Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint … Wir können alles. Außer verständlich?

 Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva/Hanno Gutmann, EPD-Bild

Bei einer Tagung geht es um das Thema Kirche und Kommunikation. Und darum, dass von der Kirche während Corona so wenig Klares zu hören sei. Intensiv werden unter anderem Begriffe wie „Konnektivität“ oder „Inseln des Analogen“ diskutiert. Ob’s weiterhilft? Mir fällt dazu spontan eines ein: Wir können alles. Außer verständlich.

Kommunikation braucht Klarheit

Dabei haben gerade wir Protestanten mit Martin Luther einen Kirchenvater, der weiß, wie Kommunikation funktioniert: „Wir müssen dem Volk aufs Maul schauen.“ (Sendbrief vom Dolmetschen) Und auch der Herr unserer Kirche selbst, Jesus, ist ein Meister der Klarheit: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ (Matthäus 5,37)

Apropos Klarheit, wenn auch in anderem Zusammenhang: Mein Kirchengemeindemitglied Max war kein Experte. Von Kommunikation hatte er trotzdem eine Ahnung. Jedenfalls hat er mich gleich beim ersten gemeinsamen Fußballspiel geduzt: „Ich kann doch nicht sagen: ‚Herr Pfarrer, Sie spielen Mist!‘“ Verständlicher geht’s nimmer. Ein Maul des Volkes halt.

Sprache muss verständlich sein

Doch worauf will ich eigentlich hinaus? Kirche lebt von Kommunikation, also Verständigung. Kommunikation aber ist Sprache, und Sprache muss verständlich sein. Kanzeldeutsch, nein danke! Kirchensprech, bitte nicht! Fachjargon, adieu! „Konnektivität“ und „Inseln des Analogen“, ab in die Tonne! Dem Verstehen steht sowas nur im Weg. „Nichts ist gut in Afghanistan“ (Margot Käßmann) – solche Sätze dagegen sitzen.

Wir können alles. Außer verständlich? Eine Kirche, die sich dieser Frage nicht stellt, spricht ihr eigenes Todesurteil. Vor allem eine Kirche des Worts, wie es die evangelische Kirche nun mal ist. Und also gilt es, sich in Sachen Kommunikation auf Jesus zu besinnen, auf Martin Luther oder gerne auch auf den russischen Schriftsteller Leo Tolstoi. Der bringt es auf den Punkt: „Je verständlicher, desto besser.“ Desto besser für die Kirche und vor allem für uns.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?