbar: „Alle beteiligten Künstler gehen mit Respekt und Achtung vor dem Sakralen an die Planung der Projekte, und von der Stadt her war es von Anfang an so, dass der Kirche nichts aufs Auge gedrückt wurde. Immer waren die Botschaft und der Geist der Kirche im Blick.“

Informationen

Das künstlerische Konzept „Ulmer Weitblick“ wird mit einer Ausstellung im Stadthaus am 29. Juni 2014 beginnen, die die Geschichte des Münsterbaus vom mittelalterlichen Architekturwettbewerb bis zum aktuellen Kunstwettbewerb erzählen wird. Neben den im oberen Text genannten Projekten zum Jubiläumsjahr wird es den Fotowettbewerb „Jubiläumskalender 2015“ geben, für den zwölf Aufnahmen des Münsters gesucht werden.

Eine Postkartenaktion „Die Welt gratuliert Ulm“ ist geplant. Ab Juli 2014 soll im Ulmer Münster die „soziale Stadtplastik“ „Ich, Ulm“ von Doris Graf zu sehen sein: Bürgerinnen und Bürger aller 18 Stadtteile werden motiviert, Zeichen zu entwickeln, die ihre persönliche Beziehung zur Stadt oder die Identität der Stadt darstellen. Aus etwa 3000 präsentierten Zeichnungen werden Piktogramme entwickelt.

Im Jubiläumsjahr 2015 wird in einer Stadthaus-Ausstellung die Beschäftigung des New Yorker Architekten Richard Meier mit dem Münsterturm im Fokus stehen.

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