Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vorbeugen ist besser als heilen

FRIEDRICHSHAFEN (Dekanat Ravensburg) – Marie Herzogin von Württemberg ist Vorsitzende der „Stiftung Präventive Jugendhilfe“, die jetzt 25 Jahre alt wird. Deren Arbeit für Kinder und Jugendliche ist notwendiger denn je. 


Marie Herzogin von Württemberg freut sich auf das Jubiläumsfest im Schloss Friedrichshafen. (Foto: Brigitte Geiselhart)


„Es ist wirklich schön, auf so ein rundes Jubiläum zurückblicken und dabei auch den Mut und die Leistung der Gründer würdigen zu dürfen, die vor einem Vierteljahrhundert dieses gesellschaftlich wichtige Thema in Angriff genommen haben“, sagt Marie Herzogin von Württemberg. Als Vorsitzende des Stiftungsrats der „Stiftung Präventive Jugendhilfe“ freut sie sich auch darauf, zum Fest im Schloss Friedrichshafen, viele Förderer und Mitstreiter zu sehen und die Menschen wieder zu treffen, auf die die Stiftungsarbeit ausgerichtet ist und die von der Stiftungsarbeit profitiert haben.

„Jugendhilfe ist heute brisanter und wichtiger denn je“, sagt Herzogin Marie. „Wenn man die demografische Entwicklung betrachtet, dann werden wir alle noch sehr auf die heutigen Kinder und Jugendlichen angewiesen sein. Wir sollten gemeinsam Sorge tragen, dass kein einziges Kind auf der Strecke bleibt – niemand darf übersehen werden.“ Jeder und jede habe Potenzial, etwas zur Gesellschaft beitragen zu können, wenn er oder sie richtig geführt, geleitet und gefördert werde. „Dafür engagiert sich die Stiftung und das ist mir persönlich sehr wichtig“, betont Herzogin Marie.
Dass es der Jugendhilfe immer um das Wohl der Kinder und Jugendlichen und deren Zukunft gehe, dieser Ansatz sei immer der Gleiche geblieben. Generell habe sich aber gerade in den zurückliegenden zwei bis drei Jahren vieles geändert. „Durch die Flüchtlingsflut ist die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen plötzlich und drastisch angestiegen“, berichtet Herzogin Marie. „Die Jugendhilfe war hier mächtig gefordert, schnell und flexibel zu reagieren. Die weitere Entwicklung ist aber schwer einzuschätzen. Beispielsweise hatte die Marienpflege in Ellwangen kaum Plätze geschaffen mit syrisch sprechendem Fachpersonal, da gab es schon Bedarf an afrikanisch sprechenden Betreuern.“
Beispielhaft sei auch die Arbeit der Martin-Bonhoeffer-Häuser in Tübingen – sie waren die letzten Gewinner des Präventionspreises der Stiftung. In ihrem Projekt ging es um die Integration von Flüchtlingskindern und um die Einbindung der Tübinger Bürger, die entsprechende Patenschaften übernommen haben. Hier werde viel Kraft und Zeit investiert, diese engagierten Menschen zu begleiten und zu unterstützen, so dass bereits viele erfolgreiche und wertvolle Patenschaften, sogar Freundschaften entstanden seien.

Und wie sieht es mit dem bekannten Sprichwort „Vorbeugen ist besser als heilen“ aus?  Greift dieser Satz auch in Bezug auf gefährdete Jugendliche oder ist das in der Jugendhilfe ein allzu frommer Wunsch? Das Motto der Stiftung sei von Anfang an gewesen „Helfen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“, so Herzogin Marie. „Kinder und Jugendliche müssen erfah-ren, dass an sie geglaubt wird. Daran können sie wachsen. An dieser Aufgabe müssen wir weiterarbeiten und Jugendliche rechtzeitig erreichen, bevor es zu spät ist.“

