Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lob Gottes lässt Luft vibrieren

ULM – Nicht nur für Blechbläser ist es ein erhebendes Gefühl, wenn 6500 Musiker auf dem Münsterplatz „Nun danket alle Gott“ oder das „Gloria sei dir gesungen“ von Bach spielen. Auch Zuhörern geht die ­Abschlussfeier beim Landesposaunentag unter die Haut. Aber der „Lapo“ ist mehr.


Bei so vielen Menschen muss eine Rettungsgasse frei bleiben. (Foto: Martina Dach)


Die Sonne scheint von einem leicht bewölkten Himmel herab, es ist bei 25 Grad nicht ganz so schwül wie am Vortag. Parkplätze vor dem Baumarkt sind an diesem Samstag rar, jeder Kunde will möglichst schnell seine Einkäufe erledigen oder nach Hause schaffen. Die Mienen sind ernst. Die Menschen scheinen angestrengt, gestresst. Und dann stehen da sieben Männer mit Blechblasinstrumenten vor dem Haupteingang herum, die sich an dem Trubel nicht zu stören scheinen.

Ein Nicken von Dirigent Hans-Jörg Häge, und die Mitglieder des Bezirksbläserkreises Ulm fangen an zu spielen. Was nun passiert, gleicht einem kleinen Wunder: Die Gesichter der Kunden hellen sich auf, sie fangen an zu lächeln. Manche bleiben sogar stehen und hören zu. Als das Stück zuende ist, gibt es einen kleinen Applaus, Bläser und Publikum kommen miteinander ins Gespräch.

Dass sie heute, am 25. Juni, hier sind, hat einen Grund. Es ist Landesposaunentag. Und der probiert etwas Neues: „Blitzblech“ heißt die Aktion, bei der Bläsergruppen an ungewöhnlichen Orten auftauchen, ein paar Stücke auswendig spielen und wieder gehen. Natürlich nicht, ohne die Menschen zum Landesposaunentag einzuladen. Mancher verspricht zu kommen. Auch im Baumarkt drinnen sind die Reaktionen ähnlich. Ein Mann mit vollem Einkaufswagen singt sogar mit.

Vier Bläser-Gruppen sind an diesem Nachmittag zwischen 14 und 16 Uhr unterwegs – im Baumarkt, in Einkaufszentren oder am Bahnhof. Neuheiten wie das Blitzblech hat es in den vergangenen Jahren immer mal wieder beim Landesposaunentag, der kurz Lapo genannt wird, gegeben. Zum Beispiel der „Brass Mob“, bei dem samstags ab 16 Uhr auf verschiedenen Plätzen in der Innenstadt kurze Konzerte gegeben werden. Jeweils ein Musiker-Team fungiert als „Anspielgruppe“: Sie haben die Stücke intensiv geprobt. Wer ein Instrument hat und die Noten, kann mitmachen.

Albrecht Schuler, der das Programm beim Lapo verantwortet, findet es wichtig, dass es immer wieder Neuheiten gibt. Denn „früher war klar, dass man beim Lapo dabei ist. Das hat sich gewandelt – jetzt gibt es viele andere Großveranstaltungen, mit denen wir konkurrieren.“

Hans-Georg Mayer aus Setzingen und Hans-Jörg Häge aus Langenau wollen beim Brass Mob zu Schbezibrass, dem Bezirksjugendposaunenchor aus Brackenheim. Die anderen Bläser haben anderes vor – Möbel gucken, Rasen mähen oder die Erkältung auskurieren, damit man morgen, am Lapo-Sonntag, mitspielen kann. Christoph Glöckner fährt nach Hause, nach Essingen, um dort Bläser-Gäste aus Südafrika zu empfangen. Morgen treten der Essinger Posaunenchor und die Gäste aus Südafrika auf dem Lautenberg gemeinsam auf. Mit Südafrika verbindet die Essinger schon seit 1994 eine enge Freundschaft, Besuche gehen hin und her. Die Besucher werden immer mit Blasmusik empfangen.

