Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf der Höhe der Zeit bleiben

Der Kult um Computer und Smartphones kann auf die Nerven gehen. Viele vermissen die alten Werte, beklagen, dass moderne Menschen nur noch auf Bildschirme starren. Dabei hat es Veränderungen dieser Art schon immer gegeben, damals, als etwa der Buchdruck die Reformation revolutionierte. Ein paar Beispiele aus dem früheren und heutigen Leben. 


Aktiv und offen: Wer sich für Neues interessiert, wird nicht so schnell von gestern sein. (Foto: epd-bild)


Heiner B. ist ein begnadeter Organisator. Das war schon in seinem Berufsleben so. 1997 war er in Rente gegangen und als aktiver Mittsechziger auf die Idee gekommen, eine Ausflugsgruppe für Senioren zu gründen. Lange Zeit war das ein Selbstläufer. Doch seit ein paar Jahren wird es für Heiner B. immer mühsamer seine Reisen zu organisieren. Das hat rein gar nichts mit seinem Lebensalter zu tun, noch immer ist er geistig und körperlich fit.

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Aber er hat den Schritt in die Computerwelt nie mitgemacht. In seinem Beruf hat er es nicht mehr gebraucht und privat wollte er es nicht. Am Anfang war das kein Problem: Da war der Computer die Ausnahme und das Internet noch nicht groß bekannt.

Doch dann, ganz allmählich, nach der Jahrtausendwende, drehte sich der Wind. Immer mehr seiner Alterskollegen gingen online, tauschten sich per E-Mail aus. Sie begannen sich zu wundern, dass ihr stets informierter Kollege Heiner B. nicht mit von der Partie war. Und auch die Informationsbeschaffung und Buchung wurde immer schwieriger für jemanden, der keinen Zugang zum Computer hatte.

Neulich hat zu Heiner B. einer gesagt: „Es ist so schade, dass du das nie angefangen hast, bei deiner Begabung hättest du das doch schnell gelernt.“ Vielleicht hat er ja Recht, der Freund. Aber jetzt, mit 85, ist es zu spät, denkt sich Heiner B. Und demnächst würde er die Organisation sowieso in jüngere Hände legen.

Das Beispiel von Heiner B. ist kein Einzelfall. Oft sind es ganz praktische Nachteile, wenn jemand keinen Zugang zu Computer und Internet hat. Wollen die Kinder oder Enkel ein Foto schicken, ist es natürlich digital. Und wenn die Jungen mal wieder ein Jahr lang im Ausland sind und mit der Oma telefonieren möchten, tun sie das am liebsten kostenlos per Skype: Da kann man miteinander sprechen und sich zugleich auf dem Bildschirm zulächeln.

Bei vielen Weiterbildungseinrichtungen haben Computerkurse Hochkonjunktur. So vertraut für ganz junge Menschen der Umgang mit Computer, Internet und Smartphone ist, so schwer tun sich oft Erwachsene ab einem bestimmten Alter mit dem Thema.

Dabei machen die, die sich dazu entschlossen haben den Computer zu nutzen, häufig recht gute Erfahrungen damit. Wie etwa Norbert Natter aus Stuttgart. Vor 20 Jahren hat er damit angefangen. Da war er 70 Jahre alt. Seine Tochter hatte ihm einen alten ausrangierten PC geschenkt und damit den Grundstein gelegt für alles weitere.

Heute ist Norbert Natter 92 Jahre alt. Der PC ist für ihn längst so selbstverständlich wie Radio und Telefon. „Ich wüsste heute nicht mehr, was ich ohne ihn tun sollte.“ Den Schriftverkehr, die Banküberweisungen, Einladungen für Veranstaltungen, alles macht er inzwischen online. Er ist ein sehr aktiver Ruheständler, leitete früher eine Behörde und organisiert noch heute viele Exkursionen in seinem alten Berufsfeld: „Ich wäre abgehängt ohne meinen Computer.“ Wenn es einen Termin zu vereinbaren, ändern oder abzusagen gibt, geschieht das in aller Regel per E-Mail.

Norbert Natters Ehefrau hat sich selbst nie mit dem Computer beschäftigt. Aber sie ist gottfroh, dass ihr Ehemann einen hat und für sie immer mal wieder etwas nachschauen kann. „Dann gehe ich halt in Google“, sagt der Gatte und meint damit jene Internetsuchmaschine, die in kürzester Zeit die Information ausspuckt, die man sich zuvor mühsam in Lexika zusammensuchen musste. Das gute alte Lexikon, es ist auch im Hause Natter ein Stück aus der Vergangenheit.

Erst vor wenigen Monaten hat Norbert Natter nun ein Smartphone bekommen. Ein Handy mit Kleincomputer. Er telefoniert damit und verschickt Nachrichten mit dem kostenlosen Programm „WhatsApp“. So kann man ganz einfach mit der weitverstreut lebenden Familie in Kontakt treten. Soziale Netzwerke wie Facebook sind für ihn kein Thema, auch einen Laptop hat er sich nie zugelegt. Man muss ja nicht alles mitmachen.

Computer sind nicht das einzige Thema, das uns herausfordert. Alles verändert sich ständig, egal, ob es dabei um Musik, Mode, Essen, Trinken, Filme oder Reiseziele geht. John Wayne reitet nicht mehr durch die Prärie und man fährt nicht mehr mit dem Schiff nach Amerika. Elvis Presley wäre ein alter Mann und die Erfinder des neuen geistlichen Liedes sind es auch. Der Liedermacher Siegfried Fietz war 24, als er die Melodie zu Bonhoeffers „Von guten Mächten schrieb“, demnächts wird er 73.

Stattdessen gibt es nun: Rap, Hiphop, Lobpreislieder, 3-D-Filme mit Animation, jede Menge Sushi-Läden und vegane Restaurants. Wenn Jeans Löcher haben, gelten sie als topmodern und heiraten ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr für junge Frauen und Männer. Auf der anderen Seite wollen nun plötzlich gleichgeschlechtliche Paare mit Trauschein zusammenleben und evangelische Pfarrer mit Menschen anderen Glaubens. Wer soll da noch die Welt verstehen?

Es ist nicht immer einfach, den Wandel der Zeiten zu ertragen. Viele beklagen den Verlust von Werten und Traditionen. „Die Jugend von heute“, heißt es da schnell mal. Dabei hat bisher fast jede Generation über die vorhergehende geklagt. Weil sie halt immer alles anders machen will.

Viel sinnvoller, als den Wandel der Zeiten pausenlos zu beklagen ist es allerdings, sich für ihn zu interessieren. Wie heißt diese neue Musikgruppe? Wo geht Ihr abends hin? Und warum willst du nach der Schule ein Jahr ins Ausland? Wer sich für junge Menschen interessiert, dem werden sie schon bald mit ihren Lebensgewohnheiten nicht mehr so fremd erscheinen.

Man muss ja deshalb nicht alles mitmachen, was die neue Zeit mit sich bringt. Sondern sie nur ein wenig begreifen lernen. Wer mehr im Jetzt und Heute lebt, der wird auch nicht so schnell von Gestern sein.

 

 

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