Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf dem Prüfstand - Impuls zur Predigt

Matthäus 26,36-46 (in Auszügen) Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir! Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!

Auf dem Prüfstand

Impuls für den Sonntag Reminiszere: Matthäus 26,36-46.

Von Bernhard Elser

Bernhard Elser ist Pfarrer in Waiblingen-Hegnach. Foto: Privat

Bevor ein Fahrzeug auf die Straße kommt, kommt es auf den Prüfstand. Die Auto-Ingenieure jagen ihre Prototypen über Naturstraßen und quälen Karosserie sowie Fahrwerk stundenlang mit Schotter und Schlaglöchern. Auf Passstraßen müssen deren Bremsanlagen extremen Dauerbelastungen standhalten. Sie kommen auch in eigens dafür eingerichtete „Proving Grounds“. Das sind „automobile Folterkammern“ mit Kreisbahn, Rüttelstrecke und vielem anderen mehr.

Bernhard Elser ist Pfarrer in Waiblingen-Hegnach.Der Evangelist Matthäus geht mit uns hinein in den „Proving Ground“ namens Gethsemane. So viel Zeit hatten sie in das gemeinsame Projekt investiert, so viel durchdacht, so viel erprobt, so viel erlebt, so viel geschafft. Und jetzt? Jetzt kam noch einmal alles, aber wirklich alles auf den Prüfstand. Nicht nur für Jesus, sondern auch für seine engsten Freunde.

Matthäus zeigt uns hier die härtesten Stunden im Leben von Jesus. Er zeigt uns seinen heftigsten Kampf aus nächster Nähe. Er zeigt uns, wie Jesus durchgeschüttelt wird. Er zeigt uns sein Zittern, sein Zagen, seine Tränen, seine brutale Angst. Im Zentrum des Geschehens steht die flehentliche Bitte von Jesus, einen anderen Weg gehen zu können. Es kommt anders. Hier auf dem Prüfstand offenbart sich alles. Die Stärke des Meisters, aber auch die Anfälligkeiten der Schüler.

Jesus offenbart, was es heißt, sich der Prüfung zu stellen und in intensivem Gebet die Entschlossenheit für einen Weg im Einklang mit Gottes Willen zu erringen. Die Jünger stattdessen offenbaren, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Schon die nächtliche Müdigkeit bringt sie gefährlich ins Schleudern. Sie dösen mehrfach weg. So verschlafen und verraten sie direkt nach dem Abendmahl den Auftrag ihres Herrn, noch bevor Judas das schließlich endgültig tun konnte.

Wachet und betet

Das sind Stunden auf dem Prüfstand. Das sind dramatische, ehrliche, wichtige Stunden. Das sind Lehr-Stunden unseres Herrn. Das sind Lernstunden für seine Schüler bis heute.

Diese Stunden auf dem Prüfstand sind kein Zufall und kein Unfall. Sie sind schlichter Teil des Weges, den Gott mit uns geht. Wir sollen uns auf solche Stunden der Prüfung einstellen. Oder dachten wir, Glaube bewähre sich in frommen Konferenzen bei gefüllten Tellern und guter Unterhaltung mit viel christlicher Prominenz? Wie man es auch dreht und wendet: Glaube kommt immer auf den Prüfstand. Und er bewährt sich in Gethsemane. Auch unser Glaube. Und wenn hierzulande das Ausschlafen tatsächlich mit dem Gottesdienstbesuch der Ortsgemeinde konkurriert, brauchen wir am Sonntag Reminiszere (Gedenke!) wieder die deutliche Erinnerung: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“ Ja, bevor ein Fahrzeug auf die Straße kommt, kommt es auf den Prüfstand. Und bevor einen Jünger der himmlische Garten erwartet, erwartet ihn der Garten Gethsemane. Die Stunden auf dem Prüfstand enden für die Jünger abrupt mit der Frage ihres Herrn: „Ach, wollt ihr weiterschlafen und ruhen?“

Johann Albrecht Bengel kommentiert die Worte Jesu in seinem „Gnomon“, seiner Auslegung des Neuen Testaments, so: „Es ist keine Ironie; sondern er will sagen: Wollt ihr mich nicht hören, so werden bald andere da sein, die euch wecken werden.“

Foto: Ina HochreutherFoto: Ina Hochreuther

 

Gebet

Kreuz und Elende, das nimmt ein Ende;

nach Meeresbrausen und Windessausen leuchtet der Sonnen gewünschtes Gesicht.

Freude die Fülle und selige Stille wird mich erwarten im himmlischen Garten;

dahin sind meine Gedanken gericht’.

Paul Gerhardt "Die Güldne Sonne" (EG 449, Strophe 12)

THEMA Paul Gerhardt eva-buchhandlung

THEMA: Geh aus mein Herz

Paul Gerhardt

52 Seiten, broschiert

4,50 €

 

 

 

Er ist der berühmteste Kirchenlieddichter Deutschlands. Doch er, dessen Verse so leicht in Ohr und Herz gehen, hatte ein schweres Leben und galt als streitbarer, kompromissloser Lutheraner. THEMA über die verschiedenen Seiten Paul Gerhard(t)s und warum sein Dichtung uns noch heute erreicht.