Christliche Themen für jede Altersgruppe

Sonnige Aussichten

WIBLINGEN (Dekanat Ulm) – Ulm ist die Stadt in Deutschland, die pro Kopf am meisten Solarstrom erzeugt. Wie Kirchengemeinden ihren ökologischen Beitrag auch mit wenig Eigenmitteln leisten können, zeigt das Beispiel der Gesamtkirchengemeinde Ulm-Wiblingen, wo vier Photovoltaikanlagen Strom ins Netz einspeisen. In acht Jahren sollen sie bezahlt sein und Gewinn abwerfen. 

Bild: Nur der benachbarte Kirchturm wirft manchmal zu viel Schatten: Das Gemeindehaus in Wiblingen mit Photovoltaikanlage auf dem Dach. (Foto: Dagmar Hub)

Lange war es in der Diskussion, die nach Süden ausgerichteten Dächer von Kindergarten und Gemeindehaus und die Gemeindezentren am Tannenplatz und in Donaustetten mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Aber wie das mit Ideen so ist – sie werden diskutiert und oft genug auf die lange Bank geschoben.

Wolfgang Trinius, Bauingenieur mit eigener Photovoltaikanlage auf seinem Privathaus, legte nach und fand bei Pfarrer Reinhardt Dück offene Ohren, zumal die Wiblinger Kirchenverwaltungsgebäude für Solarenergie ideal liegen. Doch woher das Geld nehmen, um die Anlagen anzuschaffen? Einen Versuch wäre es wert, das Darlehen nicht bei einer Bank oder der KfW aufzunehmen, sondern die Gemeindemitglieder direkt anzusprechen, ob sie in Solarenergie fürs Kirchendach investieren wollten, fand Dück.

Viele Angebote

Das Erstaunliche geschah – er konnte sich vor Angeboten kaum retten. Ab 1000 Euro war man dabei, bei 3,5 Prozent Zins für die Einlagen. Auch katholische Wiblinger fragten an, ob sie mitmachen könnten – und so waren die 185 000 Euro bald zusammen, die für die zwischen April und Juli 2010 aufs Dach gebrachten vier Photovoltaikanlagen nötig waren.

Die Anlagen speisen jährlich etwa 55 000 Kilowattstunden ins Stromnetz ein, sodass Zins und Tilgung gesichert sind. Der Schlechtwetter-Frühling 2013 erschreckt Reinhardt Dück nicht – in den ersten beiden Jahren wurden Rücklagen geschaffen, die eventuelle schlechtere Erträge 2013 ausgleichen können.

Gearbeitet wurde ausschließlich mit örtlichen Firmen, sodass rasche Hilfe möglich ist, wenn es an einer Anlage Probleme geben sollte. Manches wurde auch in Eigenleistung erbracht: Die Gestelle etwa, die auf dem Flachdach des Kindergartens die Solarmodule in der richtigen Position halten, montierten Gemeindemitglieder.

Identifikation in der Gemeinde

„Die Beteiligung an der Photovoltaik auf den kirchlichen Gebäuden schafft Identifikation in der Gemeinde“, sagt Reinhardt Dück. „Es entstand das Gefühl, dass es unsere Gemeindehäuser sind.“ Deshalb wollte die Kirchengemeinde ihre Dächer nicht an Solarfirmen vermieten. Die Identifikation ist ein zusätzlicher positiver Anspekt, und es gibt noch weitere: Schautafeln an den beteiligten Häusern zeigen an, wie viel Solarstrom bislang produziert wurde und aktuell produziert wird. „Für die Kinder und die Kindergärtnerinnen beispielsweise ist das immer wieder ein Ansatzpunkt, um über Umweltzerstörung und die Bewahrung der Schöpfung zu sprechen“, sagt Dück.

Der Solar-Boom geht zurück, weil die Vergütung für eingespeisten Strom in der Vergangenheit höher war. „Unser Modell lässt sich aber dennoch auf die aktuelle Situation übertragen“, ist sich Dück sicher. „Die Anlagen wurden parallel zu den Einspeisungserträgen billiger.“ Keinesfalls aber möchte er Solaranlagen auf den Dächern sakraler Gebäude oder auf denkmalgeschützten Pfarrhäusern haben.

Eine winzige Kleinigkeit wurde übersehen, aber über die können Reinhardt Dück und Wolfgang Trinius angesichts der Erträge dennoch lächeln: Der Kirchturm der Wiblinger Versöhnungskirche wirft morgens seinen langen Schatten über das Dach des Gemeindehauses, und in dieser Stunde produziert die Anlage spürbar weniger Strom. „Aber das ist halt so, dafür ist er unser Kirchturm“, sagt Dück.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Soll man an Weihnachten aufs Schenken verzichten?
Ja.
Nein
Ich bin unentschieden.