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Armutsrisiko Pflegeheim

Ein Platz im Pflegeheim ist teuer – und kostet jedes Jahr mehr. Im Bundesdurchschnitt müssen Pflegebedürftige inzwischen 1800 Euro im Monat selbst bezahlen. Die Unterschiede sind von Region zu Region aber erheblich. Für die Betroffenen ist das oft schwer nachzuvollziehen. 


Die Personalkosten sind der Hauptgrund für Preisunterschiede in den Heimen. (Foto: epd-bild)

Wer im Pflegeheim lebt, muss immer mehr aus der eigenen Tasche bezahlen. In diesem Jahr sind es monatlich im Schnitt 140 Euro mehr als im Vorjahr. Nach einer Erhebung des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen (PKV) lag der Eigenanteil für pflegebedürftige Heimbewohner im Juni 2018 bei durchschnittlich 1831 Euro monatlich. Im Mai 2017 waren es noch 1697 Euro. Alle Angaben beruhen auf Daten von rund 11000 der etwa 13000 Pflegeheime in Deutschland.

Die Diakonie Deutschland und der Sozialverband VdK warnten, weite Teile der Bevölkerung könnten das nicht mehr bezahlen. Am tiefsten in die eigene Tasche greifen müssen demnach die Pflegebedürftigen in Nordrhein-Westfalen. Dort kostet ein Heimplatz im Schnitt 2326 Euro im Monat. Es folgen das Saarland mit 2247 Euro sowie Baden-Württemberg und Berlin mit je 2098 Euro. Im Mittelfeld liegen unter anderem Bremen (1805 Euro) und Hessen (1896 Euro). 

Am preiswertesten sind Heimplätze in Sachsen und Sachsen-Anhalt, wo 1201 beziehungsweise 1205 Euro fällig werden. Diakonie-Vorstandsmitglied Maria Loheide forderte angesichts der neuen Zahlen, die Pflegeversicherung müsse weiterentwickelt werden, damit sie für die Pflegebedürftigen und deren Angehörigen „nicht eine Versicherung mit unkalkulierbaren Risiken“ werde. Ein Drittel der Pflegebedürftigen sei inzwischen auf Sozialhilfe angewiesen. Loheide forderte mehr Geld aus der Krankenkasse für die Pflege im Heim sowie Steuerzuschüsse für die Pflegeversicherung.

Der Preis für einen Heimplatz setzt sich zusammen aus einem Anteil, der seit 2017 für alle Bewohner einer Einrichtung gleich ist, in jedem Heim aber unterschiedlich hoch. Diesen Anteil zahlt ein pflegebedürftiger Mensch zusätzlich zu dem, was er oder sie von der Pflegeversicherung bekommt, allein für die Pflege. Hinzu kommen Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die so genannten Investitionskosten des Heimträgers. Die Summe variiert von Heim zu Heim – und fällt von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich aus.

Als Hauptgrund für die Unterschiede zwischen den Ländern gelten die Personalkosten, die 80 Prozent der Heimbudgets ausmachen. Im Nordosten der Republik sind die Pflegelöhne um bis zu 1000 Euro niedriger als im reichen Südwesten. Außerdem gibt es in jedem Bundesland andere Vorgaben, wie viel Personal ein Heim haben muss. So versorgt etwa in Schleswig-Holstein, wo die Preise für Heimplätze niedriger sind, eine Pflegekraft statistisch gesehen fünfeinhalb Bewohner, in Nordrhein-Westfalen viereinhalb und in Berlin knapp vier Pflegebedürftige.

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, nannte den steten Anstieg der Eigenbeteiligung in Pflegeheimen „ein hohes Armutsrisiko“. Die Lücke zwischen den Leistungen der Pflegeversicherung und den tatsächlichen Ausgaben privat schließen zu müssen, führe zur finanziellen Überforderung weiter Teile der Bevölkerung. Das müsse gestoppt werden, forderte Bentele.

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Information zum Armutsrisiko Pflegeheim

Warum steigen derzeit die Eigenanteile für Heimbewohner deutlich an?

Das ist die direkte Folge des 2017 in Kraft getretenen Pflegestärkungsgesetzes II: Es hat die tarifliche Bezahlung des Fachpersonals ebenso zum Ziel wie verbesserte Personalschlüssel in den Einrichtungen. Dazu kommt die Umstellung auf die einrichtungseinheitlichen Eigenanteile für alle Bewohner, die verhindern sollen, dass der Eigenanteil für die Pflege, Betreuung und Behandlungspflege steigt, wenn sich der Pflegegrad des Einzelnen erhöht. Die Folge: Für ein Drittel aller stationär betreuten Personen, nämlich die mit einem niedrigen Pflegegrad, hat sich die Zuzahlung seither deutlich erhöht. Die Summe liegt im Schnitt bei 200 Euro pro Monat.

Welche Sofortschritte schlagen Fachleute vor?

Der Sozialverband Deutschland VdK plädiert dafür, die Zahlungen der Pflegekasse jährlich zu dynamisieren, damit sie mit der Kostenentwicklung Schritt halten. Wichtig ist es demnach auch, die Leistungen stets an die Lohnkosten für das Pflegepersonal anzupassen.Und schließlich: Der seit Jahren beobachtbare, inflationsbedingte Wertverlust der Pflegeleistungen sollte sofort durch eine einmalige Erhöhung der Leistungen ausgeglichen werden.epd