Christliche Themen für jede Altersgruppe

Erst unerwünscht, dann deportiert

ULM – Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Menschen, die damals aus Vaterlandspflicht in den Krieg zogen, wurden wenig ­später von diesem Vaterland schmählich ermordet. Eine Ausstellung über jüdische deutsche Soldaten.


Im Gespräch: Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner, Generalleutnant Richard Roßmanith, Befehlshaber des  Multinationalen Kommandos Operative Führung in Ulm, und Rabbiner Shneur Trebnik. (Foto: Dagmar Hub)

Am 1. April 1933, dem Tag des Boykotts jüdischer Geschäfte, begrub Edwin Landaus sein Deutschtum. Er legte seine Kriegsauszeichnungen an und ging hinaus auf die Straße. Als „Begräbnis“ empfand er die innere Trennung von seinem Vaterland. „Ich begrub 43 Jahre meines Lebens (...) jetzt konnte ich kein Deutscher mehr sein“, schrieb Landaus. „Und was war ich nun?“

Edwin Landaus hatte sich ganz selbstverständlich als Deutscher und Jude zugleich gefühlt. Sein Einsatz im Ersten Weltkrieg war für ihn Zeichen seiner Integration gewesen. Der Zusammenhang zwischen der Eingliederung der jüdischen Minderheit in Deutschland gerade durch deren Dienst im Militär und deren Ausgrenzung und spätere Vernichtung ist Thema einer sorgfältig konzipierten Ausstellung „Deutsche jüdische Soldaten“, die bis zum 5. Februar im Offiziersheim in der Karlstraße zu sehen ist.

Die Initiative, die Ausstellung zu erarbeiten, entstand durch die Einweihung der neuen Ulmer Synagoge auf dem Weinhof. Erarbeitet wurden die Bild- und Texttafeln vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam und dem Centrum Judaicum in Berlin. Die Ausstellung umfasst die Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts, als Juden in Deutschland nur wenige Berufe wie der des Trödelhändlers, Tagelöhners und (vermögenderen Juden) der des Geldverleihers zugänglich war, als aber Kleidung, Religion und Sprache die Juden von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung unterschieden.

Sie zeichnet auf, wie in der Diskussion des ausgehenden 18. Jahrhunderts die Aufnahme der jüdischen Bevölkerung in den nicht-jüdischen (und also christlichen) Untertanenverband von der Verwendbarkeit der Juden als Soldaten abhängig gemacht wurde. Patriotische jüdische Freiwillige kämpften in den Freiheitskriegen (1813?–?15), dienten in den deutschen Teilstaaten und in der Armee des Kaiserreiches. Vielen ging es allerdings wie Secondelieutenant Maximilian Hollerbaum (1856?–1918), dessen militärisches Engagement ihn für den Dienstgrad eines Majors empfohlen hätte, der aber aufgrund seiner „israelitischen Religion“ keinem Offizierscorps vorstehen konnte.

Hollerbaum war in den 1890er Jahren einer der beiden letzten bayerischen jüdischen Offiziere und wurde frühpensioniert; der zweite, Karl Ortenau, trat zum Katholizismus über. Als Vorgesetzte waren Juden nicht erwünscht.Als der Erste Weltkrieg begann, verbanden wiederum viele Juden die Hoffnung auf vollständige Integration in die deutsche Gesellschaft mit ihrem militärischen Einsatz: 100?000 jüdische Soldaten zogen ins Feld, von denen 12?000 fielen.

Die zurückgekehrten Veteranen sahen sich aber wieder Verleumdungen aus dem rechten Lager ausgesetzt, dass sie sich vor dem Einsatz an der Front gedrückt hätten. „Deutsche jüdische Soldaten“ dokumentiert auch den letzten verzweifelten Versuch des Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Leo Löwenstein vom März 1934, die Entlassung jüdischer Soldaten aus der Reichswehr abzuwenden. Im September 1935 wurden sie vom Wehrdienst und ihren Rechten als Staatsbürger abgeschnitten. Auch viele der Veteranen des Ersten Weltkrieges wurden deportiert und in Vernichtungslagern ermordet.



Die Ausstellung im sonst nicht öffentlich zugänglichen Ulmer Offiziersheim kann von Besuchergruppen nach Voranmeldung besichtigt werden; Anmeldung unter Telefon 0731-16903851.




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