Christliche Themen für jede Altersgruppe

Als die Barbaren sprechen lernten - Impuls zur Predigt

Römer 1,13-17 (in Auszügen) Griechen und Nichtgriechen, Weisen und Nichtweisen bin ich es schuldig; darum, soviel an mir liegt, bin ich willens, auch euch in Rom das Evangelium zu predigen. Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen; wie geschrieben steht: „Der Gerechte wird aus Glauben leben.“

Als die Barbaren sprechen lernten

Impuls für den 3. Sonntag nach Epiphanias: Römer 1,13-17.

Von Henrike Frey-Anthes

Die promovierte Theologin Henrike Frey- Anthes arbeitet als Predigtcoach sowie Gottesdienstberaterin und ist Pfarrerin in Schwäbisch Hall. Foto: privat

Ganz schön mutig von Paulus, sich unter die Barbaren zu begeben. Man weiß doch, wie die sind. Mit den Griechen mag es ja noch angehen. Aber die Barbaren? Die können ja noch nicht einmal richtig sprechen. „Bar-Bar“, das ist alles, was aus ihrem Mund kommt. Gerade darum will Paulus nach Rom, das ist er den Griechen und den Barbaren, den Weisen und den Unwissenden schuldig. Paulus will den Barbaren das Sprechen beibringen. Sie sollen reden lernen mit neuen Worten. Mit unverschämt guten Worten. Mit den Worten des Evangeliums.

Theologin Henrike Frey- Anthes arbeitet als Predigtcoach. Foto: privatPaulus hatte am eigenen Leib erfahren, dass diese Worte frei machen. Sie haben ihm neue Horizonte eröffnet. Sie haben ihm geholfen, alte Worte neu zu verstehen. Die ehrwürdigen Worte, durch die Gott zuallererst sein auserwähltes Volk das Reden gelehrt hat – das Singen sogar: Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Der Herr lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Das tut Paulus. Er ist als Botschafter des Heils unterwegs zu den Enden der Erde. Nach Rom. Zu den Griechen und den Barbaren, denen die richtigen Worte fehlen. Sie haben das Evangelium noch nicht für sich durchbuchstabiert. Sie müssen noch lernen, die guten Worte des Glaubens richtig auszusprechen. Es sind ja auch große Worte, die schwer auf der Zunge liegen. Komplizierte Worte wie „Heil“, „Rettung“, „Vergebung“, „Wunder“, „Gerechtigkeit“, „Treue“.

Neue Worte für die Heiden. Alte Worte für Paulus. Und weil Paulus ein Sprachkünstler ist, spielt er mit den alten Worten, um sie fruchtbar zu machen für die neuen Adressaten: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“. Die hebräische und die griechische Bibel setzen unterschiedliche Akzente, betonen das Vertrauen des Menschen zu Gott oder Gottes Treue zum Menschen. Paulus entscheidet sich für beides. Der Glaube entfaltet seine Kraft im Vertrauen. Im Vertrauen auf Gott erfahren wir Gottes Treue. Wer auf Gott vertraut, kann sich der Treue Gottes sicher sein. Der kann beginnen, darüber zu reden, was die großen Worte mit seinem kleinen Leben zu tun haben. In diesem Horizont buchstabieren wir vertrauensvoll unsere Glaubens-Worte durch unser Leben hindurch.

Anteil am heilsamen Raum

Das ist allerdings schwierig. Es ist eine bleibende Aufgabe für uns „Barbaren“. Egal ob in Stuttgart, Schwäbisch Hall oder auf der Schwäbischen Alb. Wir ringen um die richtigen Worte und gute Töne. Immer wieder buchstabieren wir neu durch, was es für uns heißt, zu vertrauen und zu vergeben. Von Wundern zu singen und neu anzufangen. Auf Gottes Treue zu zählen und zu glauben. Gott sei Dank – Paulus sei Dank – haben wir dafür alte Worte. Wir füllen sie neu und lassen sie durch unseren Mund lebendig werden. Wir schämen uns nicht dafür, sondern sagen sie frei heraus und ohne Blatt vor dem Mund. Wir singen und beten sie. So haben wir Anteil am heilsamen Raum der unverschämt guten Gottesworte. So stärken und trösten sie auch uns heute. Wundervoll.

Sonnenuntergang. Foto: Ina HochreutherFoto: Ina Hochreuther

 

Gebet

Gott, du bist treu.

Du schenkst uns Vertrauen.

So tust du Wunder.

So können wir glauben.

So dürfen wir hoffen.

So wollen wir lieben.

So sind wir lebendig durch dein Heil.

Amen.