Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint ... Hohe Synode, adieu!

Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Warum wird eigentlich unser evangelisch-württembergisches Kirchenparlament bei seinen Sitzungen mit „Hohe Synode“ angeredet? Die Frage habe ich mir schon oft gestellt. Immer regt sich dabei auch ein Stück klassenkämpferische Leidenschaft in mir. Was Wunder! Schließlich wirkt besagte Anrede wie ein Relikt aus jenen Tagen, als Titel ausschlaggebend für den Platz eines Menschen in der Gesellschaft waren.

Aber gewiss müssen wir hier nicht auf die Barrikaden klettern, die rote Fahne hissen oder „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ anstimmen, um etwas zu ändern. Trotzdem: Warum lässt sich unser Kirchenparlament mit „Hohe Synode“ ansprechen und nicht bescheiden zum Beispiel mit „Liebe Schwestern und Brüder“?

Nichts Verlässliches zu erfahren

Es ist unmöglich, Verlässliches über die „Hohe Synode“ zu erfahren: Seit wann gibt es diese Bezeichnung? Weshalb hat man sie eingeführt? Was genau soll sie bedeuten? Und warum wurde sie nicht wieder abgeschafft? Die Nachforschung verläuft im Sand.

Da bleibt mir nur meine eigene Meinung, und die vertrete ich ungeschützt: hohe Synode, adieu! Diese Anrede passt nicht in unsere Zeit. Und sie zeichnet ein verzerrtes Bild von Kirche. Schließlich zählt in ihr gerade nicht Hoch und Niedrig oder Oben und Unten, sondern vor Gott sind wir alle gleich. Das gilt auch für die Synode und ihre Mitglieder. Respekt vor ihrer Arbeit, ja! Aber hoch, höher, am höchsten, nein! Man stellt sich doch nicht selbst auf ein Podest.

Im Zeitalter der Gleichheit ankommen

Übrigens: Die „Hohe Synode“ ist keine württembergische Besonderheit. Auch in anderen Landeskirchen ist man wenig demütig und verwendet diese Bezeichnung. Warum ich das gerade jetzt anspreche? Weil bis zur nächsten „Hohen Synode“ im Herbst genügend Zeit wäre, das „Hohe“ in Frage zu stellen. Damit wir auch als Evangelische Landeskirche endgültig im Zeitalter der Gleichheit ankommen – und das ohne Barrikadensturm, rote Fahne und „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“.

Plakativ ausgedrückt: nieder mit dem Hohen! Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?