Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint … Der Volkstrauertag darf nicht sterben

Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblatts. Fotos: privat, Canva  

Ich trage den Krieg mitsamt seinen Schrecken sozusagen in meinem Mittelnamen: Andreas Hermann Koch – Hermann zur Erinnerung an jenen Urgroßonkel, der im Ersten Weltkrieg getötet worden ist. Ein an mich vererbtes „Gedenkbuch an unsere gefallenen Helden“ drückt’s patriotischer aus: Hermann Koch habe, heißt es da, „den Tod fürs Vaterland erlitten“. Ganz nüchtern liest sich dagegen die Vermisstenanzeige in einer Zeitung vom Spätherbst 1914: „Ersatzreservist Hermann Koch. Seit 20. Oktober keine Nachricht. Wurde am 22. Oktober bei Becelaere zuletzt gesehen. Mitteilungen erbeten an die Eltern Albert Koch, Bäcker, in Metzingen.

Der Krieg ist zurückgekehrt

Ich trage den Krieg sozusagen in meinem Mittelnamen und unter anderem deshalb nehme ich jedes Jahr an einer Gedenkfeier zum Volkstrauertag teil. Aber es werden immer weniger, die da auf den Friedhof gehen, um die Ansprache des Oberbürgermeisters zu hören, das Niederlegen der Kränze zu sehen und die Melodie „Ich hatt‘ einen Kameraden“ zu hören. Was Wunder: Die beiden großen Kriege liegen weit zurück, direkt Betroffene gibt es so gut wie keine mehr, und bis vor kurzem war der Krieg an sich aus unserer Vorstellungswelt gestrichen!

Und dieses Jahr? Wenn wieder zu Volkstrauertagfeiern eingeladen wird, ist vieles anders: Der Krieg ist zurückgekehrt, der Frieden keine Selbstverständlichkeit mehr. Deshalb tun wir gut daran, darüber nachzudenken, was wir für eben diesen Frieden und gegen den Krieg tun können. Die Feiern zum Volkstrauertag bieten dazu die Gelegenheit. Wir sollten sie nutzen. Denn wie heißt es beim Kirchenvater Augustin so schön: „Der Friede ist das Gold des Lebens.“

Der Volkstrauertag braucht neues Leben

Apropos Volkstrauertag: Es gibt Feiertage, die gibt’s nicht mehr. Es gibt Feiertage, die bleiben. Und es gibt Feiertage, denen man neues Leben einhauchen muss. Der Volkstrauertag ist so ein Feiertag, und das nicht nur für jemand wie mich, der den Krieg sozusagen in seinem Mittelnamen trägt. Der Volkstrauertag darf nicht sterben – gerade jetzt.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?