Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint ... Unsere Kirche wird nicht sterben

Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Wieder einmal wird die Kirche zu Grabe getragen. Aber ist sie tatsächlich tot? Der Kolumnist Heribert Prantl – wenn ich doch auch nur so schreiben könnte! – redet von den „letzten Tagen der Volkskirche“. Das meint etwas anderes.

Aber sonst: tot, halbtot, an einem toten Punkt angelangt – Traueranzeigen für die Kirche gibt es zuhauf in diesen Tagen. Und wer hat Schuld an Siechtum und Sterben? Der Vatikan, Kardinal Woelki, unaufgeklärte Missbrauchsfälle, der Zölibat. Aber auch uns Evangelische trifft die Austrittswelle: Nicht alle haben ein Herz für gleichgeschlechtliche Paare, für Flüchtlinge, für politisch predigende Pfarrer.

Eine Welt ohne Kirche ist nicht besser

Ich höre den medialen Trauermarsch und wundere mich, dass er so lustvoll klingt. Als ob eine Welt ohne Kirche besser wäre! Das Gegenteil ist der Fall. Vor Jahren durfte ich an einem Film über das kirchliche Leben in Esslingen mitwirken. Dabei haben wir alle kirchlichen Gebäude, auch Kindergärten et cetera aus dem Stadtbild wegretuschiert: Es war nicht mehr unsere Stadt. Von dem Leben ganz zu schweigen, das mit diesen Gebäuden verbunden und verschwunden war.

Nein, eine Welt ohne Kirche möchte ich mir nicht vorstellen! Deshalb kämpfe ich um sie. Natürlich muss sie sich ändern, sich der Zeit und den Gegebenheiten anpassen. Dazu braucht es aber keine Sterbebegleitung, sondern Lebenshilfe. Wie die aussehen kann? Ich für mich gehe immer mal wieder rüber in unsere Stadtkirche, setze mich in eine Bank, falte die Hände und bete für die Meinen. Dazu gehört auch meine Kirche.

Die Kirche steht vor einer großen Herausforderung

Die Kirche ist nicht tot. Aber auf sie wartet eine große Herausforderung. Noch einmal Heribert Prantl: „Die Kirchen stehen vor einer anstrengenden Aufgabe: Sie müssen lernen, dass das Ende der Volkskirche nicht das Ende der Kirche ist. Gut wäre es, wenn dieses Lernen ein ökumenisches Lernen wäre. Das könnte dann vielleicht der Anfang vom Ende der fünfhundertjährigen Spaltung sein.“

Nein, unsere Kirche wird nicht sterben! Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?