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Unterwegs in der Schatzkammer

LEUTKIRCH (Dekanat Ravensburg) – Oberschwaben ist bekannt als „Himmelreich des Barock“.  Der Autor Rolf Waldvogel kennt sich aber nicht nur in barocken Kirchenräumen gut aus. Er schätzt auch die künstlerischen Zeugnisse anderer Epochen in der Region zwischen Donau und Bodensee.  Von Hanna Eder

Ralf Waldvogel ist ein Kenner der Kirchen Oberschwabens - auch über die Schlosskirche des Tettnanger Schlosses weiß er viel zu erzählen. (Foto: Hanna Eder)

Rolf Waldvogel schließt die Kirchentür auf. In der ehemaligen Schlosskirche des Tettnanger Schlosses ist es angenehm warm. Hell und mondän erstrahlt das Innere des prachtvollen Gottesraums mit seinen großen Fenstern. Fasziniert zeigt der frühere Kulturchef der Schwäbischen Zeitung in Leutkirch das prächtige Fresko des schwäbischen Malers Andreas Brugger – ein typisches Schlachtengemälde der Zeit. Es stellt den Sieg des seligen Johannes von Montfort über die Türken dar. Ein opulentes Werk des Barock.

Nicht nur in der ehemaligen Schlosskirche, die heute von der Martin-Luther-Kirchengemeinde Tettnang benutzt wird, zeigt sich die Prachtentfaltung der Grafen von Montfort. Auch im Schloss, zwischen 1712 und 1728 erbaut, wartet das Interieur mit Meisterleistungen auf.

Denn auch wenn den hochverschuldeten Grafen das Wasser bis zum Hals stand, trugen sie den Kopf immer noch hoch. So wurden nur exzellente Künstler der Region für die Prunkräume, die gräflichen Appartements und die beiden Treppenhäuser angeheuert. „Mit erfreulichen Folgen“, urteilt Waldvogel. Denn mit dem Schloss sei – obwohl in Teilen unvollendet – ein Schmuckstück erhalten, das in punkto barocker Opulenz zu den unverzichtbaren Anlaufstationen im Oberland zähle.

Es komme nicht von ungefähr, dass in kaum einem Text über Oberschwaben darauf verzichtet werde, vom „Himmelreich des Barocks“ zu schwärmen, sagt Rolf Waldvogel. Er hat sich kürzlich als Autor eines Bildbands mit den prächtigen Kirchenräumen der Region beschäftigt. Die Region zwischen Donau und Bodensee, der badischen Grenze im Westen und der Iller im Osten, sei nun mal barockes Land schlechthin.

Denn hochvermögende Äbte hätten im 17. und 18. Jahrhundert mit einer produktiven Mischung von Glaubenseifer, Kunstsinn und organisatorischem Talent für jene Architektur, Malerei und Bildhauerei gesorgt, die bis heute Besucher aus aller Welt in ihren Bann schlage. Und dennoch: „Man darf die Region Bodensee-Oberschwaben nicht auf den Barock reduzieren. Auch andere Epochen haben zum Renommee Oberschwabens als Kunstlandschaft beigetragen haben“, sagt der 70-Jährige.

Bei den Recherchen für sein Buch stieß Waldvogel immer wieder auf die Folgen des Bildersturms. Ein Beispiel ist die Klosterkirche von Blaubeuren. Wiederholt hatte der Herzog Christoph von Württemberg nach der Reformation die Zerstörung des katholischen „Gotzenwercks“ angemahnt, vor allem der Altar mit seinem der Mutter Gottes gewidmeten Bildprogramm sollte vernichtet werden. Beeindruckt hat Waldvogel die Präsentation der vielen Kunstschätze in der Region. „Was gerade dieser Landstrich in den letzten Jahrzehnten ideell und materiell geleistet hat, um seine herausragenden Kunstdenkmäler optimal zu präsentieren, ist bewundernswert“, würdigt er. „Ich habe am Ende der Arbeit noch einmal mehr gewusst, wie schön es ist, hier zu leben und Kunst von höchstem Rang besuchen zu können.“

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