Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint ... Kein Sommer wie jeder andere


Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblatts. Foto: privat, Canva

Auf meinem Schreibtisch liegen Einladungen. Ich habe sie in meiner Eigenschaft als Stadtrat bekommen. Allein an diesem Samstag und Sonntag gibt es viele Veranstaltungen, die ich besuchen könnte: Jubiläen, Konzerte, Sommer- und Gemeindefeste. Auch die folgenden Wochenenden werden nicht langweilig. Im Gegenteil: Jetzt vor den Schulferien hat das Feiern Hochkonjunktur – nach zwei Jahren Corona sowie.

Feiern trotz Pandemie und Krieg?

Aber ehrlich gesagt fühle ich mich bei dem allem nicht wohl. Zum einen ist die Pandemie keineswegs vorbei. Zum andern herrscht nach wie vor Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Krieg bedeutet Zerstörung, Angst, Leid, Trauer, Flucht, Verwundung, Tod. Kann man da ungezwungen feiern, zumal jetzt, wo im Winter eine Gas- und Wirtschaftskrise droht?

Nein, ich will niemand die Freude am Feiern verderben! Umgekehrt kann ich aber auch nicht so tun, als ob es diesen Krieg nicht gäbe. Ohnehin irritiert mich, wie schnell wir uns an ihn gewöhnt und geglaubt haben, er bliebe für uns folgenlos. Dabei hat noch vor kurzem eine Zeitung gefragt: „Greift Putin jetzt auch Deutschland an?“ Allein dass diese Frage gestellt wurde, zeigt: Dies ist kein Sommer wie jeder andere. Und jetzt greift Putin Deutschland ja tatsächlich an – Stichwort Gas.

Das eine tun, das andere nicht lassen!

Ich bin neugierig: Was sagt die Bibel dazu? „Lachen hat seine Zeit“, heißt es da, „und weinen hat seine Zeit.“ (Prediger 3,4) Ein bekanntes Wort, bei dem mir zum ersten Mal auffällt: Davon, dass die Zeit des Lachens – Feste und so – und die Zeit des Weinens – Krieg et cetera – sich nicht auch überschneiden dürften, ist nirgends die Rede. Nehmen wir also Einladungen wie die meinen in diesen Tagen und Wochen guten Gewissens an! Aber vergessen wir auch das andere nicht: dass nicht weit von uns entfernt ein brutaler Krieg tobt und wir alles dafür tun müssen, ihm rasch ein Ende zu bereiten! Dass wir dann auch wieder unbeschwert feiern können, ist dabei freilich nicht das Wichtigste. Es geht in erster Linie um Menschen.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?