Christliche Themen für jede Altersgruppe

Glauben für Grundschüler

WEINGARTEN (Dekanat Ravensburg) – Beten, backen, basteln: Konfirmandenunterricht für achtjährige Kinder ist sinnlicher als für Jugendliche. In Weingarten gehen in diesen Wochen Drittklässler zum vorgezogenen Konfirmandenuntericht, der von Eltern geleitet wird. 

Fachleute: Diakon und Musiker Thomas Knodel und Thomas Ebinger, referent für Konfirmandenarbeit. (Foto: privat)

Von mehr als 30 Beinpaaren baumeln 25 knapp über dem Boden. Die Konfirmanden passen noch nicht so recht auf die Stühle im Gemeindehaus. Die Konfirmanden? Das sind doch meist hochaufgeschossene Jugendliche? Die in Weingarten nicht. Sie sind achtjährige Drittklässler. Ihre Gesichter strahlen. Sie spüren: heute beginnt etwas sehr Bedeutendes. Und sie sind mitten drin. Start für Konfi 3.

Einen Tag später ist der Begrüßungsgottesdienst. Die Kirche ist voll. Viele Konfi 3-Kinder haben die ganze Verwandtschaft mitgebracht. Sonst scheint alles wie sonst. Erst als beim Eingangslied ein Kind aufsteht und das Podest für die Altarbibel sorgsam platziert, registrieren die Gemeindemitglieder: Der Altar ist ja leer! Nach und nach werden auch die Bibel, der Blumenschmuck und die beiden brennenden Kerzen von Kinderhänden gebracht. Am Schluss befestigen Pfarrerin Marit Hole und ein Konfi 3-Kind das Parament. Jetzt ist alles wieder, wie es immer war. Und doch ein bisschen anders. Sinnlich erfahren sollen Kinder ihre Kirche, sagt Marit Hole. Sie selbst hat im Gemeindebrief unter dem Titel „Beten, backen, basteln“ für Konfi 3 geworben.

Konfi 3, so sagen viele, verändert eine Gemeinde nachhaltig. Thomas Knodel ist Gemeindediakon in Illingen, Geschäftsführer des Bildungswerks des Kirchenbezirks Mühlacker, Komponist, Musiker, Sänger und Dichter. Der 62-Jährige, von dem sich Marit Hole während ihres Vikariats mit dem Konfi 3-Virus hat anstecken lassen, hat gemeinsam mit der Ehrenamtlichen Gabriele von Khuon schon vor beinahe 30 Jahren damit angefangen. „Heute haben wir das Modell zur Serienreife entwickelt“, erzählt Knodel nicht ohne Stolz. Man gewinne Menschen, die sich „wieder aufschließen lassen“. Familien, die zwischen Taufe und Konfirmation ihrer Kinder der Kirche sonst eher freundlich fernstehen. Bei Konfi 3 werden sie hineingenommen, spüren, dass sie willkommen sind.

„Konfi 3-Eltern werden aber nicht primär als künftige Ehrenamtliche angesprochen. Sondern sie bekommen durchs Mittun die schöne Gelegenheit, ihr Taufversprechen praktisch einzulösen“, ergänzt der promovierte Theologe Thomas Ebinger, Referent für Konfirmandenarbeit im Pädagogisch-Theologischen Zentrum in Stuttgart-Birkach. Zeitlich ist der Aufwand überschaubar: Es gibt insgesamt drei Gottesdienste, wobei der letzte die große gemeinsame Abendmahlsfeier ist. Eine „Tischmutter“, die eine Kleingruppe mit sechs bis sieben Kindern leitet, sieht diese einmal in der Woche für eine Stunde, insgesamt acht Mal im Februar und im März. Durch bewährte Materialien kann sie sich helfen lassen, auch wenn sie noch keinerlei Erfahrung hat, wie solche Stunden gestaltet werden können.

Dadurch, dass die Eltern selbst den Konfirmandenunterricht übernehmen, setzen sie sich automatisch auch mit ihrem eigenen Glauben auseinander. Das hat auch Marit Hole erfahren: „Bei den Vorbereitungstreffen der Eltern und in den Runden der Tischmütter wird Religion aus dem ganz Privaten geholt. Manche Menschen sprechen zum ersten Mal offen darüber, welche Erfahrungen sie mit Glauben und Kirche haben.“

In der kleinen Gemeinde Berg bei Ravensburg, die kirchlich zu Weingarten gehört, lassen „Tischmutter“ Antje Herrmann, ihre Tochter Mia und Marit Hole die erste Gruppenstunde Revue passieren. Antje Herrmann, die erfahrene Lehrerin, hat keine Mühe damit, so eine Stunde didaktisch gekonnt zu gestalten. Doch auch sie ist über die Begleit-Materialien froh. Bei den vier aus Berg angemeldeten  Kindern und ihren Eltern war die Akzeptanz sofort da: „Die Kinder haben gleich gewusst, dass sie jetzt auch so etwas haben wie ihre katholischen Klassenkameraden in den Kommunionsgruppen“. Antje Herrmann hat beim Eröffnungsgottesdienst ein „ungeheuer warmes Willkommen in dieser tollen Gemeinde gespürt.“

In 80 Prozent der württembergischen Gemeinden gibt es Konfi 3 dennoch nicht. „Es ist eine bewusste Schwerpunktsetzung“, sagt Thomas Knodel. „Aus der Hosentasche“ könne man es nicht machen. Im Abschlussbericht des fünfjährigen, von der Landeskirche in Auftrag gegebenen Projekts steht zwar, dass Konfi 3 ein Erfolgsmodell ist und sich immer mehr Gemeinden dazu entschließen. Doch klar ist auch: „Konfi 3 ist kein Selbstläufer: Es gilt jedes Jahr neu, Eltern zu überzeugen, ihre Kinder anzumelden, und sie selbst zur Mitarbeit zu motivieren“, sagt Thomas Knodel. Auch Pfarrer Ebinger weiß um die Zeitknappheit, unter der seine Kollegen leiden. Doch er fordert eine bewusste Entscheidung: „Dann muss man sich halt auch einmal fragen, ob man schon wieder ein Angebot für die immer gleichen Hochverbundenen macht oder endlich auch einmal auf andere zugeht.“

Im ersten Konfi 3-Gottesdienst in Weingarten haben Jung und Alt das Lied Nummer 646 gesungen. „Aus Gottes guten Händen.“ Ein richtiger Hit. Und ein Gruß nach Illingen. Denn Text und Melodie stammen von einem, der für Konfi 3 schon so viel getan hat: von Thomas Knodel.



Informationen im Internet unter: www.Konfi 3.de

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