Christliche Themen für jede Altersgruppe

Andreas Koch meint ... Wumms ist zu wenig

Andreas Koch, Kolumnist des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva


„Hau den Lukas“ heißt auf der Kirmes die Kraftprobe für Kraftprotze. Und im Fernsehen? Wird das Ganze „Talkshow“ genannt. Unterm Strich läuft’s auf dasselbe hinaus: Hier wie da wird mit Wumms zugeschlagen. Dabei trifft es im televisionären Abendprogramm derzeit vor allem Politikerinnen und Politiker. „Hau den Laschet“: Muss das sein? Wobei es hier auch Baerbock heißen könnte.

„Hau den Lukas“ mit Heiligenschein

Im Grunde sind sie ja selber schuld: Zu sehr haben unsere Politiker es sich angewöhnt, ewig zu reden, ohne etwas zu sagen. Wenn die Anne Wills dieser Welt nun zur Gegenattacke blasen, ist ihnen der Dank der Zuschauer gewiss. Aber Inquisition statt Diskussion? Da wird ein Kanzlerkandidat in die Mangel genommen, gegrillt und abgekocht. Man unterbricht ihn, lässt ihn keinen Gedanken ausführen, verdreht seine Antworten ins Gegenteil und lässt die übrigen Gesprächsteilnehmer in wilder Jagd auf ihn los, bis ihm Hören und Sehen vergehen. Und weil das für ein K. o. immer noch nicht reicht, steigt „Fridays for Future“ in die Bütt: „Hau den Lukas“ mit Heiligenschein. Zugegeben alles ein bisschen zugespitzt, aber aus Erfahrung wahr.

Übrig bleiben die Machotypen

Ist das die Art von Diskussion, die unsere Demokratie braucht? Ich sage nein. Denn wenn das so weitergeht, bleiben nur einige wenige übrig, die solchen Verhören gewachsen sind: ein Lindner und ein Merz und ein Schröder und ein Söder, alles Machos übrigens, die’s zwar draufhaben, aber denen man dennoch mit einer gewissen Skepsis begegnet.

Und darum bin ich gegen das „Hau den Lukas“ als Diskussionsprinzip. Wie wär’s stattdessen auch hier mit der „Goldenen Regel“, die aus der Bibel abgeleitet ist: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“? Wie derzeit abends im Fernsehen sollte es jedenfalls nicht bleiben: Wir brauchen wieder mehr Gesprächskultur. Wumms ist zu wenig. Hat einer mal den Mut, aufzustehen und zu gehen?

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?