Der Bezirksbläserkreis verläuft sich, auch Mayer und Häge machen sich auf den Weg. Wieso sie ausgerechnet zu Schbezibrass wollen? „Ich möchte gern mit Leuten spielen, die ich noch nicht kenne“, sagt Hans-Jörg Häge. „So kommt man in Kontakt.“ Mitspielen ist einfach. Im Internet sind die Stücke aufgelistet, die die jeweilige Anspielgruppe blasen wird. Also Notenständer aufgebaut, das Buch aufgeschlagen und mitgemacht. Häge genießt das sichtlich. Schließlich kann er hier einfach mal mitspielen und muss nicht selbst dirigieren. Die neu hinzukommenden Musiker fügen sich ganz wie von selbst in das Ensemble ein.

Obwohl der Lapo bereits am Samstag eröffnet wird, ist für die meisten Posaunenchor-Mitglieder der Sonntag der wichtigste Tag. Traditionell fahren sie sehr früh los, damit sie rechtzeitig zur Probe um 8.30 Uhr im Münster sind oder in der Donauhalle oder an einem der anderen insgesamt 14 Gottesdienst-Orte. Allein im Münster spielen 2700 Bläser. Deshalb fahren im Laufe des frühen Sonntagmorgens 50 Busse auf dem Münsterplatz vor, lassen aussteigen und parken am Messegelände.

Aus ganz Württemberg kommen die Chöre angereist. Viele von ihnen nehmen den Zug, wie auch die Bläserinnen und Bläser aus Schlierbach im Dekanat Göppingen. Kurz vor sieben ist Abfahrt. Die Stimmung ist fröhlich. Und weil klar ist, dass diejenigen, die um diese Zeit schon im Zug sitzen, dasselbe Ziel haben wie die Schlierbacher, grüßt man sich mit einem herzlichen „Guten Morgen“. Ansonsten ist es ruhig, es ist wohl noch zu früh. „Jedes Mal, wenn ich für den Lapo so früh aufstehe, frage ich mich, warum ich mir das nur antue“, meint eine Bläserin. Doch „wenn ich dann beim Abschlussblasen auf dem Münsterplatz stehe, weiß ich: Es hat sich gelohnt.“

Zum Gottesdienst zu kommen und dort mitzuspielen, das ist für die Bläserinnen und Bläser ganz normal, das tun sie ja zu Hause auch. Der Höhepunkt des Lapo ist für sie die Schlussfeier am Sonntagnachmittag. 6500 Blechbläser versammeln sich auf dem Münsterplatz und spielen gemeinsam Lieder, die sie zuvor in ihren Proben einstudiert haben. Dabei stehen sie nicht nach Stimmen sortiert, wie das sonst bei Chören üblich ist. Nur die so genannten Jungbläser haben einen eigenen Bereich. Weil sie erst vor Kurzem angefangen haben, ein Blechblasinstrument zu lernen, gibt es für sie spezielle, leichtere Sätze, die sie gemeinsam spielen.

Eine Stunde vor Beginn des Schlussblasens ist der Münsterplatz noch relativ leer, doch er füllt sich langsam. Mitarbeiter spannen Absperrbänder auf, um den Bereich der Jungbläser zu kennzeichnen. Immer wieder kommen Gruppen von Bläsern zusammen, stellen ihre Notenständer auf und packen die Instrumente aus. Zum Schluss ist der Platz voll.

Um die Bläser herum stehen die Gäste, manche haben einen der wenigen Sitzplätze auf den Bänken oder im Außenbereich der Cafés ergattert. Auf einem Podest hoch über der Menge steht Landesposaunenwart Hans-Ulrich Nonnenmann, auf weiteren Podesten vier zusätzliche Dirigenten. Die Luft, sie schwirrt, als die Bläser anfangen zu spielen. Obwohl es heute nicht sonderlich heiß ist. Aber die vielen Bläser, das geht unter die Haut.„Da kann man sich das mit der Mauer von Jericho so richtig vorstellen“, meint eine Zuhörerin. Ihr stehen, wie so vielen anderen, die Tränen in den Augen, als die Bläser „Nun danket alle Gott“ und später das „Gloria sei dir gesungen“ von Bach anstimmen. Wie jedes Mal ist es der Schlusspunkt beim Lapo, der für Gänsehaut sorgt.


Der nächste Landesposaunentag findet am 30. Juni/1. Juli 2018 statt.

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