Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf der Klaviatur der Gefühle - Stärken und verbinden durch Gesang

DONZDORF (Dekanat Geislingen) – Einfühlsam stärkt und verbindet Enza Jahn-Casá Menschen bei Beerdigungen und Hochzeiten mit ihrem Gesang. Auch als Fotografin widmet sich die gelernte Arzthelferin dem, was einen Menschen ausmacht.

Den Menschen nahe sein: die Sängerin und Fotografin Enza Jahn-Casá. Foto: Brigitte ScheiffeleDen Menschen nahe sein: die Sängerin und Fotografin Enza Jahn-Casá. Foto: Brigitte Scheiffele

Erst einmal kocht Enza Jahn-Casá in ihrer Donzdorfer Küche einen ordentlichen italienischen Kaffee. Gerade kommt sie von einem Shooting, einem Fototermin. Vor vier Jahren entdeckte die gelernte Arzthelferin das Fotografieren und lernte um. Sie möchte Menschen in Szene setzen. Zum einen die, die sich selbst nicht attraktiv finden, zum anderen jene, deren Lebensgeschichte sichtbar werden soll.

Ihr Erfolg beruht auf ihrem Einfühlungsvermögen. Es mache sie glücklich, „wenn die Menschen Tränen in den Augen haben, weil sie sich auf den Fotos gesehen fühlen“ – in entdeckter Attraktivität oder in bewusst gespiegeltem Leid. Weiße Zähne oder makellose Haut dünner, hochbeiniger Modells zu zeigen sei keine Herausforderung, sagt die Fotografin. Wohl aber, wenn eine junge Frau ihr Gewicht von 200 auf 85 Kilo reduzierte und nicht nur den Erfolg auf der Waage, sondern die Geschichte dahinter festhalten will. Warum sind die jetzigen Falten und das hängende Fleisch an sie herangewachsen? Enza Jahn-Casá erzählt von Sterbenden, die sie fotografisch begleitete, die mutig ihrem Tod ins Auge sahen, oder von einer jungen Frau, die mit der Weißfleckenkrankheit Vitilligo leben muss.

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Eigentlich sollte die Sängerin ja erzählen, wie sie auf Trauerfeiern und Hochzeiten singt, doch zweifellos sind ihre fotografischen Tätigkeiten ebenso mit dem verbunden, was Musik möglich macht: Sie unterstützen und spiegeln die gesamte Klaviatur menschlicher Empfindungen von tiefstem, verzweifeltem Kummer bis hin zum größten Glücksgefühl. Bei allem, was sie tue, gehe es um Emotionen und das Erreichen der Seele, sagt sie.

Die verheiratete 51-jährige Mutter von zwei Kindern hat italienische Wurzeln und gleicht optisch der „italienischen Mama“, deren Temperament, gepaart mit herziger Reibeisenstimme, ihr Gegenüber sofort einnimmt. Enza – mit vollständigem Namen: Vincenza – bedeute übersetzt: die Gewinnerin.

Menschsein in allen Facetten

Dass sie heute singt, sei ein Vermächtnis ihrer Schwester Olimpia, erzählt sie. Erst habe sie diese in der Schülerband unterstützt, war dann Backgroundsängerin bei der Band Irean (einst Vorgruppe von Deep Purple und Gianna Nannini) neben Frontfrau Olimpia. Heute singt sie in der Coverband „Velvet“. Allein wollte Enza  Jahn-Casá nie auf der Bühne stehen, doch genau damit hat sie sich auf ganz eigene Art einen Namen gemacht: Sie singt bei besonderen Anlässen und übt Lieder auf Wunsch auch in Sprachen ein, die ihr fremd sind. „Einmal starben drei spanische Väter in einer Woche“, erinnert sie sich. „Sogar Armenisch und Russisch habe ich mit Hilfe von Angehörigen einstudiert.“

Sängerin und Fotografin Enza Jahn-Casá. Foto: Brigitte ScheiffeleSängerin und Fotografin Enza Jahn-Casá. Foto: Brigitte Scheiffele

Oft stellt sich Enza Jahn-Casá die Frage, warum sie bei Beerdigungen überhaupt singen kann: „Beim Singen weine ich mit allen anderen. In diesem Moment bin ich dem Toten so nah wie nie.“ Manchmal ärgere es sie, dass sie den verstorbenen Menschen nicht kennenlernen konnte. „Es mag komisch klingen, aber nach Beerdigungen verspüre ich ein Glücksgefühl. Ich weiß, dass mich daheim meine Familie erwartet. Alle sind noch da und ich werde so demütig und dankbar.“ Lebensgeschichten und das Menschsein in allen Facetten begleiten sie wie „ein roter Faden durch das Leben“. □

◼ Kontakt zu Enza Jahn-Casá per E-Mail an: enza.casa@gmx.de

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