Christliche Themen für jede Altersgruppe

Alles alleine schaffen?

Katharina K. lebt seit ihrer Scheidung allein. Sie freut sich an ihrem großen Freundes- und Bekanntenkreis, weiß aber auch die Zeit für sich zu schätzen. Die 40-Jährige weiß, welche Fallen man unbedingt vermeiden muss beim Alleine-Leben – und warum Listen wichtig sind.

Alleine leben heißt nicht unbedingt, einsam zu sein. Aber man muss bestimmte Dinge organisieren.
(Foto: Julien Christ/ pixelio)

Alles alleine schaffen?

Katharina K.* ist „Scheidungssingle“. Als sie vor ein paar Jahren aus der gemeinsamen Wohnung auszog, die sie´mit ihrem damaligen Mann bewohnte, machte sie besondere Erfahrungen. „Viele Freunde und Bekannte konnten sich gar nicht so richtig vorstellen, wie ich jetzt lebe“, berichtet sie. So sei ihr mehrfach die Frage gestellt worden, was sie denn jetzt abends oder am Wochenende so alleine zu Hause mache – „ich hätte ja noch nicht mal einen Fernseher, meinten meine Freunde besorgt“, erinnert sie sich.

Reichlich abstrus sei ihr diese Frage vorgekommen. Denn schließlich mache sie ja auch nichts anderes in ihrer Freizeit als ihre verheirateten Freunde: lesen, Musik hören, spazieren, joggen, Rad fahren, Freunde treffen. Oder einfach einmal auf dem Sofa liegen. „Eine Sache ist natürlich ganz anders: ...

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

„ ... Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, ist niemand da. Aber das ist ja in Familien oder bei Paaren zu manchen Zeiten auch so.“ Der große Unterschied: „Wenn ich mit jemandem zu Abend essen möchte, muss ich mich bei demjenigen melden. In einer Familie sind die Leute ja da.“

Nicht unbedingt einsam

Gemeinschaft zu erleben sei für sie seit ihrer Trennung eben mit Organisationsaufwand verbunden, egal ob es sich um spontane Verabredungen oder um lang geplante Zusammenkünfte handelt. Auch Enttäuschungen kommen vor – denn manchmal hätten die Freunde, die man gern spontan treffen wolle, keine Zeit oder sie sagten lang vereinbarte Termine ab, zum Beispiel wegen Krankheit. „Das kann frustrierend sein“, meint Katharina K. Umso wichtiger sei es, die Sache sportlich zu nehmen.

Gemeinschaft organisieren

„Wenn jemand Zeit hat, freue ich mich, wenn nicht, dann genieße ich die Zeit mit mir allein“, sagt die 40-Jährige selbstbewusst. Auch andere Dinge erfordern Organisation: Wenn Katharina K. beispielsweise aus dem Urlaub zurückkommt, ist niemand da zum Erzählen, es sei denn, sie kümmert sich vorher darum. „Obwohl meine S-Bahn-Linie direkt zum Flughafen führt, lasse ich mich gerne von Freunden abholen und gehe mit ihnen dann zusammen essen.“ Denn dabei lasse sich doch wunderbar erzählen. Und genau das sei wichtig: nach dem Urlaub nicht sofort in eine leere Wohnung zu kommen. Manchmal koste es aber Überwindung, Freunde zum Flughafen oder Bahnhof zu bestellen – und das, obwohl die gerne Taxi spielten und sogar von sich aus anbieten würden, ein paar Lebensmittel einzukaufen.

Freunde helfen gern, man muss nur fragen

Diese Überwindung war nach der Trennung von ihrem Mann eine neue Erfahrung für Katharina K. „Als ich noch verheiratet war, habe ich manchmal meine Single-Freundinnen nicht verstanden. Sie sagten mir zum Beispiel, dass sie mich nicht fragen wollten, ob ich spontan Zeit hätte – ich sei ja nun verheiratet und würde bestimmt viel lieber mit meinem Mann zusammen sein.“ Und obwohl sich Katharina K. seinerzeit über solche „dummen Sprüche“, wie sie das nennt, geärgert hat, tappe sie jetzt manchmal genau in dieselbe Falle. Um dieser Falle zu entkommen, sei der erste Schritt, sich die Sache bewusst zu machen, weiß Katharina K.

Ein großer Freundeskreis

Ähnlich sieht es aus mit dem Thema Hilfe, wie sie bei sich und anderen beobachtet hat: „Das Problem ist bei vielen Singles, dass sie denken, sie müssten alles allein schaffen.“ Oft wollen Singles die anderen nicht stören. K. hat erlebt, dass Freunde, Nachbarn oder Bekannte ihr gerne helfen. „Sie wissen meist aber nicht von selbst, was der Single braucht, und kommen deshalb auch nicht von alleine auf die Idee zu fragen, welche Hilfe gewünscht wird.“ Wenn Freunde keine Zeit haben, dürfe man das nicht persönlich nehmen. „Viele Singles ziehen sich bei einer Absage zurück und glauben, sie seien es nicht wert, dass man ihnen hilft oder für sie Zeit hat“, sagt Katharina K. Doch diese Annahme ist falsch. Schließlich ist Ehrlichkeit auch ein Merkmal einer guten Freundschaft, findet Katharina K. Freunde würden es eben aufrichtig sagen, wenn sie keine Zeit haben oder eine bestimmte Hilfe nicht leisten können. „Ich muss meinem Gegenüber also auch die Freiheit zugestehen, dass er oder sie ‚nein‘ sagen darf, ohne dass ich gleich in ein tiefes seelisches Loch falle.“

Es sei deshalb wichtig, den Freundeskreis groß zu halten und nicht nur eine Freundin oder einen Bekannten zu haben, die oder den man um etwas bitten oder für spontane Treffen anfragen kann. Auf Katharina K.s Liste stehen aus diesem Grund rund 15 Namen. Das Beruhigende dabei: „Dann ist es weder für mich noch für die anderen ein Weltuntergang, wenn drei oder vier Menschen einmal keine Zeit für mich haben: Es gibt ja noch mehr Leute in meinem Umfeld, die ich fragen kann.“

■  *Name geändert, Person der Redaktion bekannt

 

 

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen