Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ans andere Ende der Welt - Ärztin in Bolivien

Caroline Sölle de Hilari genießt es, in Bolivien zu leben. Vor über 30 Jahren siedelte die Deutsche um nach Südamerika. Gekommen ist sie, um in einem der ärmsten Länder der Welt zu helfen. Bereut hat sie das nie. Mittlerweile fühlt sie sich eher in Deutschland wie eine Fremde.

Von La Paz in die Welt: Caroline Sölle de Hilari bei einem Arbeitseinsatz in Bangladesh mit freiwilligen Ernährungsberaterinnen. Foto: Privat

„Ich bin gerne im chaotischen Entwicklungsland, wo es jeden Tag Fortschritt, Rückschritt und Entwicklung gibt“, antwortet Caroline Sölle de Hilari per E-Mail auf die Frage, was ihr denn an Bolivien gefällt. Sie genieße es, dass man sich ohne viel Geld Kleidung maßschneidern lassen könne. „Und ich bin dankbar für die Integration, die die Menschen mir hier bieten. Ich kann mich integrieren, so weit ich möchte. Mir wird hier nichts aufgezwungen.“ Das klingt so, als wäre sie erst vor kurzem nach Bolivien gezogen.

Doch tatsächlich ist die 58-Jährige bereits seit 1987 in dem südamerikanischen Land – der Liebe wegen. Als Caroline in Bochum studierte, lebte sie in einem ökumenischen Wohnheim. Dort waren auch ausländische Studenten untergebracht, unter anderem Manuel aus Bolivien. Aus Manuel und Caroline wurde ein Paar. Als beide mit dem Studium fertig waren, sei das Stellenangebot für Ärzte gering gewesen, schreibt Caroline Sölle de Hilari. Ihr Mann habe ohnehin in seine Heimat zurückgewollt, und so packte Caroline die Gelegenheit beim Schopf und absolvierte ihr Praxisjahr in Bolivien.

Ärztin Sölle de Hilari schrieb Pubertätsbücher in Bolivien

Sölle de Hilari praktizierte als Ärztin, brachte Pubertätsbücher heraus, die Jugendlichen erklären, was in dieser Zeit mit ihrem Körper passiert. Sie engagierte sich in der deutschsprachigen evangelischen Kirche in La Paz. Inzwischen ist sie, weil sie nach bolivianischem Recht bereits pensioniert ist, in Teilzeit mit 20 Prozent in der internationalen humanitären Entwicklungshilfe im Gesundheitsbereich beschäftigt und betreut Projektanträge, auf Englisch, Französisch und natürlich auf Spanisch, denn letzteres ist in Bolivien Amtssprache. Immer wieder ist sie für diese Arbeit auf Reisen. Zuletzt in Guatemala, Venezuela und in Niger.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Den Beruf Ärztin hat sie vor vielen Jahren ergriffen, um zu helfen. Dass Hilfe ganz unterschiedlich aussehen kann, zeigt sich an ihren unterschiedlichen Tätigkeiten. Und es erfüllt sie mit großer Zufriedenheit, ihren Beitrag leisten zu können, damit es anderen Menschen besser geht.

Ärztin, Prädikantin, Referentin...

Zwei weitere Jobs übt Caroline Sölle de Hilari ehrenamtlich aus: So ist sie einmal pro Woche an einer Klinik und gibt dort Sprechstunden in Allgemeinmedizin. Außerdem gibt sie Kurse für Frauengruppen in der Kirche. Dort spricht sie über die Bibel, aber auch über die Rechte von Frauen. „Das macht mir viel Freude“, schreibt sie. In ihrer deutschsprachigen evangelisch-lutherischen Kirche fühlt sie sich wohl, dort ist sie Prädikantin und auch Vorstandsmitglied.

Hat sie nach all den Jahren nicht auch einmal Sehnsucht nach Deutschland? Nein. Sie sei gerne einmal im Jahr oder auch nur alle zwei Jahre im Urlaub in ihrer alten Heimat. Aber sie könne es sich nicht so wirklich vorstellen, wieder dort zu leben. Dennoch, es gibt Dinge, die sie in ihrer Wahlheimat vermisst. Schwarzbrot zum Beispiel. Das kommt als Erstes als Antwort – und sie schreibt das Wort gleich dreimal hintereinander auf. Fast meint man, sie lachen zu hören, während man ihre Sätze liest. Manchmal backe sie selbst Schwarzbrot, aber an das Original komme das einfach nicht heran.

Die Hobbymusikerin singt in einem Kammerchor, der letztes Weihnachten „zum Glück nach drei Jahren Pause wieder ein Konzert gegeben hat“. Zudem spielt Caroline gern Klavier, auch wenn das, wie sie selbst meint, inzwischen ziemlich holprig klinge. Gerade, weil sie die Musik so liebt, vermisst sie in der Weihnachts- oder Passionszeit Aufführungen von Weihnachtsoratorien und Matthäus- beziehungsweise Johannespassion.
                                                                                                                 Bolivien - Zeichung: unbekannt

„Hier in La Paz gibt es das nie“, schreibt Sölle de Hilari. Dass sie das Leben in Bolivien trotzdem nicht missen möchte, liegt zum einen daran, dass sie hier ihren Wunsch zu helfen verwirklichen kann. Außerdem ist sie in Bolivien mittlerweile stark verwurzelt. So stark jedenfalls, dass sie sich in Deutschland mitunter fremd fühlt. Beispielsweise, weil die Bezahlsysteme fürs Bus- und Bahnfahren in Deutschland von Stadt zu Stadt unterschiedlich sind. „Ich habe dann das Gefühl, die Leute sehen mich schief an, weil ich doch ‚deutsch‘ aussehe, aber nicht weiß, wie ihr System funktioniert.“

 

 

 

Caroline Sölle de Hilari mit dem Kanu unter-
wegs zu einem Schulbesuch in Beni, einem
Bundesstaat im Norden Boliviens.
Foto: Privat

◼ Caroline Sölle de Hilari wird künftig in der Rubrik „Post aus Bolivien“ über ihr Leben in Bolivien, ihre Arbeit und ihre Gemeinde berichten.

 


 

 

 

 

Information

Bolivien grenzt im Norden und Osten an Brasilien, im Osten und Südosten an Paraguay, im Süden an Argentinien, im Südwesten an Chile und im Nordwesten an Peru. Die Hauptstadt ist Sucre, der Regierungssitz ist in La Paz. Bolivien gilt als das ärmste Land in Südamerika. Etwas über 50 Prozent der Bevölkerung gehören indigenen Völkern an, gut 30 Prozent sind Mestizen. Die übrigen Einwohner sind „Weiße“, meist Nachkommen von Einwanderern. 78 Prozent sind Katholiken, 19 Prozent Protestanten.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen