Christliche Themen für jede Altersgruppe

Abschied vom Vater - Halt in Jesus

Das Abendmahl am Sterbebett feiern – das ist unter Corona-Bedingungen alles andere als einfach. Unser Leser hat das in Zusammenarbeit mit der Krankenhausseelsorgerin und mit dem Einsatz von Schutzkleidung und Technik möglich gemacht und konnte sich so in Würde und getragen im Glauben von seinem Vater verabschieden.

Foto: 1045373, pixabay
Foto: 1045373, pixabay

Am 15. November erreicht mich der Anruf meiner Schwester. Unser 88-jähriger Vater ist gestürzt und liegt mit Hirnblutungen im Krankenhaus. Die Zeit drängt, Vater ist nicht mehr ansprechbar. Uns ist es ein Anliegen, ihn im Sterben zu begleiten. Am Dienstag fängt der Stationsarzt mich ab. Der Corona-Test war bei meinem Vater positiv. Meine Schwester geht mit ihrer Familie umgehend in Quarantäne und kann Vater nicht mehr besuchen. Ich darf unter Sicherheitsvorkehrungen weiter zu ihm.

Die Krankenhausseelsorgerin besucht uns am gleichen Tag im Abschiedszimmer und fragt nach einem Wunsch. Ich stelle die Frage, ob wir auch unter diesen Umständen noch gemeinsam Abendmahl feiern können? Sie bejaht und wir vereinbaren uns auf den Nachmittag.

Abendmahl mit Hygienekonzept - Das göttliche Amen ist gesprochen

In welch kläglicher und doch würdevoller Form haben wir unter Corona-Bedingungen Abendmahl am Sterbebett gefeiert: Vater ohne Bewusstsein, Schwester und Schwager nehmen an der Abendmahlsfeier per Telefonkonferenz teil, die Krankenhausseelsorgerin und ich stehen da in unserer Schutzkleidung.

Liebevoll hat sie alles vorbereitet: Trauben, Brot, den Kelch mit Saft, ein paar Efeublätter, ein flackerndes Batterie-Teelicht, alles im Müllsack angerichtet zur direkten hygienekonzeptkonformen Entsorgung. Ich benetzte Vater die Lippen mit Traubensaft, dabei spreche ich ihm „Christi Blut für Dich vergossen“ zu. Ohne Schmecken, dafür umso mehr ein Erinnerungsmahl und ein „Sehen, wie freundlich der Herr ist“.

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Der Zuspruch aus Psalm 27 durch die Krankenhausseelsorgerin tut gut: Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Das Lied „Jesu meine Freude“, heruntergeladen von You-Tube, vorgespielt aus dem Handylautsprecher, bereichert die schlichte Feier. Den Mut hätte ich nicht gehabt, wie schön, dass die Seelsorgerin ihn hatte. Liebevolle, stärkende Worte, ein kurzer Rückblick auf das Leben von Vater, das Gebet, der Segen.

Und dann am Todestag die Losungen der Herrnhuter:

Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist, wohl dem, der auf ihn trauet. (Psalm 34,9)

Kommt, denn es ist alles bereit. (Lukas 14,17).

Kommt nehmt an Gottes Festmahl teil, erfahrt in Christus Euer Heil und schmeckt die Güte unseres Herrn; esst Brot, trinkt Wein; er gibt es gern (Charles Wesley, englischer Kirchenlieddichter im 18. Jahrhundert).

Brot und Wein. Kommunion. Abendmahl. Foto: David Weber, unsplash.Abendmahl. Foto: David Weber, unsplash.

Ein Gnadenkreis hat sich geschlossen, die Brücke ist überquert, der Tisch wurde gedeckt in der Zeit, in der der Tod vor der Tür stand. Das Festmahl beginnt, das göttliche Amen ist über Vaters Leben gesprochen.

Wie dankbar blicken meine Schwester und ich auf dieses letzte gemeinsame Abendmahl mit unserem Vater zurück. In diesen stürmischen Zeiten zeigt es sich, welchen Halt es bietet in Jesus, dem auferstandenen Herrn, gegründet zu sein. □