Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andere Wege gehen - Impuls zur Predigt

Hesekiel 18,1-4+21-24+30-32 (in Auszügen) Was habt ihr unter euch im Lande Israels für ein Sprichwort: „Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden“? So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Dies Sprichwort soll nicht mehr unter euch umgehen in Israel. Denn siehe, alle Menschen gehören mir; die Väter gehören mir so gut wie die Söhne; jeder, der sündigt, soll sterben.

Andere Wege gehen

Impuls für den 3. Sonntag nach Trinitatis: Hesekiel 18,1-4+21-24+30-32.

Von Charlotte Sander

Charlotte Sander ist Pfarrerin in Bodelshausen, Dekanat Tübingen. Foto: Privat

Mit dem Erben ist es so eine Sache. Manche erben viel, andere wenig – materiell betrachtet. Aber alle erben wir. Wir erben, was uns unsere Eltern mitgegeben, beigebracht, vorgelebt haben. Haben wir Liebe erlebt, Zuneigung und Wertschätzung erfahren als Kinder? Oder spürten wir emotionale Kälte, böse Worte, wurden gar gedemütigt? Was wir als Kinder erlebt haben, prägt unser ganzes Leben.

Charlotte Sander ist Pfarrerin in Bodelshausen, Dekanat Tübingen. Foto: PrivatAuch ein anderes Erbe ist uns mitgegeben, nämlich das, was unsere Väter und Mütter, unsere Ahnen gemacht und entschieden haben. Mit diesem politischen und kulturellen Erbe müssen wir uns ein Leben lang auseinandersetzen. Ich nenne nur Stichworte wie Kolonialismus, Nationalsozialismus oder Kernenergie. Was die Vorfahren getan oder gelassen haben, das prägt auch unser Leben.

Nun schreibt der Prophet Hesekiel folgendes: „Was habt ihr unter euch im Lande Israels für ein Sprichwort: ‚Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden?‘ So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Dies Sprichwort soll nicht mehr unter euch umgehen in Israel. Denn siehe, alle Menschen gehören mir; die Väter gehören mir so gut wie die Söhne; jeder, der sündigt, soll sterben.“ Ja wie jetzt? Ist das, was die Vorfahren getan haben, nicht mehr wichtig für uns? Gilt gar: „Jeder ist seines Glückes Schmied“? Nun, die Einflüsse, die wir bekommen haben, die bleiben. Daran lässt sich nicht rütteln. Aber was wir daraus machen, darauf kommt es an. Wer nie liebende Zuwendung erfahren hat, der muss erst lernen, sich liebevoll auf andere Menschen einzulassen. Das historische und kulturelle Erbe wird uns alle weiterhin prägen und auch wir fügen diesem Erbe Neues hinzu.

Hesekiel erinnert uns daran: Es ist kein stumpfes Schicksal, das unser Leben bestimmt. Gott sieht nicht nur auf das, was einer mitbringt, sondern vor allem auf das, was er aus seinen Möglichkeiten macht. „Darum will ich euch richten, ihr vom Hause Israel, einen jeden nach seinem Weg, spricht Gott der Herr“, heißt es im Vers 30. Nicht jeder ist seines Glückes Schmied, aber jeder ist verantwortlich dafür, was er aus seinen Möglichkeiten macht.

Kein stumpfes Schicksal

Es wäre ja furchtbar, wenn wir alle vorherbestimmt wären, egal ob durch unsere Gene oder durch unsere Erziehung. Bei aller Bürde, die wir manchmal ererbt durchs Leben schleppen müssen, liegt es doch an uns selbst, das Beste im Sinne von das Richtige oder auch das Gottgefällige daraus zu machen. „Macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist.“ Dazu ermuntert Gott durch den Propheten Hesekiel. Bleibt nicht in alten Mustern gefangen.

Für mich ist das eine Ermutigung, gerade auch in den Herausforderungen, die uns das Erbe der Ressourcen verschwendenden Zeit hinterlassen hat. Es muss nichts bleiben, wie es ist. Stumpfe Zähne bekommen wir dann, wenn wir selbst die sauren Trauben essen. Vieles kann sich ändern, ich kann mich ändern. Mutig, kreativ und fröhlich können wir die Aufgaben anpacken. Hin zu einer gerechteren, ökologischeren Zukunft. Gott zwingt uns nicht in alte Gleise, sondern ermutigt uns, neue Wege zu gehen.

Foto: Holger Schue, pixabay

Gebet

Schöpferischer, lebensspendender Geist!

Führe mich aus den eingefahrenen Gleisen und zeige mir neue Wege.

Schenke mir Weisheit dich zu erkennen und nach deinem Willen zu leben.

„All Deine Licht’ zünd in uns an,

lass’s uns an Gnad kein Mangel han.“