Christliche Themen für jede Altersgruppe

An der Hoffnung festhalten - Impuls zur Predigt

Römer 5,1-5 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

 

An der Hoffnung festhalten

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Reminiszere: Römer 5,1-5(6-11).

Von Christof Messerschmidt ist Pfarrer in Lorch. (Foto: Privat)

Pfarrer Christof Messerschmidt, Lorch„Man muss doch hoffen!“ sagt ein Mann und blickt hoffnungslos vor sich hin. Er erzählt im Trauergespräch nach dem Tod seiner Frau von deren Krankheitsgeschichte. Er berichtet von der niederschlagenden Diagnose, von anstrengenden Untersuchungen, dem Wechsel von Krankenhausaufenthalten und den Zeiten zuhause, von einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Auf und ab und fast hätte es alle aus der Bahn geworfen. Dann wurde es nach der ersten Chemo besser. „Sie hat auch immer Hoffnung gehabt“ erzählt der Mann. „Bis zum letzten Tag“. Trotzdem ist seine Frau verstorben, gerade in einer Phase, als es ihr doch wieder besser ging. Sie hofften, wieder normal am Leben teilzunehmen und doch noch die Wanderung über die Schwäbische Alb zum Bodensee machen zu können, die sie schon geplant hatten. Sie hatten sich immer gewünscht, gemeinsam alt zu werden und zu sehen, wie die Enkel groß werden. Jetzt ist sie verstorben. Alle Hoffnung erloschen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ sagt der Volksmund. Der Satz soll vermutlich Hoffnung machen. Bis zum Schluss. Doch am Ende stirbt, wie alles und alle anderen auch, die Hoffnung. Was bleibt dann noch?

Hoffnung ist zwiespältig. Kritiker sagen, sie vertröstet. Sie gaukelt dem Menschen etwas vor, das nicht da ist. In hoffnungslosen Situationen versucht sie ihm etwas zu geben, was ihm auszuhalten hilft, was ihn zum Kämpfen ermutigt und hilft, Lebenswillen zu entwickeln. Aber am Ende stirbt sie und lässt ihn enttäuscht und leer zurück. Ihre Befürworter sagen – wie der Mann im Trauergespräch: „Wenn man nicht mehr hofft, dann ist eh alles vorbei“.

Was darf ich hoffen?

Aus und vorbei. Wenn die Hoffnung aus dem Leben weicht, dann verzweifeln Menschen und ihr Leben verändert sich grundlegend. Vielleicht bricht der Grund ja auch weg. Gerade angesichts des Todes eines geliebten Menschen, der zu früh gehen muss. Immanuel Kant hat vier Fragen an den Menschen gestellt, auf die er in seinem Leben Antworten sucht. Eine davon lautet: „Was darf ich hoffen?“

Was hoffe ich in einer Welt, die sich ständig verändert und in der doch manches über Jahrhunderte hinweg Kontinuität hat? Der Mensch bleibt immer wieder dem Menschen ein Wolf. Krieg und Gewalt verschwinden nicht aus der Gegenwart. Mit dem Schwinden der Hoffnung zieht bei vielen auch der Zweifel ein. „Wo bist du Gott? Bist du noch da?“

Was hoffe ich? An welcher Hoffnung halte ich mich fest auch gegen den Augenschein? Ich schaue auf Paulus und lerne von der Art und Weise, wie er hofft.

Paulus ist ein leidenschaftlich Hoffender. Er weiß Bescheid um das menschliche Dasein. Er kennt Bedrängnisse unterschiedlicher Art, hat einiges an körperlichen Schmerzen einstecken und auch viel Ablehnung erfahren müssen. Wenn er von Bedrängnissen redet, weiß er, von was er redet. Und wenn er behauptet, dass daraus Geduld und aus Geduld Bewährung und aus Bewährung Hoffnung entsteht, dann hat er das so in seinem Glaubensleben erlebt und will ermutigen. Geduld vergeht. Bewährung vergeht. Die Hoffnung aber vergeht nicht. Unsere christliche Hoffnung besteht. Die Hoffnung, von der Paulus redet, stirbt nicht. Sie gründet in Gott und verdankt sich seiner Liebe zu uns. Liebe, die sich darin zeigt, dass er sich selbst – in paulinischer Sprache ausgedrückt – in Bedrängnisse begibt und am eigenen Leib und der eigenen Seele all das erlebt, was einem die Hoffnung rauben kann und dem allem die Macht über uns nimmt. So wächst die Hoffnung, dass Gott auch in den Bedrängnissen da ist. Nicht immer zu spüren, schon gar nicht zu sehen. Aber eben doch da. Als Grund meines Lebens. Als Grund meiner Hoffnung. Die Hoffnung stirbt auch zuletzt nicht. Sie lebt.

Sonnenuntergang am Meer. Foto: Taylor Rogers/Unsplash

Sonnenuntergang am Meer. Foto: Taylor Rogers/Unsplash

 

Gebet

Auf dich hoffe ich, guter Gott.

An jedem Morgen neu.

Darauf, dass du da bist. In meinem Leben. In meinem Glück.

Auf dich hoffe ich, guter Gott.

An jedem Abend neu.

Darauf, dass du da bist. Die ganze Nacht über. In meiner Sorge.

Lass dein Licht leuchten.

Amen.



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