Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint ... Nicht jeder Rasen ist heilig

Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Es ist die Gnade des Kalenders, derentwegen ich hier und heute über Fußball schreiben darf. Schließlich beginnt in diesen Tagen die Europameisterschaft. An ihr kommt auch eine Kirchenzeitung nicht vorbei. Für mich ist das ein Geschenk des Himmels. Denn immer wieder gern meint Andreas Koch etwas zu dem, was Bischof Wolfgang Huber einmal „ein starkes Stück Leben“ genannt hat: Fußball.

Es geht raus auf den Heiligen Rasen. Und siehe da: Das Tor ist sperrangelweit offen für eine EM, die es so intensiv europäisch noch nie gegeben hat – 24 Teams und aktuell 11 Austragungsorte in 10 verschiedenen Ländern, darunter München für Deutschland. Europaherz, was begehrst du mehr!

Um Baku einen Bogen machen

Und doch ist nicht jeder Rasen heilig. Denn eines der 10 Gastgeberländer heißt Aserbaidschan. Seit Jahrzehnten wird es vom korrupten Familienclan des Präsidenten regiert. Was Wunder, dass das Land auf dem Demokratieindex in akuter Abstiegsgefahr schwebt – Platz 157 unter 176 Nationen! Ein Fußball, dem Meinungsfreiheit und andere Menschenrechte wirklich wichtig sind, sollte um Baku einen Bogen machen. Und was ist mit Russland? 10 Länder, 11 Städte: Im Grundsatz eine klasse Idee, aber den politisch-moralischen Stresstest besteht sie nicht.

Die Doppelsechs umdribbeln

Freuen wir uns trotzdem auf die EM! Und deshalb – ein bisschen Jargon muss sein – aus der Tiefe des Raums kommend ab durch die Mitte, die Doppelsechs umdribbelt und die falsche Neun in den Strafraum geschickt: Tooor! Denn eins will ich trotz aller Bedenken nicht sein: ein Spielverderber. Sonst kriege ich am Ende noch die gelbe Karte in Leserbriefen oder Facebook-Kommentaren.

„Das war europäische Weltklasse!“ Dieses schräge Bonmot hat Felix Magath, der alte Trainerfuchs, in anderem Zusammenhang geprägt. Vielleicht lässt sich das ja nach dem letzten Schlusspfiff auch von der Fußball-EM 2021 oder sogar von der deutschen Nationalmannschaft sagen: „europäische Weltklasse!“ Einen Fußballgott wollen wir zu diesem Zweck aber nicht bemühen.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?