Christliche Themen für jede Altersgruppe

Friedliches Zusammenkommen

BIBERACH – Gemeinsame Gebete, Bücher lesen oder einfach eine Tasse Tee trinken: Der Gebetsladen „Come in“ bringt mitten in Biberach Menschen unterschiedlicher Religionen und Konfessionen zusammen. Ein Ort, um Verständnis zu erzeugen und anderen Menschen zu begegnen. 

In den aus Paletten gebauten Regalen des "Come in" gibt es Bücher in verschiedenen Sprachen. (Foto: Inge Veil- Köberle)

Come in, come in – so steht es außen an dem Eckhaus in der Biberacher Hindenburgstraße auf dem Weg zum Marktplatz. Hinter dem Namen „Come in“ („komm rein“) verbirgt sich ein Treffpunkt, zu dem alle eingeladen sind, die unabhängig von ihrer Religion gemeinsam beten oder ins Gespräch kommen wollen. Die Sitzmöbel sind aus Europaletten, gemeinsam von Christen und Muslimen gezimmert. In den Regalen, ebenfalls aus gestifteten Holzpaletten, stehen Bücher und Schriften zu verschiedenen Religionen und Kulturen in unterschiedlichen Sprachen.

Pater Alfred Tönnis, der seit vielen Jahren in der Stiftung „Heimat geben“ in Oggelsbeuren mit syrischen Flüchtlingen zusammenlebt, ist Mitinitiator des Vereins „Religion und mehr“. Dieser Verein organisiert das „Come in“, auch interreligiöser Gebetsladen genannt. Pater Alfred sagt, „gerade im gemeinsamen Gebet und im Anzünden einer Kerze ist zu spüren, dass es einen gemeinsamen Gott gibt“. An der Wand hängt ein Bild zweier Hände, in der einen Handinnenfläche liegt ein Kreuz, in der anderen ein Halbmond. Am Fenster steht ein Kerzenständer, der in einer orthodoxen Kirche stehen könnte. Einige der Besucher kommen herein und zünden eine Kerze an. „Egal in welcher Religion, es werden Kerzen angezündet um sein Anliegen Gott vorzutragen“, sagt der Pater. Jeden Freitag um 18 Uhr gibt es eine gemeinsame Betzeit. Es sind muslimische und christliche Vertreter da, die jeweils ein Gebet sprechen. Im Anschluss kann man sich setzen und gemeinsam eine Tasse Tee trinken.

Matthias Ströhle, evangelischer Pfarrer und in der Flüchtlingsarbeit engagiert, unterstützt das Projekt. „Es ist ein Angebot, um in Kontakt zu kommen, sich kennen zu lernen und über Religion sowie Alltägliches ins Gespräch zu kommen“, sagt er. „Dieses Gebet steht nicht in Konkurrenz zu den Gottesdiensten, die in der Moschee oder in der christlichen Kirche stattfinden.“ Es sei auch ein Ort um gemeinsam an die Opfer in Aleppo und an anderen Orten zu denken, gemeinsame Solidarität zu bekunden.

Maysoun Al Shehabe öffnet jeden Tag, auch sonntags, um 16 Uhr den Gebetsladen und schließt gegen 18.30 Uhr wieder ab. Sie ist Ansprechpartnerin und Betreuerin im Come in. Vor zwei Jahren kam sie nach Deutschland und hat einige der deutschen Bücher gelesen. „Es gibt auch zweisprachige Bücher“, erzählt Maysoun Al Shehabe. Pat Götze von der Buchhandlung Lesebar erzählt, dass sich die Buchauswahl nach Wünschen von Vereinsmitgliedern und Flüchtlingen richtet. Es gehe also nicht nur um das Thema Religion (Christentum, Islam, Judentum), sondern es gebe auch Romane, die die Flucht beschreiben oder Geschichten, die über die Hürden der Ankunft und Aufnahme in Deutschland berichten. Zudem zweisprachige Gedichtsbände und Märchen von bekannten Autoren, die aus Syrien stammen, sowie Kinderbücher, die erklären, warum wir Weihnachten feiern. „Beliebt ist das Fragenbuch, das meist auf den Tischen liegt“, erzählt die Buchhändlerin. Darin sind Fragen philosophischer, neutraler Art, die vom Thema Flucht wegführen. „Gerade wenn man sich darauf konzentriert, die Frage zu vereinfachen oder mit seinen Sprachkenntnissen eine Antwort geben will, die beide verstehen, entstehen intensive und herzliche Gespräche“, erzählt Götze.

Ein gemütlicher Ort ist das Come in, Kinder spielen gerade Backgammon zusammen. „Menschen öffnen Menschen“, sagt Pater Alfred. Das Projekt startete in Biberach zum ersten Advent. „Es ist noch zu früh, um zu sagen, wie gut es angenommen wird.“ Doch er wünscht sich, dass mehr Städte diese Idee aufgreifen und diese Art von Begegnung anbieten. „Ein friedliches Zusammenkommen in Wertschätzung und ehrlichem Miteinander“, das sei seine Absicht.

Das „Come in“ befindet sich in der Hindenburgstraße 22 in Biberach. Informationen im Internet unter www.come-in-bc.de

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