Christliche Themen für jede Altersgruppe

Junge sind frei fürs Ehrenamt

BERGHÜLEN (Dekanat Blaubeuren) – Es könnte ein Trend sein. In Berghülen ist man bei der Suche nach Kandidaten für den Kirchengemeinderat bei jungen Menschen fündig geworden. Grund: Sie sind weniger in Ehrenämter eingebunden als die fitten Senioren, meint Pfarrer Johannes Koch.  


Der ungewöhnlich junge neue Kirchengemeinderat in Berghülen: Hintere Reihe von links Pfarrer Johannes Koch (53), Thomas Nigst (18), Anne Sauter (34), Anne Böttinger (28) und Brigitte Mittelstädt (54). Vorne von links Hanna Honold (23), Carolin Garz (27) und Christa Böttinger (55). (Foto: Christina Kirsch)

Die Einsetzung des neuen Kirchengemeinderats war auch ein gewaltiger Generationenwechsel. Denn mit einem Durchschnittsalter von unter 36 Jahren ist dieses Gremium eines der jüngsten weit und breit. Die Mitglieder gehen mit Schwung an ihre neuen Aufgaben. „Bei uns weht jetzt ein frischer Wind“, sagt Carolin Garz. Die junge Mutter will an dem frischen Wind kräftig mitwirken und ließ sich als Kirchengemeinderätin gewinnen.

Wie die meisten Neuen geht sie unvoreingenommen an das neue Amt. „Ich wusste vorher gar nicht, wer noch mitmacht“, meint die pharmazeutisch-technische Assistentin und freut sich jetzt doppelt, dass sie Mitglied eines sehr jungen Gremiums ist. Mit einem Durchschnittsalter von unter 36 Jahren ist der Berghüler Kirchengemeinderat die große Ausnahme. Und dabei schlägt Pfarrer Johannes Koch mit 53 Jahren schon zu Buche.

Trend zu jungen Familien

Die Statistik zur Altersstruktur der neuen kirchlichen Gremien, die dieses Jahr erstmals erhoben wurde, liegt zwar vor. Im Oberkirchenrat hält man sich aber bedeckt. „Ich denke, dass wir einer der jüngsten, wenn nicht gar der jüngste Kirchengemeinderat sind“, vermutet Pfarrer Koch dennoch.

Im Kirchenbezirk haben Pfarrer Koch und seine Kollegen einen Trend festgestellt. „Es sieht so aus, dass man beim Gewinnen von neuen Ehrenamtlichen bei jungen Familien eher fündig wird als bei den aktiven Senioren“, meint Koch. Aktive Senioren seien meist schon in anderen Vereinen oder Gruppierungen eingebunden und daher ausgelastet. Die Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen befindet sich dagegen meist im Aufbau einer Familie und ist zumindest die nächsten Jahre ortsgebunden und noch frei von Ehrenämtern.

Thomas Nigst, der jüngste Berghüler Kirchengemeinderat, ist erst 18 Jahre alt. „Ich finde es interessant, mitentscheiden zu können, was in der Gemeinde passiert“, meint der Elektroniker. Anne Sauter (34) hat in Berghülen „eine Aufgabe gesucht, bei der ich mich verwirklichen kann“. Die Hausfrau musste nicht angesprochen und motiviert werden, sondern kam von sich aus auf Pfarrer Koch zu. Solche Leute werden von Vereinen händeringend gesucht, aber Anne Sauter entschied sich für die Mitarbeit bei der Kirche, „weil mir anderes zu oberflächlich ist“.

Als einzige Kirchengemeinderätin aus dem alten Gremium ließ sich Christa Böttinger für ihre mittlerweile dritte Amtsperiode wieder aufstellen und wurde gewählt. „Aber das ist auch für mich ein völliger Neuanfang“, freut sich die 55-Jährige. „Ich bin total gespannt“. Ihre vorherige Amtsperiode sei lange nicht so aufregend gewesen, „weil da die gleichen mitgemacht haben, die man alle schon kannte. Da lief das in der vorgegebenen Spur“, sagt sie.

Auf die neue Spur abseits ausgetretener Pfade freut sich auch Friseurmeisterin Brigitte Mittelstädt. „Ich habe noch gar nie etwas in der Kirche gemacht“, sagt die 54-Jährige, die aber sehr wohl weiß, was sie einbringen kann. „Unter der Hand“ beziehungsweise unter Kamm und Schere werde bei ihr viel „g‘schwätzt“.

„In einem Friseurladen kommt alles zusammen, was die Leute beschäftigt“, meint Brigitte Mittelstädt. Beim Friseur werden die kleinen Nöte besprochen. An den Pfarrer wenden sich die Leute oft erst, wenn die Nöte riesig sind, bestätigt Johannes Koch. Die Friseurin sieht sich deshalb als Bindeglied.

Ähnlich geht es Anne Böttinger. Als Physiotherapeutin komme sie mit vielen Menschen zusammen, meint die junge Frau aus Asch. „Ich habe viel ruhigen Kontakt mit Menschen, die sich mir anvertrauen“, sagt Anne Böttinger. Das eröffne auch ungewohnte Perspektiven auf das Gemeindeleben. „Zuerst hatte ich Bedenken, jetzt sehe ich es als Chance“, sagt die 28-Jährige.

Von Amts wegen gehört auch die Kirchenpflegerin Hanna Honold dem neuen Kirchengemeinderat an. Die 23-Jährige hat auch ein Anliegen. „Ich möchte mehr gemeinsame Aktionen zwischen den Kirchengemeinden Treffensbuch, Berghülen und Bühlenhausen“, sagt Hanna Honold.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Soll man an Weihnachten aufs Schenken verzichten?
Ja.
Nein
Ich bin unentschieden.