Christliche Themen für jede Altersgruppe

Anregende Tafelrunden - Gemeinschaft fördern

TÜBINGEN – Die Idee hat Ursula Bühmann aus den USA übernommen: Viermal im Jahr organisiert sie in ihrer Gemeinde ein Abendessen, bei dem Gäste und Gastgeber sich oft gar nicht kennen. Wer zusammen an der Jakobustafel sitzt, ist immer wieder eine Überraschung.

Bei einem feinen Aperitif und einer guten Suppe kommt man ins Gespräch ‒ auch wenn man sich gar nicht kennt. (Fotos: Wolfgang Albers)

Der Tisch ist gedeckt, der Salat angemacht und umgerührt, die Gemüsesuppe gekocht. Es ist Samstagabend, und die Tübingerin Ursula Bühmann erwartet Gäste. Soweit ist alles in dem Rahmen, der vermutlich so oder ähnlich in vielen anderen Häusern abläuft. Eines allerdings dürfte nur bei den wenigsten Abendeinladungen so sein wie bei ihr: Ursula Bühmann kennt ihre Gäste nicht.

Später am Abend, das sei jetzt mal vorweggenommen, unterhält die ganze Runde sich angeregt, auch über das Thema „Ankommen im Schwabenland“. Eine Frau ist von Hamburg hierher gezogen und hat sich anfangs sehr schwer getan, Kontakte zu knüpfen. Und fremde Leute lädt man schon gar nicht so einfach in seine Wohnung ein. Dass das jetzt bei Ursula Bühmann ganz anders ist, liegt an einer ihrer Freundinnen. Sie lebt in Amerika, in Seattle. Mit dieser Freundin telefonierte Ursula Bühmann einmal, und die erzählte beiläufig von einem „Circle Supper“, das sie vorbereitete.

 

 

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Die Idee dazu ist in ihrer Freikirche, der „Westside Unitarian Universalist Congregation“, aufgekommen: Gastgeber stellen sich und ihre Wohnung für ein Abendessen zur Verfügung. Die Einladung dazu geht an die ganze Gemeinde, pro Gastgeber kommen dann sechs bis zehn Gäste.

Leckeres Essen, anregende Unterhaltung, schöne Gemeinschaft

Das meiste stellt der Gastgeber auf den Tisch, aber die Gäste sollen auch etwas mitbringen, das Dessert zum Beispiel. „Die Unterhaltungen sind anregend, neue Freundschaften werden geschlossen, alte vertieft“, heißt es im Einladungsschreiben aus Seattle: „Und natürlich: Das Essen ist lecker.“ Tolle Idee, fand Ursula Bühmann. Sie gehört zur Tübinger Jakobusgemeinde und dachte: Wäre doch auch was für uns.

Oft sterben ja gute Ideen wieder schnell. Was jetzt half: Die Jakobusgemeinde ist bekannt für kreative und innovative Projekte, die gar nicht lange über den Dienstweg laufen müssen. So besprach sich Ursula Bühmann mit Dorothee Schäfer, ebenfalls in der Gemeinde – und die hatte Lust, mitzumachen. Kirchengemeinderätin ist Dorothee Schäfer auch, sie stellte das Vorhaben im Gremium vor, dort wünschte man viel Erfolg, und schon konnte es losgehen.

Circle Supper - Gemeinschaft in fröhlicher Runde

Das war Anfang 2018. Die beiden haben das „Circle Supper“ zur „Jakobus Tafelrunde“ modifiziert. So haben sie den Rhythmus entzerrt: Treffen sich die Leute in Seattle monatlich, so tun das die Tübinger vier Mal im Jahr. Und auch die Gruppengröße ist leicht gesenkt, mehr als sechs Gäste werden selten eingeladen.

Gleich geblieben ist: Jeder kann sich anmelden – und dabei angeben, ob sie oder er lieber Gast oder Gastgeber sein will (oder flexibel für jede Rolle ist). Ursula Bühmann und Dorothee Schäfer tüfteln dann die Runden aus. Gastgeber finden sich immer genügend. Die beiden versuchen dann, die Gäste gut zu mischen – also etwa die Männer, die sich tendenziell etwas weniger anmelden, zu verteilen, oder darauf zu achten, dass nicht immer die am gleichen Tisch beieinander sitzen, die sich sowieso schon kennen.

Sieben Tafelrunden haben die beiden schon organisiert. Schon bei der ersten haben 25 Menschen mitgemacht, und inzwischen sind es insgesamt 80 Personen gewesen. Die Meisten sind zwischen Mitte 30 und 60 Jahre alt, aber auch Studenten waren schon dabei. Klar, es kamen auch Gäste, die sowieso aktiv in der Gemeinde sind, genauso aber Leute, die man sonst nicht sieht – und die so ein bisschen an die Gemeinde herangeführt werden.

Gemeinschaft fördern

Denn darum geht es letztlich. „Neudeutsch würde man das community building nennen“, sagt Ursula Bühmann. Dieses Bauen an einer Gemeinschaft hat zum Beispiel zur Folge, dass sie jetzt im Gottesdienst ein Gesicht sieht, das ihr durch die Jakobustafel bekannt ist. Dann grüßt es sich leichter, oder man beginnt eher ein Gespräch: „Man hat jetzt Anknüpfungspunkte.“ Das ist auch die Erfahrung von Dorothee Schäfer: „Es hilft schon, die Grenzen innerhalb der Gemeinde zu sprengen. Neue können leichter andocken.“ Und ja, interessante Abende mit einem großen Themenmix waren es auch immer, sagt Ursula Bühmann: „Es gab noch keinen Abend, an dem ich dachte, das ist jetzt der Oberflop, und ich bin froh, wenn alle wieder weg sind.“

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