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ULM – Sie galten als verschollen, sind aber von großem kunsthistorischen Wert: drei Eichenholzfiguren der Spätgotik. Jetzt wurden die Skulpturen, die einst den Priestersitz zierten, im Ulmer Münster wiederentdeckt und sind ab dem 23. Oktober im Ulmer Museum zu sehen. 


Die drei Figuren gehörten zu einem Priestersitz im Ulmer Münster - als es noch katholisch war. (Foto: Oleg Kuchar)


Es ist fast ein Kunst-Krimi, der jetzt in einer Ausstellung im Ulmer Museum vor Augen geführt wird: Drei rund 90 Zentimeter hohe Eichenholzskulpturen der Ulmer Spätgotik waren über Jahrzehnte nur aufgrund von Abbildungen in Büchern präsent. Nach Jahrzehnten sind nun die Originale aufgetaucht. „Wir wussten von ihrer Existenz, doch sie waren vom Radar verschwunden“, bemerkt Eva Leistenschneider, die Mittelalter-Kuratorin des Ulmer Museums. Doch wie verschwinden drei Figuren, die nicht gerade klein und leicht sind?

Nachvollziehbar ist ihr ursprünglicher Standort im Ulmer Münster. Sie gehörten zu einem Priestersitz mit drei Plätzen, der seitlich des Hochaltars im Chor stand. Sie dienten dem zelebrierenden Priester mit seinen Diakonen. „Mit der Einführung der Reformation hatte der Priestersitz seine Funktion verloren, doch vermutlich stand er bis ins frühe 19. Jahrhundert im Chor“, verweist Leistenschneider auf Archivalien. Wann er abgebaut wurde, ist nicht bekannt.

Die Figuren fanden sich später an anderen Plätzen des Münsters, doch irgendwann verloren sie sich. Die jetzige Wiederentdeckung der Skulpturen war eine kleine Sensation bei einem wenig spektakulären Anlass. Im Zuge der Brandschutzsanierung des Ulmer Münsters gab es eine Überprüfung der Schließanlagen. „Wir haben alle Schlüssel zusammengetragen und allen Orten zugeordnet. Darunter ist ein Schlüssel aufgetaucht, der zu einem Wandschrank in der Besserer-Kapelle passte. Ich habe den Schrank geöffnet. Darin waren fünf Figuren“, erzählt Münsterbaumeister Michael Hilbert. Er informierte die Mittelalterkuratorin Leistenschneider. Während die zwei Steinfiguren als Kopien aus dem 19. Jahrhundert einzuordnen sind, erkannte Leistenschneider in der Dreiergruppe die verschollenen Figuren, die von einigem kunsthistorischen Wert sind.

„Der Meister hat ein beträchtliches Werk in Ulm geschaffen. Wir haben einige Vergleichsbeispiele“, sagt Leistenschneider über diesen wichtigen Vertreter der Ulmer Spätgotik, dessen Namen bisher nicht bekannt ist.

Zwar gibt es eine Entwurfsskizze des Priestersitzes von 1475, die das Meisterzeichen Jörg Syrlins d.?J. trägt sowie Abrechnungen für den Gesamtauftrag. Doch Syrlin wird hier die Aufgabe übertragen, den Bildhauer auf eigene Kosten zu bezahlen – der Name des Meisters taucht jedoch nicht auf. „Meister des Priestersitzes“ wird er nun in der Ausstellung genannt, die es im Ulmer Museum nach der Auffindung der Figuren gibt. Die Entwurfs­skizze des Priestersitzes gibt es zu sehen sowie die Skulpturen in ihrem kunsthistorischen Zusammenhang.

Die 500 Jahre alten Kunstwerke zeigen sich in gutem Erhaltungszustand. Fein ausgearbeitet aus dem harten Eichenholz sind die Gesichter und die Gewänder. Die zentrale Figur, die zum Platz des Priesters gehörte, ist als Hohepriester gemäß dem 2. Buch Mose, 28 gewandet, zudem tragen die Figuren Spruchbänder mit Zitaten aus den Büchern Mose. In ihrer Zuordnung zu den Skulpturen im Priestersitz wurden der mittelalterliche Priester und seine Diakone in die typologische Tradition von alttestamentlichen Hohepriester und dessen Gehilfen gesetzt.



Die Studioausstellung ist im Ulmer Museum vom 23. Oktober bis zum 12. Februar 2017 zu sehen. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

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