Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auch für Feiglinge - Impuls zur Predigt

Prediger 12,1 Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre nahen, da du wirst sagen: „Sie gefallen mir nicht“.

Auch für Feiglinge

Impuls zum 20. Sonntag nach Trinitatis: Prediger 12,1-7.

Von Stefanie C. Siegel

Stefanie C. Siegel ist Pfarrerin in der Evangelischen Kirchengemeinde Bonfeld.

„Alt werden ist nichts für Feiglinge“ – an diesen bekannten, etwas lapidaren Ausspruch musste ich sofort denken beim Lesen dieser Zeilen aus dem Predigerbuch. In der Tat wollen alle alt werden, aber keiner will alt sein. Wenn die Leistungsfähigkeit nachlässt, wenn die Füße wackelig und das Gehirn langsamer, das Sehen und Hören stetig schlechter werden, dann gefällt das den wenigsten. Viele fühlen sich zu nichts mehr nütze und weniger wert als die Jungen. Denn nicht nur in unserer Arbeitswelt sollen Männer und Frauen stets gesund und fit, leistungsstark und durchsetzungsfähig sein, sonst ist man schnell nicht mehr gefragt. Darum sind wir sehr bemüht, nicht nur graue Haare und Falten, Bauchansatz und Krampfadern zu kaschieren. Es entsteht ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem uns schnell die Puste ausgehen kann, weil immenser Druck auf uns lastet.

Für Gott sind wir immer wertvoll

Es steht außer Frage, dass das Altsein oft bitter und frustrierend, schmerzhaft und leidvoll ist. Deshalb beschreibt der Bibeltext im weiteren Verlauf detailreich die gravierenden Beeinträchtigungen im Alter. Aber dies geschieht nüchtern und ohne den erhobenen Zeigefinger nach dem Motto: „Denke beizeiten an deinen Tod!“

Pfarrerin Stefanie C. Siegel, Bonfelden. Foto: PrivatVielmehr heißt es: „Denke an deinen Schöpfer“ – und das am besten vom Beginn deines Lebens an. Denn Gesundheit und Fitness, Tatkraft und Leistungsvermögen sind in keinem Alter selbstverständlich. Wer bereits in jungen Jahren eine schwere Krankheit durchgemacht hat oder gar mit einer erheblichen Beeinträchtigung geboren wurde, spürt dies unmittelbar und drastisch. Freilich können wir viel dazu beitragen, dass wir lange gesund und leistungsfähig bleiben, aber genauso vieles ist unserem Einfluss entzogen und wird uns vielmehr geschenkt, Tag für Tag. So wie wir uns nicht selbst gemacht haben, so sorgt auch ein anderer dafür, dass wir leben und wirken können. Gott hat uns viele Gaben und Fähigkeiten geschenkt. Er freut sich mit uns, wenn wir sie einsetzen und Erfolg damit haben. Aber Gott rechnet damit nicht unseren Wert aus. Eine jung-dynamische Unternehmerin ist in seinen Augen nicht wertvoller als eine gebrechlich gewordene alte Frau. Ein erfolgreicher Geschäftsmann findet bei Gott nicht mehr Ansehen und Anerkennung als ein von der Arbeit gezeichneter Landwirt. Für Gott sind wir immer wertvoll, egal wie viel oder wie wenig wir können und egal wie jung oder alt wir sind. Für Gott sind wir immer kostbar, weil er unser Schöpfer und wir seine kostbaren Geschöpfe sind, von klein auf und bis ins hohe Alter.

Darum ist das Altwerden auch etwas für Feiglinge, wenn wir an uns und an andere Gottes Wertmaßstäbe anlegen. Dann sind wir, nicht nur im Alter, davon befreit, uns selbst oder anderen etwas beweisen zu müssen. Dann dürfen wir uns, nicht erst im Alter, unsere begrenzten Kräfte eingestehen. Dann dürfen wir, zu allen Zeiten des Lebens, das von Gott geschenkte Gute und Schöne dankbar genießen und uns daran erfreuen. Dann sind wir schon ein wenig eingeübt und vorbereitet, wenn die „bösen Tage kommen“. Und wir gehen diese nie alleine, sondern mit Gott an unserer Seite, der von sich sagt: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten“ (Jesaja 46,4).

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Gebet

Gott, du Schöpfer und Vollender unseres Lebens, sei bei uns an allen Lebenstagen, stärke uns in allen Lebenslagen und geleite uns auf allen Lebenswegen mit deiner Liebe und Treue, mit deinem Segen und Frieden.

Amen.