Christliche Themen für jede Altersgruppe

Als Helferin im Ahrtal

Die Grafikerin Heidi Frank (39) aus Ludwigsburg war zweimal im Ahrtal, um zu helfen. Ein Einsatz mit viel Muskelkraft, Staub und Dreck. Die Eindrücke, die sie mitgebacht hat, sind tief: eine tolle Gemeinschaft unter den Helferinnen und Helfern und das Gefühl, christliche Nächstenliebe und Barmherzigkeit auf eine sehr konkrete Art weitergegeben zu haben.

Mit Schutzkleidung und Stemmhammer ging es ans Werk. Der Putz musste runter, damit alles trocknen kann.
Foto: privat


Man hätte mal wieder auch nur spenden können. Doch als Heidi Frank das Unglück der Menschen im Ahrtal sah, die Ausmaße der Flutkatastrophe, da wollte sie mehr. Auf der Social-Media-Plattform Instagram verfolgte sie die Aktivitäten der „Dachzeltnomaden“. Eine Gemeinschaft von Campern, die sich entschlossen hatte, im Ahrtal aktiv zu werden. Dazu gründeten sie unter dem Motto „Das Wir zählt!“ eine eigene Hilfsorganisation.

Ende August 2021 traf Heidi Frank im Ahrtal ein. Meldete sich im Camp und stieg am nächsten Morgen mit anderen Freiwilligen in einen Kleinbus. Mit schweren Stemmhämmern gingen sie an die Arbeit. Der Putz musste von den Wänden, damit die Mauern trocknen konnten. „Alles war nass und marode“, erinnert sich die 39-Jährige, „menschenleer und zerstört.“

Die Hilfe war erstaunlich gut organisiert. Werkzeug, Schutzanzüge, Verpflegung auf der Baustelle: Es fehlte an nichts. Und so gingen Menschen ans Werk, die mit Handarbeit in ihrem sonstigen Leben oft gar nichts zu tun hatten. Auch der Grafikerin Heidi Frank ging das so. Die Arbeit am Computer füllt ansonsten ihren Alltag aus, „es fehlt an körperlichem Ausgleich“, sagt sie. Den hatte sie nun in geballter Ladung. Eine schweißtreibende Tätigkeit inmitten von Lärm, Dreck und Sommerhitze. Es war ein bisschen wie damals auf dem Bauernhof bei den Eltern. „Zupacken konnte ich schon immer“, sagt sie, „aber das war nochmals etwas anderes.“

Dreckig, heiß und sehr laut

 

Das Tempo des Fortschritts war atemberaubend. Die Helferinnen und Helfer nahmen sich ein Haus nach dem anderen in Altenburg und Dernau vor. Die beiden Orte im mittleren Ahrtal hatte es besonders schwer getroffen, kaum ein Gebäude in der Uferzone war heil geblieben. Ein bisschen gespenstisch war es zuweilen, weil man fast keinen der Hausbesitzer mehr traf: „Wir wussten oft gar nicht, ob der Mensch, der hier gewohnt hatte, überhaupt noch lebt.“

So lernte Heidi Frank eine Gegend kennen, von der sie zuvor kaum jemals etwas gehört hatte. Sah, dass viele hier vom Weinbau lebten, so wie ihre Eltern zu Hause in Württemberg. Wie wäre das wohl, wenn am Neckar etwas Ähnliches passieren würde? Solche Gedanken bewegten sie in diesen Tagen.

Es war eine intensive Zeit. Die harte Arbeit und das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben. Die Dankbarkeit der Einheimischen, denen sie ab und an begegnete. Das große Gemeinschaftsgefühl im Camp der Helferinnen und Helfer: „Es war ein wenig wie damals im CVJM-Zeltlager“, erinnert sie sich.

Sie lernte Menschen völlig unterschiedlicher Herkunft kennen. Lehrer, Hausfrauen, Studenten, Christen und Nichtchristinnen, solche, die nur ein paar Tage kamen, und andere, die ihren Jahresurlaub opferten. „Es hat mich tief bewegt“, sagt sie, „hier habe ich christliche Barmherzigkeit erlebt und Nächstenliebe, ohne Hintergedanken.“ Zweimal war Heidi Frank als Helferin im Ahrtal, zwei Aufenthalte, die sie nicht missen möchte. Vielleicht kehrt sie irgendwann wieder zurück, um die Gegend noch besser kennenzulernen. Dem Edeka-Markt in Dernau hat sie schon mal in Aussicht gestellt, für die Wiedereröffnung seine Werbebroschüre kostenlos zu gestalten.

Die Dachzeltnomaden sowie viele andere Hilfsorganisationen arbeiten indes weiter. Auch wenn nicht mehr so viele Helfer wie anfangs benötigt werden, so sind Freiwillige auch heute noch willkommen. □

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