Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Hand reichen zum Gebet

ULM – Sie bilden Menschenketten, sie beten und sie bauen Brücken: Zwischen Ulm und Neu-Ulm allmontaglich,  abwechselnd in evangelischen und katholischen Kirchen, in den ­beiden Bundesländern Bayern und Baden-Württemerg kommen Menschen zusammen, die den Frieden suchen. Diesseits und jenseits der Donau laden sie seit 30 Jahren zu ­Friedensgebeten.  Zwei Frauen erinnern sich.

Friedensbewegt auch bei Menschenketten über die Ulmer Donaubrücke. (Foto: Dagmar Hub)

Die Frage des Friedens ist keine Frage an die Welt, sondern eine Frage an jeden selbst: Ähnliche Gedanken wie Karl Jaspers muss Hilde Müller gedacht haben, als sie 1983 ökumenische Friedensgebete in der Region Ulm und Neu-Ulm initiierte. „Wir dürfen uns unserer Verantwortung für das, was bei uns, in unserem Land, in der Welt geschieht, nicht entziehen“, hatte ihr eine Freundin gesagt und damit die Frauen in den Kirchengemeinden gemeint.

Erste konkrete Schritte waren Kurzandachten am Karfreitag 1983 im Ulmer Münster, die von einer ökumenischen Gruppe von 25 Frauen vorbereitet worden waren. Aus dieser Gruppe und aus dem Erlebnis jener Andachten entwickelte sich das ökumenische Friedensgebet – abwechselnd in evangelischen und katholischen Kirchen in Ulm und Neu-Ulm.

Immer mehr Gemeinden schlossen sich an. Nicht nur auf Zustimmung stieß das: Den einen waren die Frauen zu fromm, den anderen erschienen sie als Unruhestifter. „Ihr dürft die Dinge nicht beim Namen nennen, sonst wird es politisch“, hörten die Frauen – auch von anderen Frauen. Das war Anfang der 80er Jahre – es war die Zeit des Nachrüstungsbeschlusses, die Zeit der riesigen Friedensdemonstrationen und Mahnwachen, die Zeit der geschlossenen Menschenkette von Ulm bis Stuttgart. „Wachet auf und betet!“ sollte nicht nur zur Bitte an Gott um Frieden einladen, sondern zum Nachdenken über die eigene Verantwortung.

30 Jahre danach sitzen Rosemarie ­Diegritz und Gertrud Kohn zusammen und planen für das bundesweite Vernetzungstreffen der ökumenischen Friedensgruppen, das vom 27. bis 29. September im katholischen Kloster Roggenburg (zwischen Weißenhorn und Krumbach) stattfindet. Dass sich die regionale Gruppe das bundesweite Treffen zutraut, schulden sie innerlich ihrer plötzlich verstorbenen Ältesten Betty Radzio.

30 Jahre danach: „Was haben wir bewirkt?“, fragen sich die beiden Frauen. Und: „Muss Gott herhalten zur Rechtfertigung von menschengemachter Gewalt?“ Die längste Friedensphase in Deutschland, ja. „Aber was ist mit der Gewalt im Nahen Osten, in Asien und Afrika?“, fragt Gertrud Kohn. „Was ist mit illegalem Waffenhandel?“ Der Waffenhandel insgesamt sei ein heikles Thema, das gerade in Friedensgebeten seinen Platz haben müsse.

„Es ist der Mensch, der die Gewalt schafft“, sagt Rosemarie Diegritz. „Auch wenn Befürworter mit Arbeitsplätzen, Gewinnen und Steuern argumentieren.“ „Gerade damals in den frühen 80ern war viel von Rüstungskonversion die Rede“, erinnert sich Gertrud Kohn. „Heute ist da keine Rede mehr davon.“

30 Jahre danach: Allmontaglich treffen sich um 18.30 Uhr Angehörige verschiedener Konfessionen und religiöser Gemeinschaften in einer katholischen oder evangelischen Kirche in Ulm oder in Neu-Ulm. Die aus Beton geschaffene, moderne Auferstehungskirche im Ulmer Stadtteil Böfingen ist ebenso dabei wie die katholische Neu-Ulmer Kirche St. Johann Baptist, Ulms älteste Kirche St. Nikolaus ebenso wie das Ulmer Münster oder St. Albert im Neu-Ulmer Stadtteil Offenhausen.

Woher aber nehmen die Frauen über die Jahre hinweg die Energie? „Die Zahl derer, die die Folgen des Zweiten Weltkrieges in der eigenen Familie unmittelbar erlebt haben, nimmt ab“, sagt Gertrud Kohn. „Das spürt man schon an den Teilnehmern.“

Aber der Frieden sei doch das universelle Oberthema, das nie aufhöre, meint Grtrud Kohn. Und die Friedensaktivistin fügt hinzu: „Christus sagte bei seiner Gefangennahme, dass durch durch das Schwert umkommt, wer zum Schwert greift. Der Krieg frisst seine Kinder.“

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