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Wider die Kükenschredderei

RAVENSBURG – Man kann über manche Auswüchse in der industriellen Landwirtschaft nur angewidert den Kopf schütteln. Man kann aber auch etwas dagegen tun. Vier Männer haben gemeinsam ein Projekt auf die Beine gestellt, dass dem Kükenschreddern ein Ende macht: Nicht nur Hennen, auch die Hähne dürfen leben – bis sie als Lyonerwurst in der Dose enden. 

Uwe Diesing, Konrad Halder, Christoph Mader und Gerd Gunßer (von links) produzieren und vermarkten die Lyoner aus fairer Hühneraufzucht. (Foto: Barbara Waldvogel)


Jährlich werden in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken getötet, weil sie für die Geflügelproduzenten unwirtschaftlich sind. Dieses skrupellose Vorgehen gegen die Schöpfung wollte Gerd Gunßer von der Diakonischen Bezirksstelle in Ravensburg nicht mehr länger hinnehmen. Er suchte Mitstreiter gegen das Kükenschreddern und für eine sinnvolle Verwertung der Hähne. Zusammen mit dem Landwirt Konrad Halder, dem Metzger Christoph Mader und Uwe Diesing von der Vertriebsfirma Diloga wurde das Projekt „Gockeler Wurst“ geboren und in die Tat umgesetzt. Inzwischen findet die eingedoste Geflügel-Lyoner viele Abnehmer und sichert gleichzeitig der Diakonie Spendengelder.

„Wir bringen den Gockel nicht ums Egg!“ steht auf dem Etikett der „Gockeler Wurst“. Aufgepasst! Wortspiel: Egg – Ei, ums Egg – um die Ecke bringen… Man versteht. Das gemeinsame Projekt von Landwirtschaft, Metzgerhandwerk und Diakonie setzt sich für ein „anständiges Leben von Tier und Mensch“ ein und zeigt, wie ethische Überlegungen auch kulinarische Folgen haben können. Inzwischen wird in fünf Geschäften die „Gockeler Wurst“ verkauft. Auch in der Bezirksstelle der Diakonie sind die 300-Gramm-Dosen erhältlich, und selbst in der Ravensburger Vesperkirche wurden sie angeboten.

„Das Projekt läuft sehr gut“, sagt Gerd Gunßer sichtlich zufrieden. Er hat zwar auch Berichte von der Grünen Woche gelesen, wonach es bald möglich sein soll, durch moderne Lasermethoden schon 72 Stunden nach der Befruchtung das Geschlecht des Kükenembryos zu bestimmen. Dadurch kann man dann frühzeitig die unerwünschten Eier mit männlichem Embryo aussortieren und der industriellen Verwertung zuführen. Aber bis es soweit ist, wollen  Gunßer und sein Team weiterhin für die Aufzucht der männlichen Tiere sorgen, auch wenn dies im Grunde nur über den Verkauf der „Hennen-Gockel-Eier“ zu finanzieren ist. Wer diese Eier in den Einkaufskorb legt, unterstützt mit einem Aufschlag zwischen 3,5 bis vier Cent pro Ei die Aufzucht der männlichen Tiere. „Bei uns leben Henne und Hahn“ – mit diesem Slogan wirbt Landwirt Halder aus Hosskirch schon seit 2012 für seine „Hennen-Gockel-Eier“. Er gehört zu einem Verbund von zehn Bio-Betrieben, die insgesamt 50.000 Legehennen halten und von der Brüterei auch männliche Tiere übernehmen.

In gesonderten Ställen werden diese Gockel aufgezogen. „Das sind reine Männer-WGs“, sagt Halder und ergänzt: „Nach 13 bis 18 Wochen kann man die Hähne dann schlachten.“ Doch der Knackpunkt war immer: Wie soll das Fleisch vermarktet werden? Der Absatz der frischen Ware ist schwierig, da diese Hühner nicht zu den Fleischrassen zählen. Will heißen: Sie eignen sich nicht als Brathähnchen. Doch Gunßer ließ nicht locker. Er fand in Metzger Mader aus Wilhelmsdorf einen engagierten Mitstreiter, der jetzt das Fleisch zu feiner Hähnchen-Lyoner verarbeitet und diese in Dosen einkocht.

Gunßer freut sich, wenn die „Gockeler Wurst“ von Hähnchen aus fairer Hühneraufzucht weiterhin viele Abnehmer findet – aus ethischen und natürlich auch aus finanziellen Gründen. Denn je mehr Dosen verkauft werden, umso mehr Geld landet auf dem Konto der diakonischen Bezirksstelle in Ravensburg.

Die Verkaufsstellen für die „Gockeler Wurst“ sind im Internet zu finden unter www.diakonie-ravensburg.de

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