Christliche Themen für jede Altersgruppe

Alles ganz anders - Impuls zur Predigt

Römer 11,32-36 (in Auszügen) O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

Alles ganz anders

Impuls für den Sonntag Trinitatis: Römer 11,32-36.

Von Matthias Treiber

Matthias Treiber ist Pfarrer an der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim. Foto: Privat

Es kommt ganz anders als gedacht und ist dann doch viel besser. Wäre die erste Liebe damals in jungen Jahren nicht zerbrochen, hätte ich nie meine Frau fürs Leben kennengelernt. Wäre meine Bewerbung damals erfolgreich gewesen, wäre ich wohl nie so glücklich im Beruf geworden wie jetzt. Und hätte mich nicht damals die Krankheit umgehauen und in eine schwere Krise gestürzt, wer weiß, ob ich so bewusst und gut leben würde wie heute. Ich denke, viele unter uns könnten solche Geschichten erzählen, in denen Krisen und ungewollte Kehren zu einem erfüllteren, bewussteren Leben geführt haben. So ergeht es auch Paulus, der eine radikale Wendung in seinem Leben erfahren hat, als er vom Verfolger der Christen zu deren erstem Theologen wurde.

Matthias Treiber ist Pfarrer an der Matthäuskirche in Heilbronn-Sontheim. Foto: PrivatIn seinem Brief an die Gemeinde in Rom müht er sich mit der Frage ab, wie das mit der Gnade Gottes ist. Was bleibt von der Erwählung Israels, da doch die Juden Christus ablehnen. Am Ende kommt er zu der Antwort: Alles bleibt. Israel bleibt das erwählte Volk, auch wenn die Christen das nicht verstehen. Gott ist größer als alles Denken. Alles ist ganz anders. Alles wird gut.

Das mag platt klingen, aber bei Gott ist es tiefer Ernst: Gott ist viel größer als alle Grübelei, und wenn wir ihn sehen könnten, würden wir über den Reichtum Gottes nur staunen können. Am Ende, im Blick zurück, werden wir ihn nur loben können für seine wunderbaren Wege und seine Weisheit. Gott ist barmherzig. Das Leben meint es besser mit uns, als wir es uns vorstellen können.

Entkleidet vom leidenschaftlichen Pathos ist das schwer zu glauben, wenn man mitten in Problemen steckt und weder ein noch aus weiß. Wie soll das jemand glauben, den Sorgen erdrücken und der im Moment überhaupt keine sinnvolle Zukunft sehen kann?

Trotzdem – oder gerade dann, wenn kein gutes Ziel zu sehen ist – bestehen die Sätze des Römerbriefs darauf, zu glauben, dass Gott auch diesen Weg mitgeht, und zu vertrauen, dass er einen an ein gutes Ende führt mitten durch alle Nöte und Krisen hindurch.

Gott sitzt mit einem auf dem Gang im Krankenhaus, wenn man bangt, ob die Operation gut verlaufen wird. Gott steht neben dem Bett, wenn man vor Traurigkeit nicht aufstehen mag. Er ist auch mit einem auf dem Weg zur Lehrerin, wenn man mit den Kindern nicht klarkommt und weiß, dass einem da unliebsame Wahrheiten eröffnet werden. Und er geht hinter einem, wenn sich der Gang durchs Büro wie Spießrutenlaufen anfühlt. Gott ist mit uns auf den leichten und auf allen schweren Wegen.

Gott ist barmherzig

So wie Gott zum Volk Israel hält, so hält Gott auch zu einem jeden von uns, egal wo man jetzt gerade steht, egal was einem schlaflose Nächte bereitet. Das zu glauben, heißt für mich zunächst, zu staunen über die Weisheit und Erkenntnis, die uns Gott nahebringt, und mich nicht durch Grübeln zu Verzweiflung führen zu lassen, sondern zu erkennen: In allem, was in meinem Leben war, war Gott schon längst dabei und hat den Weg geebnet, den ich gehe. So oft habe ich das schon erlebt, dass alles ganz anders gekommen ist, als ich es befürchtet hatte.

Manches ist viel besser geworden, als ich es je zu träumen gewagt hätte. „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott“, hat Dietrich Bonhoeffer geschrieben. Wie wahr!

 Klee. Blatt. Foto: unsplash/Shazaf ZafarFoto: unsplash/Shazaf Zafar

Gebet

Allmächtiger Gott, Um Deine Nähe bitte ich.

Um Vertrauen in Deine Barmherzigkeit.

Um Liebe als Schlüssel zum Leben.

Um Hoffnung, bei Dir am Ziel zu sein.

Amen!