Christliche Themen für jede Altersgruppe

Amtssprache Schwäbisch

BÖNNINGHEIM-HOFEN (Dekanat Besigheim) – Einmal im Monat findet der offizielle Sonntagsgottesdienst in der Ottilienkirche im Ortsteil Hofen nachmittags statt. Pfarrer Martin Burger lädt dann zum so genannten „Schwätz auf dem Bänkle“. Bei dem „Hautnah“-Gottesdienst werden alltägliche Themen mit Glaubensfagen verbunden.


Bürgermeister Albrecht Dautel und Pfarrer Martin Burger beim "Schwatz auf dem Bänkle". (Foto: Julia Lutzeyer)

Die Ottilienkirche in Hofen ist mit ihren mittelalterlichen Fresken im Chorraum ein wahres Kleinod. Selbst von der letzten Reihe aus sind es nur wenige Schritte bis zum Altar. Da ist jeder Besucher nah dran. Doch einmal im Monat, wenn die Gemeinde vor dem Altar auf eine Gartenbank blickt, wird es noch ein wenig heimeliger. Das Möbel mit Decke über der Sitzfläche ist das Erkennungszeichen des Hautnah-Gottesdienstes „Schwätz auf dem Bänkle“. Dazu bittet Pfarrer Martin Burger nicht zur üblichen Gottesdienstzeit um 10.30 Uhr, sondern um 17 Uhr.

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Das Kirchlein ist gut gefüllt, selbst oben auf der Empore sind alle Plätze belegt. „Christen in Verantwortung“ heißt das Thema, zu dem Bönningheims Bürgermeister Albrecht Dautel als Gesprächspartner erschienen ist. Doch bevor der Schwätz beginnt, bezeugt der Pfarrer mit einer Handvoll Gemeindemitgliedern, was es bedeutet, „Verantwortung, im Kleinen wie im Großen zu übernehmen“. Schließlich wird der Gottesdienst von Instrumentalisten und Sprechern mitgestaltete, deren Texte und Lieder sich auf das zentrale Thema beziehen. Bei dem Song „Diese Stadt“ greift Pfarrer Burger, der viele Jahre Jugenddiakon war, selbst zur Gitarre.

Anschließend heißt Martin Burger seinen Gast auf Schwäbisch willkommen. Das sei schließlich die Amtssprache beim „Schwätz auf dem Bänkle“. Angesprochen auf seine ersten Erfahrungen mit Verantwortung antwortet Dautel: „Ich habe bei der evangelischen Jugendarbeit gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Da gab es Menschen, die mir früh etwas zugetraut und mich motiviert haben.“

Pfarrer Brauer erinnert das an Rolf Lehmann. Von dem ehemaligen Wirtschaftsbürgermeister von Stuttgart und Amtschef des Sozialministeriums stammt der Ausspruch: „Wer eine Jungschar leiten kann, kann auch ein Ministerium führen.“

„Ist man als Christ ein anderer Bürgermeister?“, will Martin Burger wissen. Das bezweifelt Dautel und ist doch froh darüber, dass er die letzte Verantwortung für sein Tun und Leben in Gottes Händen weiß. Auch Werte sind ihm wichtig. „Es darf nicht soweit kommen, dass man sich für ein christlich geprägtes Weltbild entschuldigen muss.“ Von der Kirche erwartet der Bürgermeister, dass sie bei gesellschaftspolitischen Fehlentwicklungen als Korrektiv auftritt, sich um Zusammenhalt bemüht.

In Anschluss an ein musikalisches Zwischenspiel spinnt Martin Burger das Thema Verantwortung in einem Impuls fort, plädiert fürs Einmischen und erinnert seine Zuhörerschaft daran, dass der Mensch Geschöpf und nicht Schöpfer sei. Verantwortung, so schließt er, brauche auch Demut.

Die Idee mit dem Bänkle trug Martin Burger schon eine ganze Weile mit sich herum, bevor er sie Ende 2017 erstmals verwirklichte. „Schon bevor ich Pfarrer wurde, erschien es mir reizvoll, auf einer Bank zwanglos mit Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Als Netzwerker rede er nun einmal gerne mit Menschen. „Als ich nach Hofen kam, schien mir die kleine Kirche dafür ideal.“ Mit Blick auf andere „Hautnah“-Konzepte für Gottesdienste lag es nah, den „Schwätz auf dem Bänkle“ unter diesem Namen einzuführen. „Der Kirchengemeinderat konnte sich mit diesem Format gleich anfreunden.“ Zumal der „Hautnah“-Gottesdienst am Nachmittag das gedrängte kirchliche Angebot am Sonntagmorgen zumindest einmal pro Monat etwas entzerrt.

Wer auf dem Bänkle, das sonst bei Martin Burger im Garten steht, Platz nimmt, entscheidet der Pfarrer: „Das Wichtigste ist, dass der Gast etwas zu erzählen hat.“ Gesprächspartner war schon die Präsidentin des Landesgesundheitsamtes; ein Realschul-Direktor war zum Thema Erziehung geladen. Im Schulterschluss mit der Diakonie ging es um Flüchtlinge. Ein anderes Mal sprach eine US-amerikanische Staatsanwältin, die einen Mord aus der Region auf amerikanischem Boden aufgeklärt hatte, über Gerechtigkeit.

Bei seinen „Hautnah“-Gottesdiensten trägt Martin Burger keinen Talar. Schließlich soll das Gespräch auf Augenhöhe stattfinden und von allgemeinen Themen zu Glaubensfragen führen. „Das Eis ist meist schnell gebrochen“, sagt Burger. In der Regel findet mit jedem Gast ein Vorgespräch statt. Burger betont: „Es soll ja kein Streitgespräch entstehen. Schließlich sind wir in einem Gottesdienst.“

Und was sagen die Besucher? „Eine tolle Sache“, meint eine Frau nach dem Schwätz zum Thema Verantwortung. „Wir haben einen guten Bürgermeister – und einen guten Pfarrer.“


Der nächste „Hautnah“-Gottesdienst findet am 27. Januar um 17 Uhr in der Ottilienkirche Hofen statt. Zu Gast ist Pfarrerin Sabine Löw.