Christliche Themen für jede Altersgruppe

„500 Jahre Reformation“- Reformationsreise des Evg. Gemeindeblatts vom 3. bis 10. Juli 2017

Es ist natürlich unmöglich die vielen Eindrücke von einer achttägigen Reise vom 3. bis 10. Juli zu Originalschauplätzen der Reformation zusammenzufassen. Ich kann also nur versuchen subjektive und bruchstückhafte Erinnerungen von dem, was mich auf der Reise beeindruckt hat, wiederzugeben.





Unsere Reisegruppe startete am 3. Juli pünktlich in Stuttgart, wobei wir noch mit Brezeln versorgt wurden, damit uns der Abschied aus dem Schwabenland nicht zu schwer fiel. In Würzburg stiegen noch Mitreisende aus Nürnberg zu. Nach einer Andacht und dem Reisesegen unseres Gemeindeblatt-Reisebegleiters Pfarrer i.R. Christoph Rau fuhren wir durch bis Weimar, wo wir an einer Führung in der Herderkirche mit dem berühmten Cranachaltar teilnahmen, auf dem Luther, Johannes der Täufer, Lukas Cranach und Martin Luther abgebildet sind..

In der Lutherstadt Wittenberg bezogen wir für drei Nächte Quartier im Luther-Hotel mitten in der Altstadt, wobei uns eine Werbetafel des Hotels mit der Werbung „Luther-Burger & Käthe-Nuggets“ den Weg zeigte. Die Vermarktung Luthers vom Lutherbier, den Luthersocken bis zum Playmobil-Luther begegnete uns auch weiter sehr häufig.
Am Abend des Tages als wir von dem schrecklichen Busunfall auf der A9 erfuhren, wurde uns erst bewusst, wie wir auf der Fahrt bewahrt worden waren.

Am nächsten Tag besuchten wir die Sonderausstellung im Augusteum „Luther: 95 Schätze – 95 Menschen“. Am meisten beeindruckten mich die 500 Jahre Wirkungsgeschichte Luthers am Beispiel von 95 Menschen aus der ganzen Welt mit ihren jeweils persönlichen Beziehungen zu Martin Luther von Gandhi bis Astrid Lindgren.
Mit Dr. Reichelt, unserem erstklassigen Reiseführer, besichtigten wir die Altstadt, das Lutherhaus, die Stadtkirche mit dem Reformationsaltar von Lukas Cranach, sowie die Schlosskirche, an deren Tür Luther die 95 Thesen angeschlagen haben soll. In dieser Kirche befinden sich auch die Grabstellen von Luther und Melanchthon.
Erschüttert blieben wir an der Schmähplastik der so genannten „Judensau“, an der Fassade der Stadtkirche stehen, deren Entfernung immer wieder gefordert wird. Ein Stolperstein erinnert jedoch an die unheilvolle Geschichte der Judenverfolgung.

Am nächsten Tag konnten wir auf eigene Faust die Weltausstellung Reformation erkunden.
Hier werden Besucher eingeladen, sich mit Kirche, Glauben und der Lage der heutigen Welt auseinander zu setzen. Besonders der Bereich „Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung fesselte uns. Da ragt das Wrack eines Flüchtlingsboots aus dem Schwanenteich. Brennende Fragen werden thematisiert: Klima und Schöpfung. Gerechtigkeit und Armut. Wohlstand und Geld. „Es sollte überhaupt kein Armer unter euch sein“(5.Buch Mose 15/4). Was würde Luther heute sagen? Brauchen wir eine neue Reformation, eine Transformation hin zu einer zukunftsfähigen Welt und Gesellschaft?
Auch das Thema „Reformation und andere Religionen“ war sehr spannend. Da führten der jüdische Rabbi Walter Homolka und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime Aiman Mazyekim einen freundschaftlichen interreligiösen Dialog. Von evangelischer Seite wurde ein Lesezeichen verteilt, worauf gezeigt wird, dass die Goldene Regel “Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch“ in leicht abgewandelter Form in allen Religionen gültig ist. Wäre das nicht ein gemeinsamer Ausgangspunkt?
Auch der 27 m hohe Bibelturm hat uns stark beeindruckt. Wer zu Fuß hochsteigt, passiert Tafeln mit Bibelstellen und Aussagen von Menschen, was ihnen diese Stellen bedeuten z.B. „Mein Mutmacher“, “Mein Hoffnungsgeber“.
Auch das Asisi -Panorama war natürlich ein Muss. Hier erlebt man das Wittenberg zur Zeit Luthers hautnah.
Am Abend waren wir noch eingeladen in der Ausstellungshalle der Landeskirche „Württemberg in Wittenberg“. In einer früheren Industriehalle werden hier in an einer Wand übereinander angebrachten in der Länge nach halbierten Flaschen Weinreben kultiviert, die über Schläuche mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden. Das Ganze wird geregelt übers Internet von Stuttgart aus. Dass sich hier die Schwaben als Tüftler und Denker präsentieren, gefällt offensichtlich nicht allen: am Eingang hat jemand „Schwaben raus“ hingeschmiert…
Im Nebenraum ist noch eine alte Schmiede zu sehen, in der 1983 unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ ein Schwert umgeschmiedet wurde – was damals ungeheures Aufsehen erregte, wofür der Schmied jedoch teuer bezahlen musste. Was das alles mit Luther zu tun hat, kann sich jeder ausdenken. Auf jeden Fall erregt die Halle Aufmerksamkeit und es gibt viele gute Gespräche, erzählte uns Kirchenrat i.R. Helmut Dopffel.



