Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint … Am besten auswendig

Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblatts. Fotos: privat, Canva  

Ob wir nicht anders als bisher bestimmte Dinge einfach wieder auswendig lernen sollten? Diese Frage stellt sich mir, seitdem ich an Weihnachten ein ungutes Erlebnis hatte. Bei einem Heiligabendgottesdienst gab’s zum Schluss das Vaterunser und danach „O du fröhliche“. Nur hat kaum jemand mitgebetet oder mitgesungen. Offensichtlich haben die meisten weder das eine noch das andere gekannt.

Verbindende Dinge

Später habe ich noch einmal über den Gottesdienst nachgedacht. Meine Irritation war nach wie vor groß. Wird denn heutzutage gar nichts mehr auswendig gelernt? Zuhause nicht und nicht in der Schule oder im Konfirmandenunterricht? Dabei liegt es auf der Hand, dass es auch in der Kirche bestimmter Dinge bedarf, die die Gemeinde untereinander verbinden. „O du fröhliche“, das Vaterunser, vielleicht auch „Stille Nacht“ oder das Glaubensbekenntnis könnten solche Dinge sein.

Beklagen wir nicht immer wieder den Niedergang unseres christlichen Abendlandes? Das Abendland, mit Verlaub, ist selber schuld. Wenn viele Christen nicht einmal mehr rudimentäres Wissen mitbringen und schon beim Vaterunser oder „O du fröhliche“ passen müssen, wie will man da gegen andere Religionen bestehen?

Gefährdete Existenz

Zurück zum Auswendiglernen: Meine Mutter kannte viele Gedichte von Ludwig Uhland auswendig und hat mit „Die Schlacht bei Reutlingen“ oder „Die Kapelle“ manch langweilige Sonntagswanderung erträglich gemacht! Und eine Kollegin von mir rezitiert gerne und wenn’s sein muss auch zur Weihnachtszeit den „Osterspaziergang“ von Johann Wolfgang von Goethe. Darum soll’s hier aber nicht gehen. Und auch nicht um meine Befindlichkeit, was einen Gottesdienst an Heiligabend anbelangt. Das dagegen will gesagt sein: Eine Kirche, die kein gemeinsames Fundament mehr hat, ist existenzgefährdet. Ohne Vaterunser & Co. geht es nicht, und das am besten auswendig!

PS: Engländern und Amerikanern fällt das Memorieren möglicherweise leichter. Bei ihnen heißt das Auswendiglernen „To learn by heart“, also mit dem Herzen lernen. Ein schöner Begriff.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?