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Auf Einsteins Spuren - Einstein Museum im Ulmer Weinhof

ULM – Der Physiker Albert Einstein ist einer der berühmtesten Söhne der Stadt Ulm. Im früheren Haus seiner Großeltern am Ulmer Weinhof soll im kommenden Jahr ein Museum eröffnen. Dabei geht es um ihn und seine schwäbischen und jüdischen Wurzeln. Auf diese Weise will das Museum auch ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen.

Albert Einstein. Foto: Moerschy, pixabayAlbert Einstein. Foto: Moerschy, pixabay

Albert Einstein, der wohl bekannteste Wissenschaftler der Neuzeit, lebte zeitweilig in Deutschland, zeitweilig in der Schweiz und in Österreich. Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft verließ er Europa und ging in die USA; er war im Laufe seines Lebens Staatsbürger mehrerer Länder.

Geboren wurde Albert Einstein aber in Schwaben, in Ulm. Einsteins Verhältnis zur Stadt seiner Geburt war kompliziert. Der Physiker sprach über sie wie auch über das Haus seiner Geburt mit der ihm eigenen Ironie. Er gedenke Ulms in Dankbarkeit, da die Stadt edle künstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbinde, sagte Einstein einmal. Seine schwäbische Familie aber war ihm immer wichtig. Ulm richtet aktuell ein Museum ein, das Einstein im Bezug zu seiner Familie begreifbar machen will – und so zugleich einen Beitrag gegen Antisemitismus leisten möchte.

Der kleine Albert Einstein konnte wahrscheinlich noch nicht laufen, damals im Haus „Engländer“ am Ulmer Weinhof. Im Haus mit der Nummer 19, benannt nach der ehemaligen Gastwirtschaft „Zum König von England“, lebten die Großeltern des kleinen Albert, Abraham und Helene Einstein, geborene Moos. Abraham Einstein war in diesem Haus gestorben.

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Dass die Eltern des kleinen Albert, Hermann und Pauline Einstein, die Großmutter mit dem am 14. März 1879 geborenen Söhnchen in diesem Haus besuchten, gilt als gesichert. Deshalb wurde das spätmittelalterliche Haus am Weinhof auch mit Bedacht als Ort des künftigen Einstein-Museums gewählt – es hat viel mit Einsteins Familiengeschichte zu tun.

Verwandte Einsteins betrieben in dem Gebäude eine Bettfedernhandlung, in der Albert Einsteins Vater Hermann als Kaufmann tätig war. Am Weinhof stand auch die von Nationalsozialisten 1938 zerstörte Synagoge der Ulmer jüdischen Gemeinde. Nur wenige Meter entfernt von der heutigen Synagoge, auf die im Juni diesen Jahres ein Brandanschlag verübt worden ist.

Die Familie war sehr beliebt

Einsteins Eltern Hermann und Pauline Einstein wohnten in einem gutbürgerlichen Haus in der Nähe des Ulmer Bahnhofs, das beim Bombardement der Stadt Ulm im Dezember 1944 zerstört wurde. Einsteins Eltern, Onkel und Tanten waren gesellschaftlich sehr beliebt. Als die jüdische Gemeinde 1877 die Statue des Jeremias für das Ulmer Münster spendete, waren sie daran beteiligt. Der kleine Albert war erst 15 Monate alt, als seine Eltern mit ihm nach München zogen. Seine Vorfahren aber lebten seit Jahrhunderten im Schwäbischen. Hermann Einstein zog aus Buchau 1869 nach Ulm, wo er sieben Jahre später Pauline Koch heiratete.

Aufgrund dieser Familiengeschichte gehören zu den Exponaten des künftigen Museums nicht nur der Standesamtseintrag zur Geburt des kleinen Albert und ein bereits fertiges Legomodell des Geburtshauses, sondern auch Backsteine aus dem in den Jahren 2016 und 2017 freigelegten Mauerresten des Geburtshauses.

Albert Einsteins Geburtshaus LegoFoto: Dagmar HubZwei Exponate für das Museum: ein Legomodell von Einsteins Geburtshaus und der Eintrag seiner Geburt. Fotos: Dagmar Hub

Vor kurzen konnte die Stadt mit Hilfe eines anonymen Spenders ein Lernspielzeug des Kindes erwerben, ein Mosaik-Legespiel, das von den Enkeln Einsteins zur Versteigerung angeboten worden war. Auch ein von Einstein ausgestellter Affidavit – eine Bürgschaft, mit der Einstein versuchte, Verwandte vor dem Holocaust zu retten – wird Teil der Ausstellung sein.

Das Museum soll im Herbst 2022 eröffnet werden. Die Idee entstand etwa 2015, erinnert sich Ulms Stadtarchivleiter Michael Wettengel. Drei Jahre später wurde entschieden, dass das Museum nicht auf Technik ausgerichtet sein soll, sondern bewusst eines der Familiengeschichte werden soll. Inzwischen gibt es in Ulm auch Planungen für ein Einstein Discovery Center, das für Physik und Technik begeistern will.

Ingo Bergmann wird der Chef des Einstein-Museums sein. Er reiste nach Israel, um Exponate für Ulm zu beschaffen. Die Designagentur „2av“ gewann die Aussschreibung für die Erstellung des digitalen Teils der Exponate, die sich vor allem an junge Besucher richten werden. Briefe Albert Einsteins und seiner zweiten Frau Elsa, die auch seine Cousine war, sollen beispielsweise nicht einfach gezeigt werden, sondern ihr Inhalt und die jeweils erwähnten Ereignisse sollen für den Besucher einzuordnen sein.

Mit Workshops will sich das Einstein-Museum insbesondere an Schulklassen richten. Kindern und Jugendlichen soll vermittelt werden, dass die Einsteins eine ganz normale Familie ihrer Zeit waren, sagt Stadtarchivdirektor Michael Wettengel. Denn Antisemitismus – egal ob von links, rechts oder aus islamischen Gruppen – versuche stets, aus einer heterogenen Gruppe vieler Individuen eine Einheit zu machen, ohne dass man die Menschen kennt. „Wir wollen mit dem Museum ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus. Das ist unser Beitrag, ihn zu bekämpfen.“