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Turmsanierung kostet 25 Millionen

ULM – Im kommenden Jahr feiert das Ulmer Münster das 125-jährige Jubiläum seiner Vollendung: Der Hauptturm war 513 Jahre nach dem Beginn des Münsterbaus endlich fertig. Gleichzeitig mit den Feierlichkeiten beginnt eine umfassende Sanierung.


Ulmer Münster (Foto: Manfred Grohe)

Auf einer Fläche von 5900 Quadratmetern müssen am Hauptturm im Westen des Münsters 2700 Steine ersetzt und 1800 Steine mit Kieselsäureesther konserviert werden. Ein Zehn-Jahres-Projekt, dessen Finanzplan derzeit 25 Millionen Euro umfasst – wobei man am Ulmer Münster vor Überraschungen nie sicher ist, sagt Kirchenpfleger Klaus-Peter Baur im Gedanken an die 2005 unvorhergesehen notwenig gewordene Sanierung des Glockenstuhls, die bis 2009 dauerte.

Im Besprechungszimmer von Münsterbaumeister Michael Hilbert hängt der größte Plan, den er in seiner beruflichen Laufbahn als Architekt und Münsterbaumeister jemals entwickeln ließ: Auf drei Metern Länge sind die Schäden am Hauptturm des Ulmer Münsters kartiert. Die Farbe Lila bedeutet einen notwendigen Austausch, orange und gelb sind Steine markiert, die restauriert und konserviert werden müssen.


Ziemlich viel Lila: Die Farbe im Plan zeigt an, wo überall Steine ausgetauscht werden müssen. (Foto: Dagmar Hub)

Vor allem an den Strebepfeilern erschreckt die Menge der lilafarbenen Markierungen. „Wir haben zu unserer Überraschung festgestellt, dass im Münsterturm elf verschiedene Varietäten Stein verbaut sind“, sagt Landeskonservator Michael Goer. Welche Folgen das hatte, konnte in den jeweiligen Arbeitsschritten wohl nicht vorausgesehen werden: Die Steine verwittern in unterschiedlichem Maß und haben Einfluss aufeinander. Michael Hilbert nennt als Beispiel den Muschelkalk, der ab dem Jahr 1900 verwendet wurde und der als härteres Material mit der Hoffnung verbunden gewesen war, weniger Lungenerkrankungen bei den Steinmetzen zu generieren. Der unterhalb solcher Muschelkalk-Steine verbaute Eisensandstein ist weitaus poröser, saugt sich bei Regen mit Wasser voll, das der Muschelkalk nicht aufnimmt, und springt dann im Winter bei Frost.

Unabhängig davon verwittert der Eisensandstein so, dass die Eiseneinschlüsse stehen bleiben, während das Material um sie herum absandet. „Wir werden gewiss nicht noch zusätzliche Stein-Varietäten verbauen“, sagt Michael Goer. Was in der jüngeren Vergangenheit bedeutete, nach Stein gleichen geologischen Alters und nahezu gleicher Zusammensetzung zu suchen – denn viele der im Mittelalter genutzten Steinbrüche sind leer geräumt.

Am Riesrand bei Lauchheim wurde man dann fündig: Dort gibt es Ersatz für den verwitterten Eisensandstein des Münsterturms. „Die Qualität der Sanierung muss dem Denkmal angemessen sein“, sagt Günter Kolb, der am Landesamt für Denkmalpflege seit den 90er Jahren fürs Ulmer Münster zuständig war und es so gut kennt wie wohl kaum jemand sonst, über das Leuchtturmprojekt Turmsanierung.


Münsterbaumeister Michael Hilbert vor großen Auf­gaben: Der Sanierungsplan für den 161 Meter hohen Hauptturm ist der umfangreichste seiner beruflichen Laufbahn. (Foto: privat)

Die Gleichzeitigkeit von Vollendungs-Jubiläum und Sanierungsbeginn im Frühjahr 2015 weckt in Ulm die Hoffnung, dass sich Menschen aus aller Welt mit Spenden an der Turmsanierung beteiligen werden, wenn sie  zu den Feierlichkeiten in die Stadt kommen.

Auf Spenden ist das Ulmer Münster seit seinem Baubeginn 1377 angewiesen: Entstanden als Bürgerkirche aus den Geldern der Ulmer ist es seitdem darauf angewiesen, dass die Menschen in der Stadt, in Baden-Württemberg und darüber hinaus für den Erhalt des Wahrzeichens ihren Geldbeutel öffnen. „Für die Sanierung hoffen wir gerade auf diese beim Bau der Bürgerkirche praktizierte gesamtgesellschaftliche Idee der Verantwortung auf vielen Schultern“, sagt Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Denn jeweils eine halbe Million jährlich werden von der Denkmalpflege und aus dem Solidarfonds der evangelischen Kirche kommen; die Stadt Ulm, die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm, der Münsterbauverein, die regionale Wirtschaft und Stiftungen werden jährlich ihren Beitrag leisten.

Angewiesen aber bleibt das Münster darüber hinaus auch auf Spenden und auf das, was die Besucher – trotz  freien Eintritts – in die Spendenboxen werfen und für die Turmbesteigung bezahlen.

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