Weiter ging die Reise über Torgau und Eisleben in die Lutherstadt Eisennach. In Torgau beeindruckte besonders das Leben von Kaharina von Bora und ihr Grab in der Marienkirche. Was wäre Luther gewesen ohne seine tatkräftige Katharina? Ein wichtiger Stopp war natürlich Eisleben, Luthers Geburts- und Sterbestadt. Ein hochaktuelles Lutherwort zur Abrüstung fiel mir hier besonders auf: „Gibt man einen Gulden zum Türkenkrieg, 50 sind nicht zu viel, um einen Knaben zu einem rechten Christenmenschen zu bilden.“
Bei der Ankunft im Hotel Haus Hainstein in Eisenach waren wir ganz begeistert vom Blick auf die Wartburg. Da wir hier viermal übernachteten, konnten wir den herrlichen Ausblick zu jeder Tageszeit genießen.

Der folgende Tag gehörte ganz der Lutherstadt Eisenach, neben Wittenberg das Herzstück dieser Reise. Wir erkundeten die Altstadt und konnten eine Orgelmusik in der Georgenkirche genießen. Ein Standbild Luthers fasst die Bedeutung Luthers gut zusammen: Luther als Schüler, als Junker Jörg und Bibelübersetzer, sowie als Liederdichter, dargestellt mit dem bekanntesten Lutherlied: „Ein feste Burg ist unser Gott“.
Die interessante Ausstellung im Lutherhaus zeigte Luther im Widerstreit der Meinungen aus evangelischer und aus katholischer Sicht: Als Ketzer oder Prophet, als Reformer oder Spalter, Auch wüste Beschimpfungen von beiden Seiten wurden festgehalten. In neuer Zeit gab es allerdings versöhnlichere Töne. So sagte Papst Franziskus 2016:“ Ich glaube, dass die Absichten Luthers nicht falsch waren. Er war ein Reformator. Vielleicht waren einige Methoden nicht richtig, aber zu jener Zeit sehen wir, dass die Kirche nicht gerade ein nachahmenswertes Vorbild war: Es gab Korruption, Weltlichkeit, Anhänglichkeit an Geld und Macht. Deshalb hat er protestiert…“
Die anschließende Ausstellung auf der Wartburg „Luther und die Deutschen“ zeigte wie jede Epoche deutscher Geschichte ihr ganz eigenes Lutherbild entwickelte. Auch die unheilvolle, schreckliche Wirkungsgeschichte von Luthers judenfeindlichen Schriften wurde nicht verschwiegen.
Voller Eindrücke konnten wir das wie immer deftige Abendessen fast nicht mehr bewältigen.

Der Tagesausflug nach Erfurt mit Führungen im Augustinerkloster und in der Altstadt zeigten uns wichtige Orte in Luthers Leben (als Student, als Mönch, Priesterweihe).

Am Sonntag fuhren wir nach dem Besuch des Gottesdienstes in der Georgenkirche zum Stammort der Familie Luther nach Möhra. Auf dem Rückweg besuchten wir noch die Stelle, wo Luther am 4. Mai 1521 auf dem Rückweg vom Reichstag in Worms „überfallen“ und auf die Wartburg entführt wurde. Am Abend erlebten wir einen unvergesslichen Höhepunkt der Reise beim Jubiläumskonzert „Chevalier de la Musique“ des MDR zum Reformationsjahr im Festsaal auf der Wartburg. Mit Renaud Capuçon, Violine, und Khatia Buniatishvili am Klavier.
Im Hotel setzten wir uns anschließen noch gemütlich zusammen und ließen den Abend und die Reise gemeinsam ausklingen. Dass wir gemeinsam darum kämpfen mussten, dass jede und jeder von uns – denn es war schon nach 22 Uhr - wenigstens noch ein Getränk bekam, schweißte unsere Gruppe noch mehr zusammen.

Auf der Heimfahrt machten wir noch einen Stopp an der Veste Coburg. Die dortige Bayrische Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“ bot eine gute Ergänzung zu unsere Reise. Hier stand nicht nur Martin Luther im Mittelpunkt, sondern seine politischen und gesellschaftlichen Auswirkung auf die damalige Zeit mit dem Schwerpunkt auf Süddeutschland.

Auf der weiteren Heimreise gingen uns allen die Vielzahl von Eindrücken und Erinnerungen durch den Kopf. Diese Reise war sicher einmalig auch für die Mitreisenden, die schon öfters die Luhterstätten besucht hatten. Vieles war vor dem Jubiläum renoviert, Ausstellungen neu konzipiert und viele zusätzliche Veranstaltungen ins Jubiläumsprogramm aufgenommen worden. Mir ging durch den Kopf, was Luther wohl heute sagen würde. Dass wir immer noch nicht gemeinsam Abendmahl feiern können? Dass wir immer noch mehr Geld für Kriege ausgeben anstatt für Bildung und Hunger in den armen Ländern?

Unser Dank gilt besonders unserem Reisebegleiter von Seiten des Gemeindeblatts Pfarrer i.R. Christoph Rau, der kurzfristig für einen erkrankten Kollegen einsprang. Er legte mit seinen Andachten meist mit einem Lutherwort eine gute Grundlage für den Tag. Es gelang ihm alles Unvorhersehbare zu bewältigen, ging auf Wünsche der Teilnehmer weitmöglichst ein und brachte alle Mitreisenden wieder komplett nach Hause.
Wir danken auch unserem umsichtigen Busfahrer Günther vom Busunternehmen Hoenes, der auch das kurvenreiche Sträßle zum Hotel Haus Hainstein bravourös meisterte.
Ein ganz besonderer Dank gilt unserem engagierten, kompetenten und begeisternden Reiseführer Dr. Reichelt.
Unser Dank gilt natürlich auch dem Team des Gemeindeblatts, das diese Reise plante und vorbildlich organisierte.

Jörg Länge
Ein sehr zufriedener Reiseteilnehmer

Luthers-Familienzeit

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