Mit Blick auf die moderne Medienwelt sieht Marie Herzogin von Württemberg in der Gegenwart noch mehr Gefährdungen auf Kinder und Jugendliche zukommen, als das noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. „Das Internet ist eine große Gefahr, wenn Kinder und Jugendliche unkontrolliert Zugang dazu haben“, betont die Herzogin. Der so genannte „Islamische Staat“ benutze das Internet und die sozialen Netze, um terroristischen Nachwuchs zu rekrutieren. Studien belegten, dass soziale Medien depressiv machen. „Jugendliche sehen nur die Fassade von Menschen und aufgebaute Scheinwelten, die nicht der Realität entsprechen. Wenn man dann als Jugendlicher den Vergleich mit dem eigenen Leben zieht, verliert man leicht an Selbstwertgefühl. Auch Spielsucht, Kommunikationsdefizite und sogar Übergewicht können die Folge sein“, sagt Herzogin Marie. Manfred Spitzer, der bekannte Hirnforscher von der Universität Ulm, stelle für Kinder und Jugendliche das Suchtpotenzial der modernen Medien auf die gleiche Gefährdungsstufe wie Drogen und Alkohol.

„Wenn Lieder verstummen, verkümmert auch die Seele.“ Ein spezieller Ansatzpunkt der Stiftung, an dem Herzogin Marie besonders viel liegt. „In der Präventiven Jugendhilfe geht es nicht um das ökonomische, sondern um das seelische Heil“, erklärt sie. Musik sei ein sehr geeignetes Mittel dazu, ein seelisches Gleichgewicht zu erhalten, genauso wie die Literatur. „Was der Seele gut tut“ – darauf liege der Fokus. „Immer wieder fördern wir daher Projekte, die einen musikalischen Schwerpunkt haben wie zum Beispiel unsere Musicalprojekte für Erziehungshilfe und die Unterstützung des Kinderchors St. Columban in Friedrichshafen“, sagt sie.

Ganz aktuell liege der Stiftung das Buch „Die Rückkehr des Prinzen“ des argentinischen Autors Alejandro Roemmers am Herzen. Dies sei eine Fortsetzung des „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint Exupéry. Die Aussage des Autors „Im Grunde gibt es nur einen Weg, die Welt zu verändern – indem man sich selbst verändert“ mache deutlich, wie wichtig jeder einzelne Mensch für die Zukunft sei.
An Projekten wird es der Stiftung in den nächsten Jahren nicht mangeln. „In der ersten Sitzung nach dem Stiftungsfest wird es vor lauter neuen Ideen nur so sprudeln“, ist sich Herzogin Marie sicher. Ein Schwerpunkt werde in jedem Fall die Auseinandersetzung mit dem Umgang Jugendlicher mit den neuen Medien werden. „Der Vorteil unserer vergleichsweise kleineren Stiftung ist es, relativ schnell auf aktuelle Geschehnisse und Thematiken reagieren zu können. Grundsätzlich kann

Marie Herzogin von Württemberg
Marie Herzogin von Württemberg ist eine geborene Prinzessin zu Wied. Seit 1993 ist sie mit Friedrich Herzog von Württemberg, dem ältesten Sohn von Carl Herzog von Württemberg und Diane Herzogin von Württemberg, verheiratet. Das Paar hat drei Kinder und wohnt im Schloss Friedrichshafen, das gleichzeitig auch Sitz der zentralen Verwaltung der Hofkammer ist.
Herzogin Marie engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in verschiedenen sozialen Bereichen.  2005 übernahm sie die Schirmherrschaft der von ihrem Schwiegervater 1992 gegründeten „Stiftung Präventive Jugendhilfe“, 2011 wurde sie zur Vorsitzenden des Stiftungsrates gewählt.
Die Stiftung widmet sich der Förderung von am Gemeinwesen orientierten, aufs Lebensumfeld bezogenen Angeboten der Jugendhilfe. Sie wird von Evangelischer und Katholischer Kirche, Privatpersonen und Unternehmen unterstützt. In regelmäßigen Abständen lädt die Stiftung zur Reihe „Dialog im Schloss“ ein, bei der im Schloss Friedrichshafen hochkarätige Gesprächspartner aus Politik, Kirche, Gesellschaft oder Sport zu aktuellen Themen diskutieren. Das Jubiläumsfest im Schloss am 16. Juli wird nur mit geladenen Gästen gefeiert. man in Bezug auf unsere Arbeit sagen: Das Bewährte bleibt, das Aktuelle kommt dazu.

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