Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf der Suche nach Wohnraum

ÖHRINGEN –  Im Rahmen eines Projekts sucht die diakonische Bezirksstelle Öhringen seit  2017 Wohnungen für Rentner, Geflüchtete, Auszubildende, Alleinerziehende und Familien. Potentielle Vermieter günstiger Wohnungen und Mieter werden dadurch miteinander bekannt gemacht. Doch dem Projekt, das nur bis Ende Juni gesichert ist, droht im Sommer das Aus. 

Hoffen, dass das Wohnprojekt fortgesetzt werden kann. Vermieterin Irene Sadzio, Mieterin Ilona Willmann, Projektleiterin Linda Vogelmann und Elisabeth Ernst, Geschäftsführerin des Kreisdiakonieverbands (von links). (Foto: Regina Koppenhöfer)


Mit bescheidenen Mitteln hat Qod-ratulla Salari (23) seine neue, kleine Wohnung in Öhringen gemütlich eingerichtet. Zum ersten Mal in seinem Leben bewohnt der junge Mann, der 2015 aus Afghanistan geflohen ist, eine eigene Wohnung. Das Besondere daran: Vermittelt wurde ihm die Wohnung durch das Diakonie-Wohnraumprojekt „WUP“.
Linda Vogelmann hat Salari und seine neuen Vermieter zusammengebracht. Auch Ilona Willmann konnte die ­Projektleiterin helfen. Die 68-jährige Seniorin, die sich in ihrer Freizeit im evangelischen Kirchengemeinderat von Sindringen-Ernsbach engagiert, suchte verzweifelt eine neue, nicht zu teure Wohnung.

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Willmann wohnt nun in einer Zweizimmerwohnung, die Irene Sadzio gehört. Vogelmann hat die beiden Frauen miteinander bekannt gemacht. „Die ganze Geschichte ist wie ein Sechser im Lotto“, freut sich Ilona Willmann über ihr neues Zuhause.

Getragen wird das Wohnraumprojekt vom Kreisdiakonieverband Hohenlohekreis. Es wird unterstützt von der Großen Kreisstadt Öhringen, den beiden Hohenloher Kommunen Neuenstein und Pfedelbach sowie von der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde in Öhringen.

Weil es viele Menschen gibt, die vor allem kleine und günstige Wohnungen suchen, von denen es allerdings viel zu wenige auf dem Wohnungsmarkt gibt, hatte man bei der Diakonie die Idee, das Projekt ins Leben zu rufen: Man möchte Hausbesitzer ermuntern, leerstehenden Wohnraum auf den Markt zu bringen.

Linda Vogelmann und die Geschäftsführerin des Kreisdiakonieverbands Hohenlohekreis, Elisabeth Ernst, erläutern, warum manche Menschen Unterstützung bei der Wohnungssuche brauchen: Passenden Wohnraum gebe es schon, sagen beide. Allerdings, so zeige die Erfahrung, scheuen viele potentielle Vermieter den Aufwand, den eine Vermietung mit sich bringe. Hier nun kommt „WUP“ ins Spiel: Wer eine Wohnung vermieten möchte, sich aber mit dem Drumherum nicht belasten will, der kann sich an Projektleiterin Linda Vogelmann wenden. Diese schaut sich die angebotenen Wohnungen an und trifft dann eine Erstauswahl bei den Wohnungsinteressenten.

Vogelmann versucht einzuschätzen, welcher Mieter zu welchem Vermieter passen könnte. Dann stellt sie den Erstkontakt zwischen beiden her. Auch bei Gesprächen zwischen Mieter und Vermieter ist sie dabei. Was das Projekt besonders macht, ist die Tatsache, dass Vogelmann beide Parteien auf Wunsch noch nach Beginn des Mietverhältnisses begleitet, falls es Gesprächsbedarf oder Probleme gibt.

Zwölf Vermietungen sind so bisher zustande gekommen. Familien, Rentnern, Geflüchteten, auch einer Alleinerziehenden konnte Vogelmann eine neue Wohnung vermitteln. Auch bei Ilona Willmann hat es geklappt. „Ich habe es alleine nicht geschafft und dann kommt da jemand, der dich an die Hand nimmt und begleitet“, sagt die Rentnerin, die sich heute noch über die Unterstützung freut.

Ebenso Gefallen am Diakonie-Projekt findet ihre Vermieterin Irene Sadzio. Sie sagt: „Mir ging es nicht darum, den großen Gewinn zu machen. Und ich wollte auch keinen großen Stress bei der Auswahl der Mieter. Dann habe ich von ‚WUP‘ gelesen und gedacht: Das wäre es!“

Ende Juni könnte „WUP“ jedoch der Vergangenheit angehören. Zwei Jahre hat der Kreisdiakonieverband dann aus dem eigenen Säckel die Personalkosten in Höhe von 15?000 Euro jährlich finanziert. Wenn sich keine Sponsoren von außerhalb finden, wenn von Kommunen oder aus der Landeskirche keine finanzielle Förderung kommt, dann wird es keine Wohnraumvermittlung durch die Diakonie mehr geben können.

Wie geht es für Menschen, die aus ­ihrer Wohnung rausmüssen, nichts Finanzierbares finden und nun auch nicht mehr auf die Hilfe durch das Diakonie-Projekt hoffen können, dann weiter? „Als Option bleibt dann oft nur noch das Obdachlosenasyl, letzte ­Station ist der Schlafsack“, sagt Elisabeth Ernst.