Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint ... Ein Brückenbauer und besorgter Hirte

Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblatts. Foto: privat, Canva

Mit Frank Otfried July habe ich studiert. Aber bei meiner Lieblingsbeschäftigung sind wir uns nie begegnet: Statt im Garten des Tübinger Stifts Fußball zu spielen, hat er sich seinen Büchern gewidmet. So wird man Landesbischof.

Geistlich und basisnah

Spaß beiseite! Wichtig sind mir zu Frank Otfried Julys Verabschiedung in den Ruhestand zwei andere Dinge. Zum einen hat es zwischen uns immer mal wieder Berührungspunkte gegeben. Vor allem durfte ich ihn beim Schreiben von Bischofsbotschaften unterstützen. Der Radiomacher aus dem Evangelischen Medienhaus hier und der Landesbischof im Oberkirchenrat da: Zu manch sprachlicher Schärfung hat er Ja gesagt. Aber eins war nie verhandelbar: der theologische Gehalt. Das nämlich ist July aus Überzeugung gewesen: ein geistlicher Landesbischof. Zum andern war July basisnah. Dabei haben Diakonie, weltweite Christenheit und Ökumene für ihn ebenfalls eine zentrale Rolle gespielt. Aber vor Ort hat sich Frank Otfried July, glaube ich, am wohlsten gefühlt – vor Ort in den Gemeinden und ihren Gottesdiensten.

Guter Landesbischof

Was bleibt sonst in Erinnerung? Sein „Bündnis für Flüchtlinge“, das er mit Ministerpräsident Kretschmann auf den Weg gebracht hat. Der Fußballsong „You’ll Never Walk Alone“ als Illustration von Pfingsten: Der Heilige Geist ist immer an unserer Seite. Und Julys beharrliches Eintreten für einen Kompromiss in Sachen Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Da hätte ich mir freilich auch einen entschlosseneren Bischof vorstellen können. Aber auf den Tisch hauen war seine Sache nicht. Er war lieber – und das erfolgreich – Brückenbauer, also „Pontifex“.

Ein Herzenswunsch von mir ist in seiner Amtszeit leider unerfüllt geblieben: eine Kapelle für das Stuttgarter Stadion. Nun denn, es gibt Wichtigeres! Zum Beispiel dieses Fazit hier: Frank Otfried July ist ein guter Landesbischof gewesen – nicht allgegenwärtig und auch kein Medienstar, wohl aber ein besorgter Hirte seiner Schafe. Die Latte für seinen Nachfolger liegt durchaus hoch.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?